Gemeinderat will den Huebbach voll ausbauen
Hochwasserschutz in Wila
Wie soll der Huebbach in Wila hochwassersicher werden? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Eine Lösung muss endlich her.
«Ich bin froh, habt Ihr endlich die Katze aus dem Sack gelassen», sagte ein Anwohner des Wilemer Huebbachs am Dienstagabend an der Info-Veranstaltung im Eichhaldesaal. Seine Worte waren an den Gemeinderat gerichtet. Mit der «Katze» meinte er dessen Pläne, um besagten Bach hochwassersicher zu machen.
Denn Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) hatte gerade ein paar Minuten zuvor Stellung genommen. Und zwar zu den beiden Vorprojekten, die zurzeit im Raum stehen: die Umlegung und der Vollausbau des Huebbachs.
Seit Jahren ein Thema
Da der Gemeinderat beide Projekte ausgearbeitet hatte, hatten Anwohnende eine Empfehlung gefordert. «Und wir müssen dem Wunsch entsprechen», sagte Mösch. «Die Empfehlung des Gemeinderats ist der Vollausbau des Huebbachs.»
Wir müssen den Weg der 15-jährigen Planungsphase endlich abschliessen.
Simon Mösch (Die Mitte)
Gemeindepräsident Wila
Als Begründung nannte er die Legislaturplanung. Ein Ziel dieser sei, den Hochwasserschutz des Bachs umzusetzen. «Wir müssen den Weg der 15-jährigen Planungsphase endlich abschliessen. Die einzig mögliche Variante dafür ist der Vollausbau.»
Mit dieser Aussage traf Mösch einen wunden Punkt. Denn seit Jahren diskutieren Bevölkerung und Gemeinderat, wie das Hochwasserrisiko, das vom Huebbach ausgeht, minimiert werden könnte. Dieses ist so gross wie bei keinem anderen Gewässer im Dorf.
Bei einem Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre auftreten kann, muss Wila mit einer grossflächigen Überflutung durch den Bach rechnen. Davon betroffen wären an die 200 Gebäude.
Vor diesem Hintergrund gab es ein Variantenstudium, aus welchem ein erstes Vorprojekt für die Bachumlegung hervorging. Dieses sieht vor, den Huebbach aus dem Dorf zu verlegen. Er soll auf Höhe der Tösstalstrasse umgeleitet werden und neu an der Agrola-Tankstelle vorbei oberhalb des Sekundarschulhauses Schweissrüti in die Töss fliessen.

Die kantonalen Töss-Pläne brachten das Vorhaben aber zum Erliegen. Zeitgleich zur Gemeinde hatte der Kanton beschlossen, die Töss bei Wila natürlicher und sicherer zu gestalten. Der Gemeinderat beschloss, sein Projekt auf das andere abzustimmen und mögliche Synergien zu nutzen.
Den Hochwasserschutz vorantreiben
Doch die Mühlen in Zürich mahlen bekanntlich langsam – viel getan hat sich bei den Töss-Plänen seither noch nicht. Mittlerweile ist Wila in der neuen Legislatur mit einem neu zusammengesetzten Gemeinderat. Und dieser ist es leid, auf den Kanton zu warten.
Er möchte den Hochwasserschutz vorantreiben, am besten so schnell wie möglich. Deswegen veranlasste er die Ausarbeitung eines Vorprojekts für den Vollausbau des Huebbachs.
Der Bach muss tiefer und breiter werden.
Martin Böckli
Projektleiter Holinger AG
Wie dieses aussehen würde, präsentierte Projektleiter Martin Böckli vom zuständigen Ingenieurunternehmen Holinger AG. Bei der Variante sind Massnahmen von oberhalb des Siedlungsgebiets bis zur Mündung in die Töss vorgesehen. «Der Bach muss tiefer und breiter werden», sagte Böckli.
Beim Oberlauf, bevor der Huebbach durchs Dorf fliesst, ist ein Ausbau nötig. Auf Höhe der Huebwies- und der Felseneggstrasse soll das Gerinne auf beide Seiten ausgebaut werden. Das würde eine Verbreiterung von mehreren Metern mit sich bringen.
