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Wie soll sich die Wetziker Bahnhofstrasse weiterentwickeln?

Das Wetziker Parlament ist für ausufernde Diskussionen bekannt. Jetzt wollen die Mitglieder auch mit der Bevölkerung diskutieren.

Raus aus dem Saal im Stadthaus: Das Wetziker Parlament lädt zum Austausch mit der Bevölkerung. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Wie soll sich die Wetziker Bahnhofstrasse weiterentwickeln?

Parlament will mit Volk reden

Das Wetziker Parlament sucht den Austausch mit der Bevölkerung. Die Ideen über die Zukunft der Bahnhofstrasse sollen dabei nicht einfach wieder in der Schublade verschwinden.

Seit 2014 ist Wetzikon eine Parlamentsgemeinde. Doch bei den Wahlen zur dritten Legislatur im März 2022 war das Interesse der Wetzikerinnen und Wetziker an ihrem Parlament bescheiden: Die Wahlbeteiligung lag unter 30 Prozent.

Dieser Umstand ist auch Jonas Wepfer (Grüne), Andreas Wolfensberger (FDP) und Marco Müller (AW) nicht verborgen geblieben. Sie alle wurden 2022 gewählt und sind Teil der Geschäftsleitung des Parlaments.

Im Gremium ist deshalb die Idee entstanden, dass das Parlament einen Anlass für die Bevölkerung veranstalten kann. Am nächsten Mittwoch ist es so weit: Das Parlament lädt um 18.30 Uhr zum ersten Klartext in der Wetziker Garage. So nennen die drei das Format für den Gedankenaustausch von Wetziker Parlament und der Bevölkerung.

Zuerst Apéro, dann Austausch

Doch wieso braucht es das? Delegiert man in einer Parlamentsgemeinde nicht die Entscheidungen ans Parlament? «Wenn man mit Leuten spricht, hört man immer wieder ‹Was genau macht denn eigentlich das Parlament in Wetzikon? Betrifft mich das?›», erzählt Andreas Wolfensberger.

«Dabei ist es ja gerade anders, es ist enorm wichtig und betrifft jeden», ergänzt Marco Müller. Deshalb sei es wichtig, dass das Parlament den Austausch mit der Bevölkerung sucht und diesen Umstand aufzeigt.

Für die Veranstaltung haben sie das Thema Entwicklung der Bahnhofstrasse ausgesucht. «Denn das betrifft alle Wetzikerinnen und Wetziker», sagt Wepfer. Unabhängig davon, ob sie stimmberechtigt sind oder nicht.

Auch wenn die drei Politiker aus unterschiedlichen Parteien kommen, ein Streitpunkt war die Suche nach dem Thema nicht. «Auch sonst erlebe ich die Arbeit im Parlament als sehr konstruktiv», betont er. «Natürlich ist man sich nicht immer einer Meinung, aber auf kommunaler Ebene machen wir Sachpolitik», sagt auch Marco Müller.

Bahnhofstrasse in Wetzikon und rechts drei Köpfe von Männern.
Marco Müller, Andreas Wolfensberger und Jonas Wepfer (von oben nach unten) wollen mit der Bevölkerung über die Bahnhofstrasse diskutieren.

Dabei soll es nicht vordergründig um Mobilitätsthemen gehen – die Bahnhofstrasse ist eine Kantonsstrasse –, sondern um weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Es gibt ein Inputreferat und dann einen Austausch mit den Anwesenden. Die Bedürfnisse und Ideen sollen in einem geordneten Rahmen gesammelt, diskutiert und festgehalten werden.

Dafür, dass dieser Austausch gelingt, ist SRF-Moderatorin und Journalistin Melanie Pfändler zuständig. «Wir freuen uns sehr, dass sie den Anlass moderiert», sagt Andreas Wolfensberger. «Es soll wirklich kein Anlass sein, bei dem es nur Referat gibt und einen Apéro – wir möchten mit der Bevölkerung in Kontakt kommen, ihre Meinung interessiert uns.» Der obligate Apéro findet deshalb vor dem Beginn der Veranstaltung statt.

50 oder 120?

Die Politikerinnen und Politiker sollen derweil nicht im Mittelpunkt stehen: «Aber von jeder Fraktion ist mindestens eine Person vertreten, die dann auch Stellung zu den Vorschlägen nehmen kann», sagt Wepfer. «Es ist uns wichtig, dass der Anlass überparteilich ist.»

Das Ziel ist auch, dass die diskutierten Themen nicht einfach auf einem Flipchart in der Garage niedergeschrieben und dann entsorgt werden. «Wir hoffen schon, dass wir Punkte auch in unsere parlamentarische Arbeit mitnehmen können», wünscht sich Marco Müller. Die Ergebnissicherung ist den Veranstaltern wichtig.

Die drei hoffen, dass das gewählte Format auch Leute anzieht, die sich sonst nicht immer für politische Themen interessieren. «Aber wie viele kommen, das werden wir dann am Mittwoch sehen», meint Wolfensberger trocken. «Vielleicht sind es 50, vielleicht sind es 120.»

Gleichzeitig wollen sie auch ihr Netzwerk nutzen, um Leute zur Teilnahme zu motivieren. So erzählt Müller beispielsweise, dass er auch mit einem Kebab-Standbetreiber gesprochen hat. «Und es wäre doch cool zu erfahren, was er so für Ideen für die Bahnhofstrasse hat.»

Gespannt auf Feedbacks

Das Interesse wird auch darüber entscheiden, ob Klartext weitergeführt wird oder ob es bei einer einmaligen Veranstaltung bleibt. Der Betrag im Budget, 3500 Franken, war schon im letzten Dezember im Parlament umstritten. Nur dank eines Rückkommenantrags von Müller wurde das Geld zur Verfügung gestellt.

«Wir werden sehen, wie es weitergeht», sagt er. Vorderhand freut er sich auf die Veranstaltung und auf die Inputs, die hoffentlich erarbeitet werden. Ähnlich tönt es bei Jonas Wepfer: «Es wird interessant, wenn nicht die immer gleichen 36 Parlamentarier diskutieren.»

Ideen für weitere Veranstaltungen gäbe es genug. «Sei es das Zusammenleben in den Quartieren oder Arbeitsplätze in Wetzikon», sagt Wolfensberger. Er ist nun gespannt, wie das Feedback zum ersten Klartext ausfällt.

Klartext

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 15. November, in der Garage Wetzikon statt. Um 18.30 Uhr ist Türöffnung, es gibt einen Apéro. Um 19 Uhr beginnt das Inputreferat mit anschliessender Diskussion. Die Teilnahme ist kostenlos. Mehr Infos findet man hier.

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