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Projekt «Fernwärme aus Kezo-Abfall» bleibt weiter auf Kurs

Der Ausstieg von Pfäffikon hat keinen Einfluss: So steht es um die Fernwärme-Planung in den anderen Gemeinden.

Wärme aus Abfall ist für Pfäffikon keine Option mehr, andere Gemeinden halten am Projekt fest und machen vorwärts.

Foto: Seraina Boner

Projekt «Fernwärme aus Kezo-Abfall» bleibt weiter auf Kurs

Trotz Nein aus Pfäffikon

Pfäffikon will nicht, sieben andere hingegen schon: Die Planung eines Fernwärmenetzes ab der Kezo geht in vielen Gemeinden voran. Bald sollen weitere Entscheide auf dem Tisch liegen.

Es war eine Überraschung: Am Dienstag teilte die Werkkommission der Gemeinde Pfäffikon mit, dass sie das Fernwärmeprojekt ab der Kehrichtverwertungsanlage Kezo in Hinwil nicht weiterverfolgen will.

Für sie ist es zu teuer und mit zu vielen Unsicherheiten verbunden. Pfäffikon ist damit die erste Gemeinde, die dem Vorhaben, Fernwärme aus der Kezo zu beziehen, die kalte Schulter zeigt.

Erst Anfang Jahr wurde das Projekt bereits zweigeteilt: in einen West-Ast, dem neben Pfäffikon auch Wetzikon und die Energie Uster AG angehören, und in einen Süd-Ast mit den Gemeinden Hinwil, Bubikon, Dürnten und Rüti sowie Rapperswil-Jona.

Keinen Einfluss auf Uster und Wetzikon

Das Nein aus Pfäffikon kümmert in Wetzikon wenig. Im Juni haben die Stimmberechtigten den nötigen Rahmenkredit für den Aufbau des Fernwärmenetzes mit grosser Mehrheit genehmigt. Am Sonntag in einer Woche kommt noch der Ausgliederungserlass an die Urne.

Die Stadt will bereits 2026 erste Häuser in Wetzikon mit Wärme aus Abfall beheizen. «Wir haben eine gründliche Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt und können dank unserer fortgeschrittenen Planung ein rentables Netz aufbauen», ist der zuständige Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP) überzeugt. «Aber jede Gemeinde muss natürlich für sich eine Kostenrechnung machen.»

Auch auf die Planung der Energie Uster AG, der städtischen Energieversorgerin, hat das Nein aus Pfäffikon keinen Einfluss. «Da Pfäffikon nicht über die Transportleitung nach Uster erschlossen worden wäre, hat es weder technisch noch finanziell einen Einfluss auf die Planung der Energie Uster AG», sagt Verwaltungsratspräsident und SP-Stadtrat Stefan Feldmann.

«Ob das Projekt realisiert werden kann, hängt letztlich aber davon ab, ob am Ende ein konkurrenzfähiger Preis resultiert.»

Stefan Feldmann (SP)

Verwaltungsratspräsident Energie Uster AG und Stadtrat

Die Energie Uster AG ist grundsätzlich weiter an Fernwärme interessiert. «Die Planungsarbeiten gehen voran, sowohl auf technischer Ebene als auch bezüglich einer möglichen Finanzierung», erläutert Feldmann.

«Ob das Projekt realisiert werden kann, hängt letztlich aber massgeblich davon ab, ob am Ende ein konkurrenzfähiger Preis beim Endkunden resultiert oder nicht.» Der Verwaltungsrat will noch dieses Jahr einen Entscheid fällen.

Heisses Wasser fliesst ab 2027

Und wie sieht es im Süden aus? Die Koordination dort übernimmt die Energie Zürichsee Linth (EZL), eine Energieversorgerin mit Sitz in Rapperswil-Jona. «Wir arbeiten seit Herbst 2022 am Projekt», sagt CEO Ernst Uhler.

Ein Entwurf für die Leitungsführung steht.

Ernst Uhler

CEO Energie Zürichsee Linth

Das Unternehmen beabsichtigt auch, die nötige Transportleitung «Bachtel Transport» von der Kezo in Hinwil bis nach Rapperswil-Jona zu erstellen und zu betreiben.

«Ein Entwurf für die Leitungsführung steht, bald werden wir mit den betroffenen Landbesitzern Kontakt aufnehmen können und sie über das Vorhaben informieren und Verträge aushandeln», sagt Uhler. Dies ist eine zentrale Grundlage, um danach die nötigen Baugesuche einzureichen.

Der Bau der Transportleitung dürfte etwa 18 Monate dauern. «Ab 2027 sollte heisses Wasser ab der Kezo durch die Leitung fliessen», ergänzt er.

