Glasfasernetz und Windräder sind spannender als die Traktanden
GV in Schlatt
Die Geschäfte haben die Schlatter an der Gemeindeversammlung schnell abgehandelt. Mehr zu reden gaben zwei grosse Projekte.
Es war wieder einmal eine kurze Sache: Bereits um 20.12 Uhr konnte der Schlatter Gemeindepräsident Urs Schäfer (parteilos) die obligate Rechtsmittelbelehrung nach der Gemeindeversammlung herunterlesen.
Im Schnellzugtempo und ohne Gegenstimme hatten die 24 anwesenden Stimmberechtigten die Rechnung 2022 und den Kreditantrag in Höhe von 665’000 Franken für die Strassensanierung Im Schüracher genehmigt.
Fragen gab es dazu keine. Die kamen erst, als der Gemeindepräsident zu den weiteren Punkten kam – zum Beispiel zur Information über schnelleres Internet. Im März hatten die Stimmberechtigten den Kredit von rund 4,5 Millionen Franken angenommen, damit die Gemeinde ein eigenes Glasfasernetz realisieren kann.
Erschliessung ist gratis
Kürzlich hat die Gemeinde Flugblätter in alle Haushalte verteilt. Bereits jetzt können Grundeigentümer den Vertrag für den Anschluss ans Netz unterzeichnen und einen Termin für eine Standortbegehung mit dem beauftragen Unternehmen vereinbaren.
«Die Ersterschliessung wird durch Steuergelder finanziert», betonte Schäfer. Es sei fürs Projekt wichtig, dass sich möglichst viele ans Netz anschliessen würden. Dieses soll bereits im Jahr 2025 alle Gemeindeteile mit schnellerem Internet versorgen.
Ein Anwesender hatte eine Frage, was mit den bisherigen Leitungen geschehe. «Die kann man weiterhin nutzen», erklärte Schäfer.
Ebenso wollte ein Stimmbürger eine Frage zu den Vertragsbedingungen stellen, die nun bereits verschickt wurden. «Können wir das gemeinsam noch anschauen?», warf daraufhin Gemeindeschreiber Peter Leemann ein. Das schien keine Frage fürs Plenum zu sein.
Viele offene Fragen bei Windrädern
Weniger euphorisch war Gemeindepräsident Schäfer beim nächsten Thema. Die Baudirektion prüft im Moment das Windpotenzial im ganzen Kanton. Auch beim Schauenberg und beim Nussberg gibt es Potenzialgebiete. Somit ist auch die Gemeinde Schlatt tangiert.
«Wir haben uns in einem Schreiben an die Baudirektion kritisch zum Vorhaben geäussert», erklärte Schäfer. Es gebe in diesem ganzen Projekt noch zu viele offene Fragen.
Wir werden dranbleiben.
Urs Schäfer (parteilos), Gemeindepräsident von Schlatt
So wollte beispielsweise der ehemalige Gemeinderat Karl Müller wissen, wie der Landerwerb bei einem solchen Projekt gehe. «Wenn man diese Frage beim Kanton stellt, weichen sie aus», führte Schäfer aus. Doch ihm sei bekannt, dass teilweise Firmen direkt auf Landeigentümer in Potenzialgebieten zugingen.
Der gesamte Gemeindevorstand hofft, dass die möglichen Schlatter Windräder im Herbst nicht in den Richtplan eingetragen werden. Der Gemeindepräsident betonte: «Wir werden dranbleiben.»
