Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Oberländer Gemeinden sind wegen Deponieplänen irritiert

Manche dürfen entscheiden, andere sollen ausführen - Oberländer Gemeinden haben keine Freude an Deponie-Plänen des Baudirektors.

Wie bei dieser Deponie in Lufingen könnte es auch im Oberland in gewissen Gemeinden künftig aussehen.

Foto: PD

Oberländer Gemeinden sind wegen Deponieplänen irritiert

«Wir wurden nicht involviert»

Kürzlich präsentierte der Zürcher Baudirektor Martin Neukom (Grüne) seine Pläne für mögliche Abfalldeponiestandorte im Oberland. Mehrere Gemeinden sprechen von mangelnder Kommunikation.

Am 5. April war es so weit: Baudirektor Martin Neukom (Grüne) trat vor die Presse und informierte über die von der Baudirektion erarbeiteten Pläne, was mögliche Abfalldeponiestandorte im Kanton betrifft. Deren 17 Deponien sind gemäss Neukom in den kommenden 40 Jahren vonnöten. Insgesamt wurden 23 Standorte als geeignet deklariert.

Fünf dieser Standorte befinden sich in den Gemeinden Lindau (Handrüti), Egg (Erzacher), Maur (Neuweid), Hinwil (Bodenweid) und Volketswil (Brunnacher), wo komplett neue Deponien entstehen sollen. Für dieses Vorhaben soll im kommenden Herbst ein teilrevidierter Richtplan vorliegen.

Dass die geplanten Deponien in den Gemeinden keine Begeisterung auslösen würden, war dem Baudirektor schon im Vorfeld klar: «Deponien sind in der Bevölkerung oftmals nicht beliebt – am umstrittensten sind jene im Wald –, aber dennoch braucht es sie zwingend.» Und irgendwo müssen sie schliesslich hin.

Über die Festsetzung der Standorte im Richtplan wird schliesslich jedoch der gesamte Kantonsrat entscheiden.

Maur ist «überrascht»

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der kantonalen Pläne teilte die Gemeinde Maur bereits öffentlich mit, dass der Gemeinderat rechtliche Schritte erwägt, um die Pläne des Baudirektors zu verhindern. Dieser sieht das Gebiet Neuweid mit seinen acht Hektaren als Deponiestandort vor.

«Der Gemeinderat zeigt sich über diese Evaluierung und darüber, dass er im Vorfeld nicht involviert wurde, überrascht», betont Christoph Bless, der Gemeindeschreiber von Maur.

Man wolle das Vorhaben im Rahmen der noch folgenden öffentlichen Auflage der Teilrevision des kantonalen Richtplans eingehend prüfen. Gegebenenfalls werde man sich gegen den möglichen Deponiestandort wehren.

«Rudimentäre Vorinformation»

Auch die Gemeinde Lindau zeigt sich erstaunt, dass sie zu den neuen Standorten gehört. «Wir sind auch deshalb irritiert, weil dieser Standort für eine Deponie, der in unmittelbarer Nähe des Siedlungsgebiets liegt, vor einigen Jahren schon einmal zur Diskussion stand», erläutert Gemeindepräsident Bernard Hosang (FDP).

Von einer Festsetzung im Richtplan habe man damals unter anderem aus Gründen des Gewässerschutzes abgesehen. «Die rudimentäre Vorinformation der Baudirektion hat unser Unverständnis und unseren Unmut nicht geschmälert.» Die Gemeinde werde die Lage nun vertieft analysieren und sich alle möglichen Optionen offenhalten.

Volketswil fühlt sich «überrumpelt»

Aus der Gemeinde Volketswil klingt es ähnlich: «Zu keinem Zeitpunkt hat der Kanton das Gespräch mit der Gemeinde gesucht und uns in die Abklärungen involviert», sagt Gemeindeschreiber Beat Grob.

Zwar habe die Gemeinde von der Gesamtprüfung der Deponiestandorte gewusst, sei aber überrascht, dass Volketswil «auserwählt» sei. «Der gewählte Standort ist in unmittelbarer Nähe des Autobahnzubringers zur A15 gelegen, der schon sehr verkehrsbelastet ist», erklärt Grob.

Durch eine Deponie würde diese Strasse noch mehr belastet, was für den Gemeinderat inakzeptabel sei. Zudem befindet sich der Standort in der Umgebung des Flugplatzes Dübendorf.

«Durch die Transformation zum Werkflugplatz und der Entstehung des Innovationsparks Dübendorf ist auch ein Naherholungsgebiet vorgesehen, in welchem auch die Biodiversität ein Hauptanliegen ist.»

Wenn man bedenke, dass in diesem Zusammenhang zwei Bäche renaturiert werden sollen, die sich momentan in der Erde befinden, ergebe die Entscheidung noch weniger Sinn.

Der Gemeindeschreiber betont: «Für den Gemeinderat ist klar, dass er sich mit allen Mitteln gegen den möglichen Deponiestandort in Volketswil zur Wehr setzen wird.» Der Standort Volketswil komme für den Gemeinderat nicht infrage.

Hinwil sucht den Austausch

In Hinwil ist die Reaktion etwas sanfter: «Die Gemeinde wurde von der Baudirektion über den geplanten Deponiestandort Bodenweid informiert», sagt Martina Buri, die Gemeindeschreiberin. Aktuell seien für die Gemeinde allerdings noch viele Fragen offen.

«Wir konnten die Auswirkungen auf die Gemeinde noch nicht im Detail prüfen.» Daher könne man noch keine Beurteilung machen. Allerdings wolle man auf die Nachbarsgemeinden zugehen, um die Auswirkungen auf diese Gemeinden zu analysieren.


» Lesen Sie hier, wie die Gemeinde Egg zur «Gesamtschau Deponien» steht.


Rund 0,7 bis 1 Million Tonnen Abfälle werden im Kanton Zürich jährlich auf einer Deponie abgelagert. Die meiste Entsorgungslast kommt aus der Bauwirtschaft. Aber auch verbrannter Klärschlamm und der Filterinhalt von Kehrichtverbrennungsanlagen gehören dazu. (lda)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns