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Egg zieht bei Millionenprojekt die Notbremse

Die Schulanlage Bützi in Egg erhält keine neuen Schulräume und keine neue Turnhalle. Der Gemeinderat hat die Notbremse gezogen.

«Stossrichtung in der Schulraumplanung ändern»: Das Siegerprojekt «Pozza» in Egg wird nicht gebaut.

Foto: PD

Egg zieht bei Millionenprojekt die Notbremse

Schulanlage Bützi

Die Gemeinde Egg sistiert die Planung für die Schulanlage Bützi. Der Gemeinderat hat das Bauprojekt mit sofortiger Wirkung gestoppt. Grund: die Kosten.

Erst im Juni hatte die Gemeinde Egg das Siegerprojekt für die Erweiterung der Schulanlage Bützi vorgestellt. 34 Vorschläge waren eingegangen, gewonnen wurde der Projektwettbewerb vom renommierten Zürcher Architekturbüro Armon Semadeni. Ein Mehrzweckgebäude mit einer Doppel- oder gar einer Dreifachturnhalle war geplant.

Dessen Projekt «Pozza» vereine «in vorbildlicher Weise die vorgesehenen unterschiedlichen Nutzungen», schrieb die Gemeinde damals in einer Mitteilung. Es überzeuge wegen «seiner Flexibilität und seines sparsamen Umgangs mit dem Bauland» und sei «ein kosteneffizientes Projekt».

25 statt 17,5 Millionen

Kosteneffizient ja, günstig nein. Die Ausgangslage habe sich seither grundlegend verändert, teilt die Gemeinde nur drei Monate später mit: «Dass die Umsetzung der Schulraumstrategie die Gemeindefinanzen von Egg strapaziert, war von Anfang an klar. Im Zuge der Weiterbearbeitung des Siegerprojekts wurde nun aber offensichtlich, dass die vor dem Wettbewerb veranschlagten Kosten von 17,5 Millionen Franken unrealistisch geworden sind.»

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Schon im Juni schrieb die Gemeinde von Kosten in der Grössenordnung von 23 bis 25 Millionen. Jetzt betätigt die Gemeinde die Notbremse. «Der Gemeinderat hat seine Verantwortung wahrgenommen», sagt dazu Gemeindeschreiber Tobias Zerobin.

Die ursprünglichen 17,5 Millionen hätten auf einer Annahme beruht, die sich im Nachhinein als «massiv zu tief» entpuppt habe, auch aufgrund der Bauteuerung, so Zerobin. Und auf die Frage, warum man sich denn ausgerechnet für ein derart teures Projekt entschieden habe: «Jedes der eingereichten Projekte übertraf diese ursprüngliche Annahme.»

7 Prozentpunkte mehr Steuern?

Egg mit seinen 8000 Einwohnern ist nicht auf Rosen gebettet. Im Jahr 2022 hatte die Gemeinde einen Überschuss von knapp 500'000 Franken erzielt. Für das aktuelle Jahr ist ein Defizit budgetiert, und auch 2024 rechnet die Gemeinde mit roten Zahlen. Im Wissen um dieses Defizit hat der Gemeinderat zusammen mit externen Experten die Finanzplanung aktualisiert: «Dabei hat sich gezeigt, dass Kosten in der absehbaren Höhe eine zu grosse Belastung für den Finanzhaushalt darstellen.»

Die Realisierung des Bützi-Projekts hätte eine Steuerfusserhöhung von bis zu 7 Prozentpunkte nach sich ziehen können, warnt der Gemeinderat. Aktuell liegt der Steuerfuss in Egg bei 101 Prozent.

Begleitgruppe erfuhr am Mittwochabend vom Stopp

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schulanlage Bützi ausgebremst wird. 2018 hatte die Stimmbevölkerung die ursprüngliche Vorlage des Gemeinderats zur Schulraumerweiterung an der Urne überraschend abgeschmettert und damit die gesamte Schulraumplanung zurück auf Feld eins versetzt. Jetzt stoppte nicht der Souverän, sondern die Exekutive.

Die Abfuhr 2018 wurde auch damit begründet, dass die Bevölkerung zu wenig in den Planungsprozess mit eingebunden wurde und zu viele Fragen offen blieben. Das wollte man im neuen Anlauf besser machen.

Aus diesem Grund wurde im Anschluss eine Begleitgruppe mit Vertretern verschiedene Anspruchsgruppen ins Leben gerufen. Diese sollte die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner von Egg frühzeitig in den Planungsprozess einbringen. Die rund 20 Mitglieder wurden von der Gemeinde am Mittwochabend informiert.

Doch auch eine Notbremsung verursacht Aufwand. 490'000 Franken waren für die Planung inklusive Projektwettbewerb budgetiert. Wie viel davon noch übrig ist, steht noch nicht fest.

Ein aus Containern erstelltes Schulprovisorium, das sich im Aufbau befindet.
Vor drei Jahren wurde in der Schulanlage Bützi ein Provisorium errichtet. Das neue Projekt war auch als Ersatz dafür gedacht. (Archiv)

Wie weiter?

Um eine finanzielle Schieflage zu verhindern, will die Gemeinde Egg «die Stossrichtung in der Schulraumplanung ändern». Statt in teure Neubauten zu investieren, sollen bestehende Schulgebäude saniert und erweitert werden. Das vor drei Jahren in der Schulanlage Bützi erstellte Provisorium und die Aufstockung des Schulhauses Vogelsang in Esslingen hätten zudem eine merkliche Entlastung für den Schulbetrieb gebracht.

Eine abrupte Kehrtwende und eine neue Stossrichtung: In zwei Wochen will der Gemeinderat an einer Informationsveranstaltung darlegen, wie es weitergehen soll. Gemeindeschreiber Zerobin: «Die Schulqualität ist in keinster Weise gefährdet. Das ist uns wichtig.»

Informationsveranstaltung am 25. September

Der Gemeinderat von Egg sei sich bewusst, dass der Strategiewechsel abrupt kommt und Fragen aufwerfe, schreibt er in einer Mitteilung. Aus diesem Grund organisiert er am 25. September im Hirschensaal in Egg eine Informationsveranstaltung. Dort will er die Gründe für den Projektstopp detailliert darlegen und gleichzeitig aufzeigen, wie es mit der Schulraumentwicklung in Egg weitergeht. (sco)

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