Ein Holzmodulbau wegen steigender Schülerzahlen in Rüti
Millionenkredit für Schulhaus Ferrach
Die Gemeinde braucht für die nächsten Jahre genügend Schulraum. Dafür bedarf es einiger Massnahmen. Doch genau daran gibt es nun Kritik.
Rund 3,2 Millionen Franken stehen im Raum. So viel Geld möchte die Gemeinde Rüti in die Hand nehmen, um den Bedarf an Schulraum für die stetig wachsende Anzahl an Schülerinnen und Schülern in den nächsten Jahren zu gewährleisten. Am 19. November befindet Rüti über den Objektkredit für einen modernen, flexibel einsetzbaren Holzmodulbau beim Schulhaus Ferrach an der Urne.
Deutlich höhere Quoten
Gemäss einer Studie sei davon auszugehen, dass der vorhandene Schulraum in Rüti den gesetzlichen Vorgaben und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler künftig nicht mehr gerecht wird. Allein in der Primarstufe wird im Oberdorf bis 2037 eine Zunahme von 30 bis 50 Schülerinnen und Schülern prognostiziert.
Auch die Quote der schulergänzenden Betreuung soll weiter zunehmen. Von aktuell 24 Prozent auf rund 60 Prozent im Jahr 2037. Aufgrund der Erfahrung der letzten Jahre werde sich die Anzahl der Betreuungsgruppen verdoppeln. Im Unterdorf könnte sie sich gar verdreifachen.
Notwendige Zwischenlösung
Der geplante Holmodulbau beim Schulhaus Ferrach ist keine langfristige, sondern eine kurzfristige und flexibel einsetzbare Lösung. Er wird lediglich als ein Ersatz für den Holzpavillon mit zwei Schulzimmern aus dem Jahr 1995 dienen.
Denn Bedarf an Flächen besteht sowohl beim Schulhaus Ferrach als auch den anderen beiden Primarschulhäusern Eschenmatt und Schlossberg. Der Holzmodulbau ist lediglich eine Übergangslösung, bis voraussichtlich in vier bis sechs Jahren das Schulhaus Ferrach als solches erweitert wird.
Sollte die Erweiterung vollzogen sein, so würde der Holzmodulbau an anderen Standorten der Schule Rüti flexibel zum Einsatz kommen. Voraussichtlich bei den Schulhäusern Alpenblick und Lindenberg, wo langfristig ebenfalls Renovierungen und Erweiterungsbauten geplant sind.
Der Holzmodulbau im Minergie-Standard mit einer geschätzten «Lebensdauer» von 50 Jahren würde auf 560 Quadratmetern Platz für drei Klassenzimmer, zwei Gruppenräume, einen Hort mit Küche sowie ein Lehrerzimmer bieten. Als Standort ist die südliche Wiese parallel zum Pausenplatz vorgesehen.
Höhere Kosten als nötig?
Der Rütner alt Gemeinderat Hanspeter Jacober (SVP) kritisiert das geplante Projekt der Gemeinde zwar als solches, doch auch er bekräftigt, dass die Gemeinde dringend mehr Schulraum benötigt. Andererseits ist er mit dem Vorgehen der Gemeinde unzufrieden.
«Was in Uster, Pfäffikon, Bäretswil, Uetikon und Wald gut ist, genügt in Rüti scheinbar nicht», sagt Jacober und meint, die Gemeinde hätte den als Option ebenfalls möglichen Metallcontainer ebenfalls zur Abstimmung bringen müssen.
«Die Geschichte zieht sich im Grunde bis ins Jahr 2012 zurück, und die Anfänge sind bereits in Vergessenheit geraten», so der Alt-Gemeinderat.
Bereits damals gab es ein Projektverfahren für einen Erweiterungsbau beim Schulhaus Ferrach. Der zweitplatzierte Anbieter erhielt den Zuschlag. Ersterer habe schliesslich erfolgreich rekurriert, woraufhin die Gemeinde den Entscheid angefochten habe.
Das Verwaltungsgericht hielt unter anderem fest, dass das zweitplatzierte Angebot gar nicht zur Weiterbearbeitung hätte empfohlen werden dürfen. Daraufhin wurde das Wettbewerbsverfahren abgebrochen. Für diesen Fehlentscheid seien allein für die damaligen Verfahrenskosten 430’000 Franken verloren gegangen.
«Gemäss Aussagen des Gemeinderats sind zwischen 2012 und 2019 zusätzliche Kosten von 260’000 Franken angefallen, also total 690’000 Franken. Hätte man 2012 gebaut, wäre auch kein Provisorium nötig gewesen, das inklusive Planung rund 3,5 Millionen Franken kostet», resümiert Jacober.
Nun hätte der Gemeinderat gemäss seiner Sicht die Möglichkeit, ohne grossen Aufwand über eine Million Franken einzusparen.

Er fragt sich, weshalb sich die Gemeinde dennoch für den 3,25 Millionen Franken teuren Holzmodulbau entschied und die Idee für einen Metallcontainer verwarf.
«In der Abstimmungsvorlage schreibt der Gemeinderat, der Container wäre zwar 750’000 Franken günstiger, doch würde er mehr Nachteile aufweisen. «Gemäss meinen Abklärungen käme er sogar eine Million Franken günstiger, da künftige Versetzungen des Holzmodulbaus teurer als jene eines Metallcontainers werden.»
Unklare Argumente?
Jacober betrachtet die Vergleiche des Gemeinderats zwischen dem Holzmodulbau und Metallcontainer, die unter anderem zum Entscheid für den Holzmodulbau führten, als unseriös.
«Die Aussage, der Container erfülle die Anforderungen der Klimaverordnung nicht, erscheint mir widersprüchlich, da im Frühjahr beim Schulhaus Lindenberg ein Provisorium mittels Metallcontainer erstellt wurde.»
Dass der Container den Minergie-Standard nicht erfülle, sei hingegen korrekt. «Aber anhand der Aussage des Umweltamts Rüti ist die Aussage der Anforderung an die Energiestadt falsch.» Zudem sei der Minergie-Standard anhand der Vorlage nachträglich reduziert worden.
Für die Verbesserung des Wärmeschutzes und Kühlung hätte der Metallcontainer nach Ansicht des alt Gemeinderats mit einem Schutzdach ausgerüstet werden können.
Auch das Gegenargument der niedrigeren Raumhöhe in einem Metallcontainer bezweifelt Jacober. «Es stimmt nicht, dass nur Container mit einer Raumhöhe von 2,5 Metern geliefert werden. Es wären auch welche mit 2,8 Metern oder 3 Metern Höhe erhältlich.»
Des Weiteren kritisiert er den Punkt «Einfügen ins Ortsbild». «Es ist subjektiv zu glauben, dass der Holzmodulbau dem Ortsbild besser entsprechen würde. Man werfe nur einen Blick auf das Wohnwerk mit Holzfassade, die schon nach drei Jahren ziemlich schlecht aussieht.»
«Viel bessere Qualität»
Der zuständige Gemeinderat und Bauvorsteher in Rüti entkräftet diese Vorwürfe. «Es ist unbestritten, dass die Metallcontainer in der Anschaffung deutlich günstiger sind», sagt Peter Weidinger (Die Mitte). Auf die von den Herstellern garantierte Lebensdauer seien die Jahreskosten jedoch praktisch gleich hoch.
«Der Holzmodulbau weist aber eine viel bessere Raumqualität und damit bessere Voraussetzungen für eine kindergerechte Schulung auf.»
Auch was den Minergie-Standard betrifft, sei der Holzmodulbau die weitaus bessere Lösung: «Der Bau wird im Minergie-A-Standard mit ECO-Anforderungen erstellt, welcher der höchste Gebäudeenergiestandard ist, der nach dem Minergie-Konzept zertifiziert werden kann», erklärt Weidinger.