Beim Abschnitt nach der Tösstalstrasse braucht es neben dem Gerinneausbau auch eine Absenkung der Sohle. Weil der Durchlass unter den Bahngleisen sehr knapp bemessen ist, muss er komplett ersetzt werden. Kurz vor der Mündung in die Töss ist laut Böckli zudem ein «Knick in den Bachlauf» vorgesehen.

«Die Pläne für den Vollausbau beziehen sich auf den Ist-Zustand der Töss», erklärte er abschliessend. «Wird das kantonale Projekt doch noch realisiert, können wir das Schlussstück darauf abstimmen.»
Stand heute beläuft sich die Kostenschätzung für das Projekt «Vollausbau» auf rund 3,7 Millionen Franken. Davon betragen die Baukosten knapp 2,9 Millionen Franken. Der restliche Betrag verteilt sich auf Landerwerb sowie Honorar- und Nebenkosten.
Volk hat das letzte Wort
Für die Bachumlegung rechnen die Planer mittlerweile mit Gesamtkosten von 5,5 Millionen Franken. Wie hoch die Beteiligung von Bund, Kanton und den SBB bei beiden Varianten wäre, ist unklar. «Den Hochwasserschutz können wir mit beiden Varianten sicherstellen», sagte die Wilemer Gewässervorsteherin Maja Berwert (SVP). «Es ist schliesslich eine Interessenabwägung.»
Welche Variante das Rennen macht, entscheidet die Bevölkerung. Bis Ende Juli können sich alle Wilemerinnen und Wilemer an einer Umfrage beteiligen. Dass dabei die Meinungen auseinandergehen, zeigte die anschliessende Diskussionsrunde. Während sich der eingangs genannte Anwohner positiv zum Vollausbau äusserte und die Bachumlegung als «fertigen Blödsinn» bezeichnete, übte ein Direktbetroffener Kritik.
Der Huebbach fliesse 30 Meter durch sein Land, sagte er. Auf dieser Strecke wäre ein Ausbau in die Breite um acht Meter vorgesehen. «Es leuchtet mir ein, dass man etwas machen muss. Aber die Dimensionen sind gewaltig.» Daher sei er für eine Umlegung.
Abwägung der Interessen
Mösch zeigte im Namen des Gemeinderats Verständnis für die verschiedenen Haltungen. «Wir geben eine Empfehlung ab, aber wir respektieren im Endeffekt das Votum der Bevölkerung», betonte er. «Uns ist bewusst, dass der Entscheid eine Abwägung von öffentlichen und privaten Interessen ist.»
Gerade weil der Hochwasserschutz ein so emotional aufgeladenes Thema ist, erstaunte die Anzahl Anwesender an diesem Abend. Knapp 20 Wilemerinnen und Wilemer wollten sich anhören, was Gemeinderat und Planer zu sagen hatten. «Ich habe mit mehr Leuten gerechnet», sagte Berwert. Aber es sei natürlich möglich, dass sich viele bereits eine Meinung gebildet hätten.
So oder so hofft sie darauf, dass möglichst viele Einwohner an der Umfrage zum Hochwasserschutzprojekt teilnehmen. Und so ein klares Bild entsteht, welche Variante die Bevölkerung umgesetzt haben will.
Umfrage für die Bevölkerung
Der Gemeinderat bittet die Wilemer Bevölkerung um ihre Meinung, um den Wegweiser für den Hochwasserschutz am Huebbach richtig zu setzen. Die Einwohnerinnen und Einwohner haben die Möglichkeit, sich zu den beiden Varianten «Bachumlegung» und «Vollausbau» zu äussern und dem Gemeinderat die bevorzugte Variante mitzuteilen.
Der Link zur Umfrage ist ab sofort auf der Gemeindewebsite aufgeschaltet. Es ist auch möglich, in Papierform an der Umfrage teilzunehmen. In den kommenden Tagen werden in alle Haushalte entsprechende Flyer verteilt.
Die Umfrage läuft bis zum Montag, 31. Juli.
