Der Zoff um die «Maurmer Post» geht in die nächste Runde
Die Dorfzeitung kommt nicht zur Ruhe
Die Dorfposse um die «Maurmer Post» dreht weiter. Ex-Chefredaktor Thomas Renggli meldet sich zu Wort.
Wer heute in der Gemeinde Maur seinen Briefkasten öffnete, der dürfte gestaunt haben. Neben der wöchentlich erscheinenden «Maurmer Post» mit 16 Seiten Umfang lag dort eine vierseitige Publikation namens «Muur Pur». Untertitelt als «Die Zeitung für Maur – unabhängig, unzensuriert».
Von Seite 1 im «Muur Pur» lächelt Thomas Renggli, der dies bis im März jeweils im Editorial der «Maurmer Post» zu tun pflegte. Auf der ganzen Seite lässt der abgesetzte Chefredaktor der Gemeindepublikation die vergangenen Wochen mit dem Knatsch zwischen Redaktion, Kommission und schliesslich Gemeinde Revue passieren.
«Mobbing, Illoyalität, Diffamierung, Chaos»
Der Text ist eine Mischung aus Abschied an die Leserschaft und Abrechnung mit den Entscheidungsträgern im Gemeinderat. Renggli schreibt von «Mobbing, Illoyalität, Diffamierung und Chaos» rund um die «Maurmer Post». Die Kommission der Wochenzeitung, die die redaktionelle Hoheit trage, habe ihr Urteil gefällt, so Renggli: «Widerstand zwecklos. Ich gebe es offen zu: Das Verdikt enttäuscht mich. Noch mehr enttäuscht mich das Verhalten der politischen Instanzen von Maur.»
Sekundiert wird Renggli in der Publikation von seinem früheren Stellvertreter Christoph Lehmann. Dieser ist bis zu seiner Pensionierung im Herbst beurlaubt. Der Gemeinderat wirft ihm wegen seines Artikels über das Tötungsdelikt in Maur vom vergangenen Februar «schwere Verstösse gegen die redaktionellen Richtlinien» vor.
Lehmann unternahm, unterstützt durch den Anwalt der Journalistengewerkschaft Impressum, mehrere Versuche, sein Recht auf Gegendarstellung durchzusetzen. Dass die Gemeinde abgelehnt hat, interpretiert Lehmann als «Angst vor meiner legitimen Gegendarstellung. So läuft Politik. Man stellt sich nicht der Verantwortung und sucht ein Bauernopfer.»
Weiter kommen der Maurmer Unternehmer Peter Leutenegger und Blogger Hans Bantli aus Ebmatingen zu Wort. Zudem finden sich zwei Leserbriefe, die mutmasslich nicht den Weg in die «Maurmer Post» gefunden hatten. Grundtenor: Man wolle keine kritische Berichterstattung aus der und über die Gemeinde.
Rengglis leise Hoffnung
Die Frage bleibt: Welche Ziele verfolgt Renggli mit seinem Pamphlet? Geld verdienen sicher nicht. Die sechs Inserate auf den vier Seiten dürften die Kosten für Produktion und Druck nicht decken. «Uns geht es darum, unsere Sicht der Dinge darzustellen. Auch in der leisen Hoffnung, dass es vielleicht doch noch zu konstruktiven Gesprächen kommt», sagt der 52-Jährige.
Kein Fehdehandschuh also. «Den habe ich nie geworfen. Aber mir wurde von der Kommission und später von der Gemeinde die Tür vor der Nase zugeschlagen.»