Kommission stellt sich gegen Wetziker Stadtmagazin
Keine Aufgabe der Stadt
Ein Magazin soll einen wichtigen Beitrag zum Stadtleben in Wetzikon leisten – finanziert von der Stadt. Zwar gibt es fürs Projekt Lob von der Parlamentskommission. Trotzdem hat sie ihre Zweifel.
Der Wetziker Stadtrat will das Stadtleben fördern. Ein Magazin soll dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Rund 1,5 Millionen Franken will er für vier Jahre dafür ausgeben – vorerst ist das Projekt aber auf zwei Jahre beschränkt, mit einer Option auf eine Verlängerung.
Der Kredit kommt am 29. Januar ins Wetziker Parlament. Und vieles deutet darauf hin, dass das Geschäft einen schweren Stand haben wird. Denn die Fachkommission II (FK II) des Parlaments empfiehlt, den Kredit abzulehnen. So steht es in deren Antrag.
Mit dem eingereichten Projekt der Ratsam Kommunikation aus Wetzikon hat das jedoch wenig zu tun. Die Kommunikationsagentur hatte im letzten Frühling die einzige Offerte für das Magazin eingereicht und den Zuschlag erhalten.
«Das Konzept überzeugt inhaltlich und qualitativ», schreibt die Kommission. «Zudem ist die Redaktion lokal und regional gut verankert, was von zentraler Bedeutung ist.»
Das Wetziker Stadtmagazin soll monatlich erscheinen und auf 32 Seiten recherchierte Berichte aus Gesellschaft, Politik und dem Alltagsleben der Stadt Wetzikon bieten. Auch eine Website ist geplant, auf der die Artikel gratis zur Verfügung stehen.
Was ist Aufgabe der Stadt?
Die Kommission hat auch mit Sam Urech, dem Inhaber der Ratsam Kommunikation, gesprochen. Dieser habe ihr eloquent und glaubwürdig die Motivation und die Fähigkeiten seines Unternehmens erläutert.
«Die Kommission zweifelt nicht an den Fähigkeiten der Ratsam Kommunikation, das vorgeschlagene Projekt auf die Beine zu stellen», betont die FK II. Sie hat andere Bedenken.
Es bestehen grundlegende Zweifel, inwiefern ein solches Projekt in den Aufgabenbereich des Gemeinwesens gehört. «Zudem würde es Wetzikon auch viel Geld kosten», so die Kommission. Dabei störe insbesondere, dass die Beiträge der Stadt letztlich über die im Antrag genannten vier Jahre hinaus auf Dauer angelegt seien.
Kommunikation sei zwar Aufgabe der Gemeinde, doch die Übermittlung von amtlichen Nachrichten könne wie bisher auch auf anderen Wegen geschehen.
Sam Urech nimmt den Antrag der Kommission mit Enttäuschung zur Kenntnis. «Schade. Aber ich bin dankbar, dass ich vor Ort der Kommission unser Projekt vorstellen durfte», sagt er. «Und noch hat das Parlament nicht entschieden.»

Seit der Ausschreibung haben er und sein Team viel in das Projekt investiert. Und er ist weiterhin der Meinung, dass das Produkt einen Mehrwert für die Stadt bieten würde. «Wir können vor allem auch Vereinen und Kulturinstitutionen im Stadtmagazin eine Plattform bieten», sagt Urech.
So sollen auch kleinere Veranstaltungen berücksichtigt werden. «Wir wollen vor Ort sein und die Geschichten der Menschen erzählen», betont der ehemalige «Blick»-Journalist. Möglich machen soll das auch ein Pool von freien Mitarbeitenden. «Auch Schüler oder Senioren sollen für uns schreiben.» Dadurch würde das Magazin an Nähe und Relevanz gewinnen.
«Alles, wo lauft»
Das erhofft sich auch Stadtpräsident Pascal Bassu (SP). «Im Stadtmagazin soll über ‹alles, wo lauft› berichtet werden.»
Er ist überzeugt, dass das Bedürfnis für ein solches Magazin vorhanden ist. Und es gebe ja auch viele gute Beispiele aus anderen Städten, wie den «Glattaler» in Dübendorf, der durch die Zürcher Oberland Medien AG herausgegeben wird. «Ein Magazin kann auch ein verbindendes Element darstellen», sagt Bassu. Für ihn ist klar: «Wir müssen es einfach mal probieren.»
Ob die Stadt Wetzikon dies kann, entscheidet aber das Parlament Ende Monat. Ohne der Debatte vorzugreifen, wird der Stadtrat mit seinem Antrag vermutlich einen schweren Stand haben. Denn die Fachkommission empfiehlt «mit deutlicher Mehrheit», den Kredit abzulehnen.
