Schlatter zeigen Herz für alleinerziehende Mutter
Haus bei Schule wird nicht verkauft
Das Wohnhaus neben der Schule in Unterschlatt bleibt im Besitz der Schulgemeinde. Ein bemerkenswerter Entscheid.
Um 20.10 Uhr war es noch ruhig im Gemeindesaal in Schlatt. Normalerweise hätte die Gemeindeversammlung bereits begonnen. Doch da gleichentags auch die Schulgemeindeversammlung Elsau-Schlatt um 19 Uhr angesetzt war, begann sie erst um 20.15 Uhr.
«Wir beginnen dann, wenn die Leute, die in Elsau waren, zurück sind», sagte Gemeindeschreiber Peter Leemann. Gut fünf Minuten später trudelten die ersten ein. Mit interessanten Neuigkeiten: «Der Hausverkauf wurde abgelehnt – und zwar deutlich.»
Die Schule wollte nämlich eine Liegenschaft in Schlatt verkaufen – für gut eine Million Franken. Das ehemalige Lehrerhaus an der Waltensteinerstrasse stammt aus dem Jahr 1968. Die Schulgemeinde fürchtete eine finanzielle Belastung durch den Renovationsbedarf. Zudem sei es nicht die Aufgabe der Schule, eine Liegenschaft zu bewirtschaften. Den Erlös wollte sie zur Schuldentilgung nutzen.
Schlatter zeigen sich sozial
Doch dabei hatte sie die Rechnung wohl ohne die Schlatterinnen und Schlatter gemacht. Elsau hat gut 3700 Einwohner, Schlatt 750. Zahlreiche Stimmberechtigte aus Schlatt haben aber an der Schulgemeindeversammlung teilgenommen. «Die Schlatter haben gut mobilisiert», stellte Andreas Derrer (parteilos), Präsident der Schulgemeinde, fest.
Insgesamt waren 89 Stimmberechtigte anwesend. «Ich kann es nur aus dem Bauch heraus beurteilen, aber es waren sicher mehr Schlatter da als üblich.» Erhoben werde das nicht, alle Stimmberechtigten der Schulgemeinde hätten das gleiche Recht, an der Gemeindeversammlung teilzunehmen und abzustimmen.
Laut Derrer hat wohl vor allem der soziale Aspekt den Ausschlag gegeben. Im Moment wohnt eine alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern im Haus mit 5½ Zimmern. Ihr wäre zwar ein Vorkaufsrecht gewährt worden.
Offenbar wollten aber viele, dass die Familie zur Miete im Haus bleiben kann. Die Schulgemeinde darf das Haus deshalb nicht verkaufen. «Das ist ein Entscheid, den wir akzeptieren», betonte der Präsident. Die Behörde werde nun schauen, wie es mit der Liegenschaft weitergehen soll.
Keine Fragen
Die Stimmberechtigten, die in Elsau an der Schulgemeindeversammlung waren, hatten den spannendsten Teil des Abends bei Beginn der Gemeindeversammlung in Schlatt also bereits hinter sich.
Denn es gab unter den 33 Anwesenden wenig zu diskutieren. Viele Schlatter hatten ohnehin nur an der Schulgemeindeversammlung in Elsau teilgenommen – in Schlatt trafen nur noch wenige ein.
Dieter Schellenberg (parteilos), Vizepräsident und Vorsteher für Tiefbau und Werke, vertrat Gemeindepräsident Urs Schäfer, der sich von einer Rückenoperation erholen muss.
Dreimal fragte er: «Gibt es Fragen?» Dreimal wollte sich niemand äussern. Die Geschäfte wurden einstimmig und ohne Diskussion genehmigt. Dazu gehörten das Budget und die Festsetzung des Steuerfusses bei 55 Prozent.
Zusammen mit dem ebenfalls genehmigten Budget und Steuerfuss von 70 Prozent der Schulgemeinde beträgt der Gesamtsteuerfuss in Schlatt auch im kommenden Jahr 125 Prozent.
Zudem nahmen die Anwesenden die Glasfasernetzverordnung an und stimmten der Bauabrechnung für die technischen Anlagen und Leitungen im Schwimmbad zu. Der bewilligte Kredit von 301’000 Franken wurde um gut 57’000 Franken unterschritten. Schellenberg merkte schmunzelnd an: «Wäre es andersrum, gäbe es wohl Fragen.»
Trübungen im Schlatter Trinkwasser sind unbedenklich
Nach der offiziellen Versammlung informierte Dieter Schellenberg als Präsident der Wasserkommission die Anwesenden über das Trinkwasser. «Wir hatten diverse Meldungen, dass es zu Trübungen im Wasser kam», sagte er. Diese seien aber unbedenklich. «Eine Lebensmittelprobe durch das Kantonale Labor hat die einwandfreie Qualität des Wassers bestätigt», betonte der Werkvorsteher.
Im Rahmen des Wasserverbundprojekts Schlatt-Elgg-Zell wird im Moment das Reservoir in Oberschlatt saniert. Deshalb hat man die Quellen in Oberschlatt direkt ans Netz angeschlossen. «Bei Quellen kann es zu Lufteinschlüssen im Wasser kommen», erklärte Schellenberg. Normalerweise werde das im Reservoir ausgeglichen. «Die Trübungen treten auf, wenn der Druck wegfällt», erläuterte er. Auf die Wasserqualität habe das keinen Einfluss.
Die Gemeinde Schlatt hat ihre Bewohnerinnen und Bewohner mit einem Flugblatt informiert. (bes)