Der Modulbau beim Schulhaus Ferrach würde eine positive Energiebilanz aufweisen und so einen Energieüberschuss produzieren. Auch bezüglich der Holzfassade könne er keine Probleme erkennen. «Holzfassaden sind sehr dauerhaft und altern über die Zeit auf natürliche Weise.»
Langfristig geplant
Auch den Vorwurf, dass Rüti sich nicht damit begnüge, was in anderen Gemeinden genüge, kann der Bauvorsteher nichts abgewinnen. «Wir setzen zwar gemietete Metallcontainer für einen kurzfristigen Einsatz von ein bis zwei Jahren als Schulraum ein, doch für einen längeren Einsatz sind sie höchstens als Nebenräume wie beispielsweise für Vorbereitungen geeignet», sagt Weidinger.
Für einen mehrjährigen Einsatz als Schulräume setze die Gemeinde auf Holzmodulbauten mit höherer Qualität. «Dabei stützen wir uns auf langjährige Erfahrungen der Städte Zürich und Winterthur.»
Was die Raumhöhe der nicht in Betracht gezogenen Metallcontainer betrifft, meint Weidinger, die Gemeinde habe alles offengelegt. «Wir haben nie behauptet, dass Container mit höheren Räumen nicht lieferbar wären, und beim Preisvergleich den Metallcontainer mit einer niedrigen Raumhöhe gemäss vorliegender Offerte einbezogen.» Ein Metallcontainer mit höherer Raumhöhe würde voraussichtlich höhere Kosten verursachen.
Hinsichtlich der Gesamtplanung beim Schulhaus Ferrach resümiert Weidinger: «2022 stellten wir fest, dass der benötigte Schulraum im Ferrach durch das künftige Grossprojekt nicht rechtzeitig bereitgestellt werden kann, weshalb das Projekt mit dem Holzmodulbau aufgegleist wurde.»
Die Sicht des Nachfolgers
Die von Hanspeter Jacober kritisierten Ereignisse seien teilweise in Abweichung von vorliegenden Dokumenten dargestellt und für den heutigen Bauvorsteher nicht mehr allzu relevant. Dennoch sei zu erwähnen, dass die Gemeinde keinen Entscheid angefochten habe.
Er meint: «Als nachfolgender Präsident der Baukommission musste ich 2012 vom negativen Urteil des Verwaltungsgerichts zum damaligen Entscheid des Preisgerichts Kenntnis nehmen und bei der zuständigen Schulpflege den Wettbewerbsabbruch beantragen.»
Zudem gehe die Geschichte gar bis ins Jahr 2009 zurück, als Hanspeter Jacober selbst noch Präsident der Baukommission war.
Und weiter: «Die Entscheide und die Abrechnung des Planungskredits sind aufgearbeitet und durch die Gemeindeversammlung vom Dezember 2015 gestützt worden», erklärt Weidinger.
Die in der Folge erarbeiteten Planungsergebnisse der Schule Rüti aus den Jahren 2015 bis 2021 seien im Rahmen der Zusammenführung in die Einheitsgemeinde 2022 eingebracht und von einer neuen Baukommission, wieder unter Leitung von Weidinger, weiterverfolgt worden.
Aufgrund der grundlegenden Veränderungen der Schule in den vergangenen zehn Jahren ergäben sich aus heutiger Sicht durchaus positive Aspekte und Chancen, dass das im Jahr 2009 aufgesetzte Projekt nicht umgesetzt wurde.
Der nun zur Debatte stehende Holzmodulbau stelle Schulraum für mindestens 30 Jahre zur Verfügung. Ab 2024 für mehrere Jahre am Standort Ferrach und anschliessend flexibel nach Bedarf an anderen Standorten in der Gemeinde Rüti.