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Das sagen sechs Experten zum Windenergie-Potenzial im Kanton

Ist Windenergie Fluch oder Segen? Am Podium in Wald stellten die Teilnehmer sechs Sichtweisen vor.

Hat die Windenergie im Kanton Zürich Zukunft? Nicht für alle ist der Himmel blau bei diesem Thema.

Foto: DPA/Frederico Gambarini

Das sagen sechs Experten zum Windenergie-Potenzial im Kanton

Podium in Wald

Ein Eingriff, der sich nicht lohnt, oder ein wichtiger Beitrag für die Versorgung? Beim Thema Windenergie scheiden sich die Geister. Am Podium in Wald wurden sechs Sichtweisen präsentiert.

Das Podium zur Windenergie in Wald war nicht nur ein Streitgespräch. Zum Einstieg gab es sechs Referate zum Thema, mit unterschiedlichem Fokus.

Felix Vontobel, Mitglied der Eidgenössischen Elektrizitätskommission

Mann referiert an einem Podium
Felix Vontobel stellte die Probleme und Lösungsansätze in der Schweizer Energiepolitik vor.

Felix Vontobel stellte als Mitglied der Elcom, der unabhängigen staatlichen Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich, die Herausforderungen und Lösungsansätze für die Stromversorgung der Schweiz vor. Die Schweiz wolle von den fossilen Energien loskommen. Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie werde die Stromversorgung schwieriger – vor allem im Winter. «Ich habe zwei gute Nachrichten: Wir haben 25 Jahre Zeit, und die Politik hat mindestens einen Plan.» Damit meine er den sogenannten Mantelerlass. Damit soll die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien ausgebaut werden, beispielsweise mit mehr Windenergie oder alpinen Solaranlagen.

Leo Meier, Projektleiter Wind der SN Energie AG

Mann referiert an einem Podium
Leo Meier ist Projektleiter Wind bei SN Energie und sieht viel Potenzial in der Windkraft.

Die SN Energie AG ist Stromlieferant für das Elektrizitätswerk Wald. Sie ist an mehreren Kraftwerken im In- und Ausland beteiligt. In der Schweiz unter anderem auch an der Windanlage auf dem Mont Croisin im Berner Jura. «Windenergie ist sehr winterlastig», resümierte Leo Meier. Das Windkraftwerk im Jura sei ein zuverlässiger Stromlieferant und schön in die Landschaft eingebettet. «Es ist nicht mehr wegzudenken», argumentierte er. Für ihn ist deshalb klar, dass das Potenzial auch an anderen Standorten genutzt werden muss. «Aber das braucht immer grosse Abklärungen und auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung.»

Urs Rengel, CEO der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ)

Mann referiert an einem Podium
Urs Rengel am Referieren.

EKZ-CEO Urs Rengel stellte die Erfahrungen seines Unternehmens mit Windenergieanlagen im In- und Ausland vor. Im Ausland sei die Bilanz sehr positiv. «So haben wir ein umfangreiches Know-how aufgebaut», sagte er. Zurückhaltender scheint er jedoch bei Windanlagen in der Schweiz zu sein. Als Beispiel nannte er das Projekt am Standort Thundorf im Thurgau, über das seit Jahren gestritten wird. «Man kann das Versorgungsproblem lösen», ist er überzeugt. «Aber es ist nicht unsere Aufgabe, politisch dahinterzustehen», hielt Rengel fest. Die EKZ seien aber fähig, Projekte umzusetzen. Zudem haben sie mit dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) und den Stadtwerke Winterthur eine Kooperation mit dem Namen «Zürich Wind» geplant, um im Kanton Windenergieprojekte zu realisieren. «Aber wir bauen die Windräder nur, wenn Sie sie wirklich wollen.»

Paul von Euw, SVP-Kantonsrat

Mann referiert an einem Podium
Paul von Euw will mehr Mitbestimmung in der Energiepolitik.

SVP-Kantonsrat Paul von Euw wollte in seinem Vortrag kein Parteiprogramm herunterlesen. «Ich stelle lediglich die politischen Aspekte vor, das Bild können Sie sich selber machen.» Er erläuterte die Ausgangslage der Energiestrategie des Bunds. Politisch wurde er trotzdem: «Ich warne davor, ideologisch Kurven aufzuzeigen», sagte er mit einem Beispiel des Kantons zur Nutzung der Sonnenenergie. Das funktioniere nur, wenn der Ausbau läuft, wie angenommen. «Und was, wenn nicht?» Er betonte mehrmals, dass er auch keine Windkraftanlagen kategorisch verhindern will. «Aber die Bevölkerung soll mitreden können.» Das sei im Moment nicht gegeben.

Martin Maletinsky, Präsident Freie Landschaft Zürich

Mann referiert an einem Podium
Martin Maletinsky glaubt nicht, dass die Schweiz ein Windland sei.

Martin Maletinsky fasst seine Kritik an Windprojekte im Kanton Zürich in einem Wort zusammen: «Güterabwägung». Für ihn ist klar, dass sich der Kanton nicht als Standort für Windturbinen eignet. Das geringe Potenzial rechtfertige den starken Eingriff in die Landschaft nicht. «Zudem entwerten Windanlagen Immobilien, und die Standortattraktivität der betroffenen Gemeinden sinkt», ist er überzeugt. Ausserdem würden Windanlagen die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung beeinträchtigen, beispielsweise durch Lärm oder den Schattenwurf. «Auch wenn das immer wieder verharmlost wird.»

Daniel Diggelmann, Elekrizitätswerk Wald/e3hus GmbH

Mann referiert an einem Podium
Daniel Diggelmann sieht grosses Potenzial für Windenergie in Wald.

Daniel Diggelmann ist Geschäftsführer der e3hus GmbH, einer Tochtergesellschaft der EW Wald AG. Er sieht grosses Potenzial in lokalen Windparks und brachte als Vergleich die Anlage auf den Verenafohren, unweit der Schweizer Grenze. «Lokale Wertschöpfung und Unabhängigkeit sind auch bei der Energie wichtig», betonte er. Eine Windenergieanlage im Potenzialgebiet Batzberg bei Wald würde beispielsweise einen namhaften Ertrag bringen. Eine Bürgerbeteiligung sieht er ebenfalls also grosse Chance, beispielsweise mit Aktionären aus der Region. «So bleiben auch erwirtschaftete Gewinne in der Region.»

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