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Politik

Sachwalter übernimmt Geschicke der Kirchgemeinde Zell

Ein Sachwalter muss die Aufgaben der Kirchenpflege Zell übernehmen. Wenig deutet auf eine schnelle Lösung hin.

Wenn es um die Stimmung in der Kirchgemeinde ginge, müssten über der Kirche dunkle Wolken zu sehen sein.

Foto: Bettina Schnider

Sachwalter übernimmt Geschicke der Kirchgemeinde Zell

Nach Rücktrittseklat

Mitte Mai sind alle Kirchenpfleger der Kirchgemeinde Zell zurückgetreten. Die Gemeinde verliert jetzt die Selbstverwaltung – nicht zum ersten Mal.

Mitte Mai kam es in der Katholischen Kirchgemeinde Zell zum Eklat: Die drei verbleibenden Kirchenpfleger teilten mit, dass sie ihren Rücktritt eingereicht hatten.

Sie begründeten ihren Entscheid unter anderem damit, dass zu viele Altlasten vorhanden seien und die Verantwortung zwischen Kirchenpflege und Pfarrei intransparent aufgeteilt sei.

Die Kirchgemeinde stand damit ohne Kirchenpflege da. Der Synoldalrat, die Exekutive der Zürcher Katholiken, hat wenige Tage später reagiert.

Sie hat Christian Schmid aus Hünenberg als provisorischen Sachwalter eingesetzt und der Kirchgemeinde das Recht auf Selbstverwaltung entzogen.

Pfarreileben sicherstellen

Schmid ist Geschäftsführer des Dienstleistungszentrums für Kirchgemeinden und war bis 2020 14 Jahre Kirchenpfleger in Kilchberg.

Wie auf der Website der Pfarrei St. Antonius steht, nimmt Schmid sämtliche Aufgaben und Befugnisse der Kirchenpflege Zell wahr, einschliesslich jener des Kirchenpflegepräsidenten.

Er ist zudem befugt, im Sinne einer gebundenen Ausgabe Aufgaben der Kirchenpflege und der Kirchgemeinde an Dritte zu übertragen, insbesondere in den Bereichen Finanzen und Liegenschaften.

Schmid trifft gemeinsam mit dem Pfarreibeauftragten Rolf Bezjak die nötigen Vorkehrungen, damit das Pfarreileben und der laufende Betrieb sichergestellt sind.

Der Sachwalter bleibt bisher zurückhaltend. «Als Sachwalter möchte ich mich zur gegenwärtigen Situation nicht äussern», sagt Schmid gegenüber dem katholischen Medienportal kath.ch.

Viele Rücktritte

Schmid ist nicht der erste Sachwalter in der Kirchgemeinde, zu der Katholikinnen und Katholiken aus Kollbrunn, Rikon, Schlatt, Kyburg und Weisslingen gehören.

Bereits 2019 hatte die Gemeinde die Selbstverwaltung verloren, nachdem die Kirchenpflege nach dem Rücktritt der Präsidentin nicht mehr beschlussfähig gewesen war.

Auch die neue Kirchenpflege, die im Frühjahr 2020 die Aufgaben übernahm, blieb nicht lange im Amt. Im Oktober 2021 trat sie in globo zurück. Grund dafür waren Spannungen mit der Rechnungsprüfungskommission (RPK).

Kirchgemeindeversammlung abgesagt

Daraufhin wurden mit Christian Palm als neuem Präsidenten und Roland Bischofberger zwei ehemalige RPK-Mitglieder in die Kirchenpflege gewählt.

Doch auch unter ihrer Führung kehrte keine Ruhe ein: So wurde das Budget 2023 erst im dritten Anlauf gutgeheissen.

Jetzt steht die Gemeinde wieder ohne Kirchenpflege da. Der Synodalrat scheint an keine schnelle, neue Lösung zu glauben.

Die Kirchgemeindeversammlung vom Juni wurde abgesagt. Gemäss kath.ch soll im Sommer ein definitiver Sachwalter gefunden werden.

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