Eine Mischrechnung

Uhler ist überzeugt, dass im Süd-Ast ein rentables Fernwärmenetz betrieben werden kann. «Unsere Ausgangslage unterscheidet sich von der in Pfäffikon wesentlich», sagt er. So seien die Gemeinden Hinwil, Rüti und Rapperswil-Jona relativ dicht besiedelt.

«Viele Liegenschaften werden dort seit Jahrzehnten über ein Gasnetz für die Wärmeerzeugung versorgt. Die Versorgung über ein Netz ist damit etabliert.» Zudem benötigen die Wärmetauscher im Gebäude analog einer Gasheizung auch sehr wenig Platz. Der Umstieg auf Fernwärme sei dann einfacher.

So können auch weniger dicht besiedelte Gemeinden wie Bubikon und Dürnten angeschlossen werden. «Es ist am Schluss eine Mischrechnung», sagt Uhler. Aber er schränkt auch ein: «Fernwärme lohnt sich vor allem für mittlere und grössere Liegenschaften, die Erschliessung von Quartieren mit Einfamilienhäusern ist in der Regel zu kostspielig.»

Genügend Wärme

Die Werkkommission Pfäffikon begründete den Ausstieg der Gemeinde auch damit, dass die Kezo gar nicht genügend Wärme liefern könnte. Aber Ernst Uhler relativiert. «Den Wärmeverbrauch in Zukunft genau vorauszusagen, ist schwierig.»

So fördert der Bund beispielsweise Sanierungen von Häusern. «Und falls die Winter weiterhin milder ausfallen, wird auch der Wärmebedarf rückläufig sein.»

Es gelte vorab, das grosse Wärmeangebot mit dem geplanten Neubau der Kezo bei den Kunden zu platzieren. 2028 soll die Anlage in Betrieb gehen. Im nächsten Jahr steht jedoch noch die Abstimmung über das Vorhaben in den Zweckverbandsgemeinden bevor.

Falls die Nachfrage das Angebot überschreiten sollte, so müsste man sich später Gedanken machen, wie man diesen Bedarf bereitstellen kann. «Vielleicht könnte dann das Angebot mit Biomasse oder mit Anergienetzen zusätzlich gesteigert werden», sagt Uhler. Letztere sind Netze, die sowohl Wärme als auch Kälte bereitstellen können.

EZL trägt Risiko

Die Energie Zürichsee Linth treibt aber nicht nur die Planung der Transportleitung voran. Parallel soll auch zeitnah in Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Aufbau der lokalen Netze erfolgen. «Die entsprechenden Planungen sind ebenfalls schon weit vorangeschritten. So ist man daran, die Versorgungsperimeter zu bestimmen», sagt Uhler.

In den Gemeinden Hinwil, Dürnten, Bubikon und Rapperswil-Jona beabsichtigt die EZL auch die Verantwortung für die lokalen Verteilnetze zu übernehmen.

Für den Bubiker Gemeindepräsidenten Hans-Christian Angele (FDP) bietet diese Lösung viele Vorteile: «Die Gemeinde hat keinen eigenen Energieversorger, uns fehlen daher das Know-how, die personellen Ressourcen und die Erfahrung.»

Wir sind in der Planung schon sehr weit.

Carlo Wiedmer

Stellvertretender Gemeindeschreiber in Dürnten

Das finanzielle Risiko liegt dann auch bei der EZL. «Sie muss auch dafür sorgen, dass die Wärme zu einem wirtschaftlichen Preis verkauft werden kann und genügend Abnehmer da sind», ergänzt er.

Auch in Dürnten könnte die Energieversorgerin das Netz bauen und betreiben. «Wir sind in der Planung schon sehr weit», lässt der stellvertretende Gemeindeschreiber Carlo Wiedmer verlauten. «Bald werden wir weiter informieren.»

Rüti will eigenes Netz

Etwas anders sieht es in Rüti aus. «Das Verteilnetz ab der Übergabestelle hier in Rüti wollen wir aber durch die Gemeindewerke bauen und betreiben lassen», sagt der zuständige Gemeinderat Roger Hess (Die Mitte).

Und Hinwil, die Standortgemeinde der Kezo? Die Gemeinde bezieht bereits jetzt Fernwärme der Kehrichtverwertungsanlage. Und sie ist laut Seraina Brogli, der Leiterin Abteilung Gesundheit und Umwelt, daran interessiert, ihr Netz auszubauen.

«Zurzeit prüft die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Kezo verschiedene Szenarien, um die zielführendste Variante für den weiteren Ausbau des Hinwiler Fernwärmenetzes festzulegen», sagt Brogli. Genauere Informationen sollen Anfang 2024 vorliegen.

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