Abgesehen von der Angst vor Windrädern herrscht Einigkeit
Gemeindeversammlung Wald
Eine Investition für die Jugend, einige Pflichttraktanden sowie eine emotionale Thematik. Die Walder Gemeindeversammlung verlief mit grosser Einstimmigkeit und etwas Sorge um den geliebten Bachtel.
Die Beitragsverordnung für die familien- und schulergänzende Betreuung, ein geplanter Pumptrack-Skatepark für rund eine halbe Million Franken, der private Gestaltungsplan Waldau-Winkel, die Bauabrechnung der Gesamtsanierung für das Hallenbad sowie die Jahresrechnung. Diese Traktanden sorgten an der ersten Walder Gemeindeversammlung des Jahrs für einen grossen Andrang. 179 Stimmberechtigte fanden am Montagabend den Weg in die reformierte Kirche.
Letzter Mosaikstein
Die seit rund einem Jahr amtierende Sozialvorsteherin Karin Eggenberger (FDP) durfte zum ersten Mal ihr Wort an die Bevölkerung richten. Dies im Zusammenhang einer Angelegenheit, die ihr am Herzen liegt: die neue Beitragsverordnung für die familien- und schulergänzende Betreuung, die ab dem 1. August alleinige Kompetenz der Schulgemeinde Wald ist.
An der Urne wurde die Wichtigkeit der Betreuung deutlich.
Karin Eggenberger (FDP), Sozialvorsteherin
Der Verein Nokimuz, der bisher für die Betreuung sorgte, löst sich per 1. Juli auf. Dass die Schulgemeinde diese Aufgabe künftig übernimmt, segnete der Souverän bereits im vergangenen März mit 80 Prozent Zustimmung ab.
Nun ging es lediglich noch darum, das bisherige Beitragsreglement durch eine Beitragsverordnung zu ersetzen. Diese ermöglicht der Schulpflege den nötigen Handlungsspielraum. Speziell dann, wenn sie Gebühren erheben und Beiträge an die Kinderbetreuung ausrichten muss.
«An der Urne haben Sie deutlich gemacht, wie wichtig Ihnen eine gute Qualität der Kinderbetreuung ist.» Die Verordnung sei der letzte nötige Mosaikstein, um am 1. August gut starten zu können. Die Versammlung stimmte dem Geschäft schliesslich ohne Gegenstimmen zu.
Ein Projekt für die Jugend
In unzähligen Gemeinden gibt es bereits einen. Nun darf sich auch Wald auf einen Pumptrack-Skatepark freuen. Dies aufgrund eines Initiativkomitees unter der Leitung von Felix Diggelmann. Er hat das Projekt seitens der Walder Sportvereinigung präsentiert und vorangetrieben.
Rund 500'000 Franken soll der Pumptrack inklusive des Unterhalts kosten, der neben dem Spielplatz Neuhus entstehen wird. In der Mitte der Fahrbahn wird das auf dem Areal bereits bestehende Biotop erhalten bleiben. Rundum sind Magerwiesen geplant, was auch beim Naturschutzverein für Befürwortung sorgte. Er war in die Planung mit involviert.

Das Sportamt wird das Projekt mit Beiträgen des Zürcher Lotteriefonds von rund 75'000 Franken unterstützen. Dies allerdings nur dann, wenn das Projekt noch in diesem Jahr beschlossen würde. Dem war dann auch so. Nur einzelne Gegenstimmen konnten das Projekt, welches der Gemeinderat im Kosten- und Nutzenverhältnis befürwortet, nicht verhindern.
Zwei Pflichtgeschäfte
Bauvorsteher Rico Croci (Grüne) hatte der Versammlung eine eher trockene Angelegenheit zu erläutern: den Gestaltungsplan Waldau-Winkel, der in der Bau- und Zonenordnung verordnet ist. «Es geht um unsere Gestaltungspflicht für das Fabrikareal der ehemaligen Weberei Spörri.»
