Hier soll Illnau einen neuen Ortsteil erhalten
Masterplan Geen
Geen ist das letzte grosse Baugebiet in Illnau. Nun kommt Bewegung in die künftige Gestaltung des Areals zwischen Kempttalstrasse und Kempt.
Wohnen, Gewerbe und Industrie gibt es schon heute im Gebiet Geen zwischen der Kempt und der Kempttalstrasse. Doch die bauliche Entwicklung am südlichen Ortsrand von Illnau ist seit Jahrzehnten blockiert. Eine Fülle an Rahmenbedingungen, beispielsweise die künftige Gestaltung der Kantonsstrasse mit den Zufahrten ins Gebiet Geen oder auch die geplante Revitalisierung der Kempt, trifft auf verschiedene Zuständigkeiten (Gemeinde und/oder Kanton) und eine heterogene private Grundeigentümerschaft mit unterschiedlichen Interessen.
Um diesen gordischen Knoten zu lösen, hat der Stadtrat von Illnau-Effretikon im Juli 2020 die Erstellung eines Masterplans Geen in Auftrag gegeben. Mit der Ausarbeitung wurde die Zürcher Kontextplan AG betraut.
Insgesamt drei Workshops führten die Planer mit den Grundeigentümerinnen und -eigentümern durch und erarbeiteten darauf die Grundlagen des Masterplans. Diese unterbreiteten sie den zuständigen Amtsstellen beim Kanton.
Unterschiedliche Interessenlagen und Vorstellungen führten in der Folge zu mehreren Bereinigungsdurchgängen. Vier Jahre wurde diskutiert, geplant und bereinigt, ehe nun ein Resultat vorliegt. Es entspreche «dem grösstmöglichen Konsens», schreibt die Stadt Illnau-Effretikon in einer Mitteilung, «und zeigt den Weg für ein schrittweises Vorwärtskommen für die Entwicklung des Gebiets Geen auf».

Vier Teilbereiche im Masterplan
Insgesamt 77’000 Quadratmeter misst das Gebiet Geen, das entspricht der Fläche von mehr als zehn Fussballfeldern. Der vorliegende Masterplan unterteilt das Gebiet in vier Teilbereiche:

- Neues Wohnen: Der wohl spannendste Teil des Plans. Die grosse Fläche zwischen der Kempt und den bestehenden Gebäuden an der Kempttalstrasse ist prädestiniert für Wohnhäuser. Die derzeit in einem engen Bachbett fliessende Kempt soll umgestaltet und revitalisiert werden und ein «naturnahes und verhältnismässig urbanes Wohnen am Wasser» ermöglichen.
- Alte Weberei Graf: Das historische Ensemble soll nach dem Prinzip «erhalten und stärken» weiterentwickelt werden. Gemäss heutigen Vorgaben des regionalen Richtplans ist eine Wohnnutzung praktisch ausgeschlossen. Dies möchte der Stadtrat ändern.
- Neues Arbeiten: Dieser Bereich ist für Produktion und Gewerbe vorgesehen, schliesst den Detailhandel aber aus. Die Nähe zum Ensemble Alte Weberei bedinge «eine entsprechende Sorgfalt bei der Gestaltung der dortigen Neubauten», schreibt der Stadtrat. Auch weil dieser «Teil des Siedlungsrands das künftige Eingangstor zu Illnau von Fehraltorf her» bilde.
- An der Kempttalstrasse: Die bestehenden Gebäude und Grundstücke an der Kantonsstrasse werden in die Planung eingebunden.
Wie geht es weiter?
Keinen Zeitplan, aber immerhin ein Vorgehen liefert der zuständige Stadtrat Erik Schmausser (GLP) auf Anfrage. Derzeit laufen drei Planungsprojekte praktisch parallel.
Erstens wird der künftige Gewässerraum der Kempt provisorisch festgelegt. Das ist Grundvoraussetzung für die Ausrichtung eines Architekturwettbewerbs als zweites Planungsprojekt. Dieser wird von den Eigentümern der Alten Weberei Graf durchgeführt, ihnen gehört der grösste Teil des noch unbebauten Lands. Und drittens muss mit dem Kanton ein Betriebs- und Gestaltungskonzept für die Kempttalstrasse ausgearbeitet werden. Der Kanton will höchstens zwei Ein- und Ausfahrtstrassen in das respektive aus dem Gebiet Geen bei der Kantonsstrasse.

Danach soll ein Quartier- und Gestaltungsplan die rechtlich nötigen Grundlagen für die konkrete bauliche Entwicklung des Gebiets schaffen. Dass er keinen konkreten Zeitplan nennen will, begründet Tiefbauvorsteher Schmausser mit «zu vielen Unwägbarkeiten». Da ist einerseits die private Grundeigentümerschaft, die selbst entscheidet, wann und zu welchen Bedingungen sie den Architekturwettbewerb veranstaltet, und andererseits der Kanton, der über den Projektverlauf bei Strasse und Gewässer bestimmt.
Immerhin eine Jahreszahl lässt sich Schmausser entlocken: «Es besteht die Chance, dass die Planung vor 2030 abgeschlossen ist.»