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Fehraltorf rutscht in die Verschuldung ab

In der Erfolgsrechnung verzeichnet die Gemeinde kurzfristig ein grosses Plus. Langfristig steht sie aber vor finanziellen Herausforderungen.

Die Gemeinde Fehraltorf steht vor finanziellen Herausforderungen. (Archiv)

Foto: Paulo Pereira

Fehraltorf rutscht in die Verschuldung ab

Trotz positiver Erfolgsrechnung

Investitionen in die Infrastruktur machen der Gemeinde zu schaffen. Die düstere Finanzsituation kommt allerdings nicht überraschend.

Eben erst konnte Fehraltorf die Eröffnung seiner neuen Mehrzweckhalle feiern. Auch der Holzmodulbau für die Schulraumerweiterung steht kurz vor seiner Fertigstellung. Die Bauprojekte haben allerdings ihren Preis: insgesamt gut 34 Millionen Franken.

Schon länger war klar, dass Fehraltorf unter anderem durch die Realisierung verschiedener Infrastrukturprojekte über Jahre vor grossen finanziellen Herausforderungen steht. Die Gemeinde hatte diesbezüglich auch stets transparent kommuniziert. Bereits 2020 kündigte sie deshalb Kürzungen an. Den Rotstift hat sie unter anderem bei der Gemeindezeitschrift, bei Kulturanlässen oder bei Vereinsbeiträgen angesetzt.

Damit einhergehen sollten Erhöhungen des Steuerfusses. Auf das Jahr 2023 hin wurde dieser bereits um 2 Prozentpunkte auf 109 Prozent angehoben. Gemeindepräsident Anton Muff (DGF) stellte an der Budgetgemeindeversammlung im vergangenen Dezember weitere Steuererhöhungen um jeweils 2 Prozentpunkte für die Jahre 2025 und 2027 in Aussicht. «Die Finanzlage verdüstert sich», sagte er damals.

Maximalverschuldung von 38 Millionen

Die Entwicklung ist also nicht neu. Mit der Anfang April präsentierten Jahresrechnung 2023 steht nun aber fest, dass der Finanzhaushalt der Gemeinde erstmals seit Jahrzehnten tatsächlich in die Verschuldung abrutscht. Die Nettoschuld, also das Finanzvermögen abzüglich des Fremdkapitals, beträgt per Ende 2023 knapp 3,8 Millionen Franken.

Muff zeigte den Stimmberechtigten bereits an der Gemeindeversammlung Anfang Dezember auf, mit welcher mittel- und langfristigen Entwicklung die Gemeinde rechnet. Der Gemeindepräsident, der gleichzeitig auch den Finanzausschuss präsidiert, geht inklusive Werke von einer Maximalverschuldung in den kommenden Jahren von 38 Millionen Franken aus. An diesen Prognosen hält er weiterhin fest.

In die Hände spielt der Gemeinde, dass die Einwohnerzahl derzeit pro Jahr um 80 Personen zunimmt. Dadurch steigen auch die Steuereinnahmen. Gleichzeitig sinke jedoch die durchschnittliche Steuerkraft in der Gemeinde im Vergleich zum kantonalen Mittel. Der Gemeinderat hofft dennoch, dass sich das Wachstum zumindest angleicht.

Um den Finanzhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, setze die Gemeinde auf eine «seriöse und pragmatische Budgetierung», ordnet Muff das aktuelle Ergebnis ein. Er erwartet, dass der Höhepunkt der Investitionen in die Infrastruktur, vor allem in jene der Schulen, im kommenden Jahr erreicht wird. Definitiv werde dies aber erst die nächste Finanzplanung zeigen. Ausserdem plant die Gemeinde, jährlich 400’000 Franken aus der finanzpolitischen Reserve auf die Seite zu legen, um die Schulden abzubauen.

Mehreinnahmen durch Steuern

Erfreulicher als die finanziellen Langzeitprognosen ist für Fehraltorf die aktuelle Erfolgsrechnung. Budgetiert war ein Ertragsüberschuss von 717’000 Franken. Nun konnte sogar ein positives Ergebnis mit einem Plus von knapp 4,26 Millionen Franken bekannt gegeben werden. Die Rechnung schloss mit einem Ertrag von 57,23 Millionen bei einem Aufwand von knapp 52,98 Millionen Franken ab. Die Gemeinde spricht in einer Mitteilung von einem «erfreulichen Zwischenhoch».

Verantwortlich dafür seien Einnahmen durch Steuern und Grundstückgewinnsteuern, die sich «äusserst positiv» entwickelt hätten. Der gesamte Steuerertrag lag über alle Bereiche gesehen bei 6,44 Prozent. «Man darf das Ergebnis aber nicht überbewerten», sagt der Gemeindepräsident. Ein grosser Teil sei durch die Neubewertung von Liegenschaften zustande gekommen.

Gleichzeitig verzeichnete die Gemeinde im Schulbereich Mehrausgaben. Hohe Kosten bei den Lehrpersonen und steigende Schülerzahlen seien dafür verantwortlich, erklärt Muff. Faktoren, mit denen alle Gemeinden zu kämpfen hätten.

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