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Luchs reisst Reh in Bauma – Bevölkerung ist schockiert

Dank Fotofalle gelangen dem Jäger «eindrückliche» Aufnahmen des Tiers. Trotzdem will der Kanton in Zukunft anders vorgehen.

Der Luchs kehrt zu seiner Beute zurück. Mit der Fotofalle wird dies festgehalten.

Foto: PD

Luchs reisst Reh in Bauma – Bevölkerung ist schockiert

«Ein natürlicher Vorgang»

Ein gerissenes Reh sorgt in Bauma für Aufsehen – zum Unverständnis des zuständigen Jägers. Trotzdem will der Kanton die Regeln anpassen.

Es war auf den ersten Blick keine spezielle Meldung, die der Baumer Förster und Jäger Jürg Küenzi erhielt: «Man teilte mir Anfang letzter Woche mit, dass in der Nähe vom Waldrand ein totes Reh liegt.»

Normalerweise wird dann ein Jäger aufgeboten, damit der Kadaver des Tiers entsorgt werden kann. «Doch als ich vor Ort war, war ich mir sofort sicher, dass das Reh gerissen wurde, und zwar ziemlich sicher von einem Luchs.» Erkennen konnte das der erfahrene Jäger unter anderem an der Art, wie die Kehle durchgebissen wurde.

Die geschützten Raubtiere wurden vor gut 20 Jahren wieder in der Nordostschweiz angesiedelt. Ihre Ausbreitung wird in der Schweiz überwacht, das schreibt der Bund vor. Schätzungen zufolge leben rund 20 selbständige Luchse in der Nordostschweiz. So bezeichnet man Tiere, die älter als ein Jahr sind.

Anrufe bei der Gemeinde

«Nach Rücksprache mit dem Jagdobmann installierte ich deshalb eine Fotofalle», sagt Küenzi. Denn der Luchs kehrt meist wieder zu seiner Beute zurück. Damit das Raubtier sein gerissenes Reh nicht sofort wieder aus dem Bild zieht, band Küenzi dieses an einen Pfahl. «Das Tier war zu diesem Zeitpunkt schon tot», betont er.

Beim Waldstück rechts vom Weg wurde das Tier gefunden.

Er stellte zudem eine Tafel auf, um über die Fotofalle zu informieren. Trotzdem gingen bei der Gemeinde und der Jagdgesellschaft diverse Anrufe ein. Einige Leute schienen entrüstet über das Vorgehen. Vor allem das Anbinden schien viele zu irritieren.

Viele haben das Reh vermutlich während eines Spaziergangs entdeckt. Das gerissene Tier lag nämlich gut 30 Meter vom Spazierweg Tössweg entfernt.

Anbinden ist nötig

Jäger Küenzi kann die verschiedenen Reaktionen nicht ganz nachvollziehen: «Dass ein Luchs ein Reh reisst, ist ein natürlicher Vorgang.» Luchse seien nun mal Raubtiere.

Auch das Vorgehen mit dem Anbinden ist vollkommen üblich, wie Reto Muggler, der Co-Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, bestätigt: «Es ist durchaus üblich, dass gerissene Tiere, insbesondere Rehe und Gämsen, nach dem Fund durch die zuständige Person angebunden und mit einer Fotofalle bestückt werden.»

«Das gerissene Tier muss angebunden werden, damit es durch das verursachende Tier, mehrheitlich den Luchs, nicht fortgeschleppt werden kann.» Denn sonst werde die Bestimmung des Luchses mit der Fotofalle schwierig.

«Eindrückliche Aufnahmen»

Beim gerissenen Reh in Bauma kam der Luchs auch tatsächlich zurück. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch näherte er sich nochmals seiner Beute, um zu fressen.

Dabei sind, wie Jäger Jürg Küenzi meint, «eindrückliche Aufnahmen entstanden». Kurze Filmsequenzen zeigen, wie der Luchs frisst. Zudem probiert er natürlich, das Reh wegzureissen.

Video: PD

«Hätte ich das Reh einfach entsorgt, hätte ich dem Luchs auch ein Tier weggenommen, das er selber gejagt hat», betont Küenzi. Dann hätte er sich erneut Nahrung suchen müssen. So sei eben die Natur. «Das ist der natürliche Ablauf.»

Der Riss war in diesem Fall tatsächlich etwas zu nah am Weg.

Reto Muggler

Co-Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung

Am nächsten Morgen hat Küenzi die Fotofalle bereits wieder entfernt und auch das gerissene Reh dann an einem anderen Ort platziert.

Regeln ändern sich

Die gemachten Aufnahmen kommen nun zur Fachstelle Kora, die im Auftrag des Bunds ein übergeordnetes Raubwild-Monitoring betreibt.

«Mit diesen Bildern ist die Fachstelle in der Lage, die nationale Ausbreitung zu beobachten und die einzelnen Individuen zu erkennen», erklärt Reto Muggler von der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung.

Dass ein solcher Riss wie in Bauma für Reaktionen sorgt, kommt laut Muggler selten vor. «Der Riss war in diesem Fall tatsächlich etwas zu nah am Weg und wurde somit auch durch die Bevölkerung wahrgenommen», meint er.

In Zukunft wolle man dies vermeiden: «Wir haben intern die Richtlinien nochmals überprüft und angepasst.» Risse werden künftig noch weiter weg von Wegen festgebunden.

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