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Politik

Turbenthaler stellen Weichen für Einheitsgemeinde

Drei Güter oder doch eine Einheitsgemeinde? Darüber entscheiden die Turbenthaler im Herbst.

Drei Bäume schmücken den Kreisel – drei eigenständige Gemeinden gibt es auch noch in Turbenthal.

Foto: Manuela Kägi

Turbenthaler stellen Weichen für Einheitsgemeinde

Abstimmung im Herbst

Im Herbst kommt das Thema Einheitsgemeinde an die Urne in Turbenthal. Der Gemeinderat befürwortet sie, die Schulen würden eine andere Option bevorzugen.

Eine Gemeindeversammlung in Turbenthal dauert in der Regel etwas länger. Das liegt nicht nur an der Redefreudigkeit der Stimmberechtigten – sondern auch am Programm.

Im Dezember stimmen sie über drei Budgets ab, im Juni genehmigen sie drei Rechnungen. Jene der Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg, der Primarschulgemeinde Turbenthal und der Politischen Gemeinde.

Geht es nach dem Gemeinderat, soll sich das bald ändern. Eines seiner Legislaturziele ist die Prüfung einer Einheitsgemeinde – und deren Einführung bis 2026.

Gemeinderat will vorwärtsmachen

Nun nimmt er einen Anlauf. Erste Gespräche zwischen den drei Gütern haben stattgefunden, wie der Gemeinderat in seinem jüngsten Verhandlungsbericht schreibt. In einer Grundsatzabstimmung im November können die Turbenthalerinnen und Turbenthaler entscheiden, ob dieser Prozess weitergeführt werden soll.

In einer Einheitsgemeinde sind die Schulen in die Politische Gemeinde integriert. Im Tösstal sind Zell, Bauma, Fischenthal und seit 2021 auch Wildberg Einheitsgemeinden.

Gemäss den Legislaturzielen scheint der Gemeinderat eine Einheitsgemeinde zu befürworten. Mit genauen Begründungen hält sich Gemeindepräsident René Gubler (FDP) aber noch zurück.

«Zurzeit erarbeiten wir den beleuchtenden Bericht für die Grundsatzabstimmung im November», erläutert er. «Darin werden wir die Vor- und Nachteile transparent aufführen.»

Autonomie auch in Einheitsgemeinde

Auch die Sekundarschulgemeinde ist noch zurückhaltend. «Wir werden im beleuchtenden Bericht, der bald vorbereitet wird, unsere Haltung darlegen», sagt Bruno Pfenninger (FDP), der Präsident der Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg.

Einheitsgemeinden liegen einfach im Trend, der Kanton will weniger Gemeinden.

Bruno Pfenninger (FDP)

Präsident Sekundarschule Turbenthal-Wildberg

Wichtig sei, dass die Anliegen der Schulen auch in einer möglichen Einheitsgemeinde genügend Gewicht und eine möglichst hohe Autonomie bekämen. «Früher gab es Stimmen, die Einheitsgemeinden forderten, um die Schulen zurückzubinden, die sie für zu teuer hielten», erklärt er.

Das scheint heute weniger der Fall zu sein. «Einheitsgemeinden liegen einfach im Trend, der Kanton will weniger Gemeinden», meint Pfenninger.

Die Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg wird aber unabhängig von der Abstimmung in Turbenthal bald ein Ende haben. «Wildberg strebt eine Fusion an», erklärt er. Dann werde es die Sekundarschulgemeinde in der heutigen Form ohnehin nicht mehr geben.

Kreisschule mit mehr Vorteilen

Trotzdem hat Pfenninger eine klare Vision: «Die beste Lösung für eine langfristige Zukunft für uns Schulen im Tösstal wäre eine Kreisschule mit allen fünf Schulgemeinden von Turbenthal, Wila und Wildberg», sagt er.

In den letzten Monaten hätten die Primar- und die Sekundarschule Turbenthal nochmals verschiedene Anläufe für eine solche Lösung gemacht – ohne Erfolg.

Nicht jeder Trend, jede Vorgabe aus dem manchmal fernen Zürich ist auch passend für die Sachlage bei uns im Tösstal.

Ueli Laib (parteilos)

Präsident Primarschule Turbenthal

Ähnlich äussert sich Ueli Laib (parteilos), der Präsident der Primarschulgemeinde Turbenthal. «Wenn es ums Thema Einheitsgemeinde geht, ist unsere Haltung klar: Wir glauben, dass die zukünftigen Herausforderungen an die Volksschule idealerweise mit einer grösseren Schule gelöst werden könnten.»

Der Kanton drängt gemäss Laib auf eine Reduktion der Anzahl Gemeinden. «Dies kann verständlich sein, aber nicht jeder Trend, jede Vorgabe aus dem manchmal fernen Zürich ist auch passend für die Sachlage bei uns im Tösstal.»

Wila sagte Nein

Die Primarschule Turbenthal sei von der Grösse her bereits eine mittelgrosse Schule. «Wir haben somit nicht einen unmittelbaren Handlungsbedarf.»

Für Laib sind die Vorteile einer Einheitsgemeinde marginal. Auch er verweist aber auf den beleuchtenden Bericht vor der Abstimmung. «Darin wird die Schulpflege detaillierter Stellung nehmen», verspricht er. Das werde aber erst nach den Sommerferien der Fall sein.

Bestrebungen, eine Einheitsgemeinde einzuführen, gab es vergangenes Jahr auch in Wila. Zur Diskussion standen eine Einheitsgemeinde Wila und eine mögliche Fusion mit Turbenthal.

Die Stimmberechtigten wollten in der Abstimmung im Mai 2022 aber von beiden Vorschlägen nichts wissen. In Wila gibt es somit auch weiterhin drei Güter: die beiden Schulgemeinden und die Politische Gemeinde.

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