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Darum ist die Deponie Leerüti keine Alternative für das Tägernauer Holz

Ist eine Mehrfachnutzung der Deponie Leerüti möglich? Gemäss Regierungsrat sind nicht alle Anforderungen erfüllt.

Reicht die Deponie Leerüti aus? Oder braucht es zusätzlich das Tägernauer Holz? (Archiv)

Foto: Simon Grässle

Darum ist die Deponie Leerüti keine Alternative für das Tägernauer Holz

Mögliche Mehrfachnutzung

Die Mülldeponien in Gossau geben schon seit Langem zu reden. Wie notwendig sind mehrere Deponien? Der Regierungsrat nimmt Stellung.

Deponien beschäftigen Gossau schon seit Längerem – und erhitzten die Gemüter von Anwohnenden sowie von Politikerinnen und Politikern. Denn die Zahl der Abfalldeponien in der Region Gossau häuft sich. Im kantonalen Richtplan sind bereits drei Deponien eingetragen: die Deponie Wissenbühl, die bereits seit Jahrzehnten in Betrieb ist, und die umstrittenen Deponiestandorte Leerüti und Tägernauer Holz.

Für eine Gemeinde seien das zu viele, meinen die drei Gossauer Kantonsräte Elisabeth Pflugshaupt (SVP), Jörg Kündig (FDP) und Daniel Wäfler (SVP). Am 23. Oktober reichten sie beim Regierungsrat eine Anfrage zur Nutzung der Deponien im Raum Gossau ein. Die Kernfrage: Wieso genügt die Deponie Leerüti nicht als Alternative für das Tägernauer Holz?

Leerüti erfüllt nicht alle Kriterien

Die Deponien Wissenbühl in Gossau und Chrüzlen in Oetwil am See praktizierten bereits eine Mehrfachnutzung verschiedener Abfalltypen, bringen die Kantonsräte ein. Sie wollten deshalb vom Regierungsrat wissen, ob eine solche Nutzung auch in der Deponie Leerüti in Betracht gezogen wird. Der Regierungsrat antwortete, dass dies grundsätzlich möglich sei, sofern die hydrologischen Anforderungen an den Deponiestandorten erfüllt seien.

In Leerüti handle es sich jedoch um eine Deponie, die nicht alle Kriterien für eine Mehrfachnutzung aufweise. Die kantonalen Untersuchungen zur Evaluation der Deponie, die bereits 1994 und 1995 durchgeführt worden seien, hätten gezeigt, dass sich Leerüti besonders für den Abfalltyp B eigne. Dabei handelt es sich um verwertbare mineralische Bauabfälle und unverschmutztes Aushubmaterial, sogenannte Inertstoffe.

Doch die Anforderungen der geologischen Barriere für Deponien des Typs C (Industriestoffe mit erhöhtem Schadstoffgehalt), des Typs D (Schlacke von Kehrichtverbrennungsanlagen) und des Typs E (schadstoffbelastete Abfälle mit einem erhöhten organischen Anteil) seien nicht vollständig erfüllt.

Die geologische Barriere bezeichnet den natürlichen Untergrund der Deponie, der aufgrund seiner Eigenschaften eine Schadstoffausbreitung verhindert. Bauliche Massnahmen seien zwar möglich, heisst es in der Antwort, doch der Schutz des Grundwassers und die Sicherheit der Deponie müssten durch eine homogene Barriere gewährleistet werden.

Methoden des Awel kritisiert

Die Kantonsräte übten zudem Kritik an den Bewertungsmethoden des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Das Amt habe das Tägernauer Holz als geologisch ideal bezeichnet. Für diese Beurteilung fehlt den Kantonsräten die Transparenz. Eine ausgiebige Nutzung einer Deponie, wie etwa jener in Leerüti, sei ökonomisch und ökologisch vertretbarer als eine halbe Nutzung mehrerer Deponien, finden sie.

Gemäss Awel sei die Trockenschlacke zudem der Nassschlacke in der Weiterverwertung überlegen. Auch zu diesen Untersuchungen wollten die Kantonsräte aufgeklärt werden und wissen, ob die Austragsart einen Einfluss auf die Rückgewinnung von Metallen hat.

Bei der nass ausgetragenen Schlacke müsse die Korrosion der Metalle möglichst verhindert werden. Die Austragsart der Schlacke habe keinen massgebenden Einfluss auf die Deponierung, so der Regierungsrat. Ein Vergleich der Aufbereitungsverfahren der Schlacken sei nicht durchgeführt worden, alle Verfahren hätten noch Potenzial, um die Rückgewinnung von Metallen zu verbessern.

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