Genau geht es darum: Die historischen Teile sowie der grosse Kamin und der Innenhof sollen erhalten bleiben. Die grosse Halle hingegen darf abgebaut werden. Gewerbeflächen sollen weiterhin 50 Prozent des Areals ausmachen. Wie bei mittlerweile allen Neubauten muss die ökologische und verdichtete Bauweise berücksichtigt werden. Für das Wohngebiet gelten Lärmschutzbestimmungen.
«Nur die Halle aus den 1970er Jahren soll ersetzt werden», betonte Croci. Die zum Diezikonerbach hin orientierte Lage eigne sich perfekt für neue Wohnungsflächen. «Auch die Fussgängerbrücke und die Fusswege bleiben erhalten.» Das Geschäft kam ohne Gegenstimmen durch.
Dies traf auch auf die Zusatzkosten von rund 350'000 Franken für die Sanierung der Haus- und Badewassertechnik für das Hallenbad zu. Allerdings erhob sich hier ein einziger Arm dagegen.
Was, wenn die Windräder kommen?
Gegen den Schluss des Abends wurde es noch etwas emotionaler. Den Gemeinderat hatte nach Paragraf 17 des Gemeindegesetzes eine Anfrage erreicht. Die vom Regierungsrat zumindest in Betracht gezogene Planung für Windräder auf dem Bachtel sorgt in Wald für Gegenwind und Unsicherheit. Sieben an der Zahl könnten es werden.
Wir stehen Windrädern verhalten positiv gegenüber.
Ernst Kocher (SVP), Gemeindepräsident
Zusammengefasst verlangte die Anfrage vom Gemeinderat folgende Antwort:
Wie wären Windräder von 250 Metern Höhe mit dem Naturschutzgebiet auf dem Bachtel vereinbar? In Anbetracht dessen, dass ein Windrad rund 2000 Tonnen wiege, den Brutgebieten des vom Aussterben bedrohten Milans schaden und das Alpenpanorama «verschandeln» würde?
Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) nahm wie folgt Stellung: «Grundsätzlich steht der Gemeinderat den Windrädern verhalten positiv gegenüber, da die Windenergie eine wichtige Versorgungsergänzung für den Winter wäre.» Es solle nur so verträglich wie möglich gebaut werden. Die Biodiversität bleibe geschützt, und eine Enteignung von Privaten komme nicht infrage.
Dennoch gelte es zu beachten, dass die Verantwortung beim Kanton liege und der Gemeinderat über keinerlei Entscheidungshoheit verfüge.
Eine Anwohnerin, die auf dem Bachtel ein Waldstück besitzt, meinte freundlich, aber bestimmt: «Wir vermissen das Engagement des Gemeinderats ein wenig. Denn man muss die Nase vielleicht einmal in den Wind halten, um den Puls der Bevölkerung zu spüren.»
Dies will die Gemeinde in Form einer bald durchzuführenden Informationsveranstaltung tun. Schliesslich handelt es sich um eine zukunftsweisende Thematik mit emotionaler Sprengkraft.
Gute Finanzlage
Die Jahresrechnung löste hingegen keine Diskussionen aus. Diese schloss mit einem Aufwand von 72,3 Millionen Franken und einem Ertrag von 76,3 Millionen Franken. Daraus resultierte ein Ertragsüberschuss von rund 4 Millionen Franken (350'000 Franken budgetiert). Dieser sei mitunter auf den Minderaufwand bei den Sozialkosten von rund einer halben Million Franken sowie gute Steuererträge zurückzuführen.
«Der eingeschlagene Weg stimmt, und wir werden auch in der Zukunft in der Lage sein, unsere Investitionen selbst zu finanzieren», erklärte Finanzvorsteher Urs Cathrein (FDP). Dem pflichtete auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) bei. Die Versammlung segnete die Rechnung einstimmig ab.
