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Trotz vernünftiger Finanzpolitik ist Gemeinde nicht auf Rosen gebettet

Weniger als 50 Leute durften das Gemeindebudget 2024 absegnen - Wald geht es gut, aber auch nicht blendend.

In Wald herrscht weihnächtliche Stimmung. Vielleicht lockte die Gemeindeversammlung auch deshalb nur wenige Leute an, da sie anderweitig beschäftigt waren. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Trotz vernünftiger Finanzpolitik ist Gemeinde nicht auf Rosen gebettet

Gemeindeversammlung Wald

Immer mehr Menschen und immer höhere Kosten: Der Gemeinde Wald geht es nicht anders als anderen Gemeinden. Dennoch herrscht zwischen den Behörden und der Bevölkerung weitgehend Einigkeit.

In Wald eröffnete Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) am Donnerstagabend die dritte Gemeindeversammlung dieses bald endenden Jahrs in gewohnt fröhlicher Manier. Und doch war er etwas enttäuscht, als er in den grosszügig bestuhlten Schwertsaal blickte: «Es sieht eher so aus, als hätten wir nur 1000 und nicht 10'000 Einwohner.» Diesen Vergleich zog er, da es gerade einmal 47 Stimmberechtigte an diese Gemeindeversammlung lockte. Denn immerhin ging es um drei Traktanden, die allesamt finanzielle Entscheidungen erforderten.

Keine Steuerfussreduktion in absehbarer Zeit

In Bezug auf das Budget 2024 musste Finanzvorsteher Urs Cathrein (FDP) den Anwesenden mitteilen, wie es um die Gemeinde steht. Bei einem Gesamtaufwand von 78,6 Millionen Franken und einem Ertrag von 79,1 Millionen Franken ergibt sich ein Überschuss von rund 470'000 Franken. Dies bei einem Steuerfuss von 122 Prozent und Steuereinnahmen von 21,3 Millionen Franken.

«Die Ausgaben steigen, und die kommenden Investitionen werden höher als je zuvor.» Dabei habe die Steuerkraft pro Einwohner um 36 Franken abgenommen und liege nach wie vor deutlich unter dem kantonalen Wert. Zudem liegt der Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde bei Nettoinvestitionen von 21 Millionen Franken bei 40 Prozent. «Ein Steuerprozent entspricht 376'000 Franken, weshalb wir keinen Spielraum für eine Steuerfussreduktion sehen, obwohl uns bewusst ist, dass diese von der Bevölkerung erwartet wird», resümierte Cathrein.

Da viele Ausgaben – speziell die Erweiterung des Schulraums – ohne Fremdfinanzierung nicht zu stemmen seien, sei wohl auch in den kommenden fünf Jahren keine Steuerfussreduktion möglich.

Der Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK), Markus Stalder (SVP), fasste es so in Worte: «Auch wir setzten uns mit den in den letzten zehn Jahren enorm gestiegenen Zahlen auseinander.» Allein im Schulbereich seien sie um 24 Prozent gestiegen, im Gesundheitsbereich gar um 72 Prozent. Dazu komme der 10-prozentige Anstieg bei den Einwohnern seit 2014. Dies entspricht einem Prozent pro Jahr.

«Aber auch Vorschriften und die Anforderungen der Bevölkerung machen alles teurer.» Zusammengefasst: Das Budget falle nicht aus dem Rahmen, und der Gemeinderat wirtschafte ordentlich. Unter anderem deshalb stimmte wohl eine grosse Mehrheit dem Budget 2024 zu, wobei es nur einzelne Enthaltungen gab.

Ein Bau am Südhang

Und weiter drehte es sich um Finanzen. Nun allerdings um einen Studienauftrag für einen Gestaltungsplan das Areal im Sack betreffend. Dabei braucht die Gemeinde 260'000 Franken allein, um zu eruieren, welche baulichen Massnahmen möglich sind, um auf dem Areal rund um das ehemalige Altersheim Drei Tannen neuen, hochwertigen Wohnraum zu schaffen.  

Allerdings ist die Gemeinde hier nicht allein am Zug. Denn die Stiftung Drei Tannen hat ihr Grundstück 2022 an die Artec Generalbau AG in Gossau verkauft. Dennoch gehört ein Grossteil der Fläche der Gemeinde, weshalb nun gemeinsam gebaut werden soll.

Die Frage ist nur: In welchem Preissegment, also was für Bewohner, will man anlocken? Wobei längst noch kein Baurechtnehmer oder Investor bestimmt ist. «Man bedenke, es geht hier allein um einen Studienauftrag für einen Gestaltungsplan, der frühestens 2025 festgelegt werden könnte», betonte Bauvorsteher Rico Croci (Grüne).

Ein Votant meinte, man hänge schon am Tropf vom Kanton. Deshalb die Frage: «Die Wohnlage ist sehr attraktiv, wen lockt man an? Grosse Steuerzahler mit teuren Wohnungen?» Das gehe aus der Dokumentation nicht hervor, weshalb man den Wunschkatalog genau führen solle.

Für den Gemeindepräsidenten ist klar: «Es ist eine Gratwanderung, und viele sind auf Wohnraum angewiesen.» Allerdings wolle man schon eine eher hohe Wohnqualität im mittleren Preissegment bieten, die der Lage mit dem weiten Ausblick entspreche. Dementsprechend seien auch grosse Tiefgaragen nötig. Wobei dieser Sachverhalt nicht allen gefiel. «Also haben wir dann nur noch diese SUV-Fahrer am Hang, die sollen doch das Postauto nehmen», wurde eher scherzhaft ergänzt.

Nach einigen weiteren Fragen wurde der Kredit über 260'000 Franken letztlich mit nur zwei Gegenstimmen bewilligt.

Bei Photovoltaikanlagen herrscht Einigkeit

Und zum dritten Mal musste beim letzten Traktandum über Finanzen befunden werden. Weil Wald bereits dabei ist, für 30 Millionen Franken die Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Laupen zu vollziehen, bedurfte es der Abstimmung über 630'000 Franken für Photovoltaikanlagen auf den Gebäudetrakten C und D. Es sei noch grösseres Ausschöpfungspotenzial erkannt worden. Dem pflichteten auch die Stimmberechtigten bei. Und zwar einstimmig.

Zum Abschluss witzelte Gemeindepräsident Kocher: «Bei der nächsten Versammlung nimmt bitte jeder noch eine Person mit an die Hand, dann sind wir ein bisschen mehr im Saal.» Die Versammlung schloss in friedlicher vorweihnächtlicher Stimmung.

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