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Wildberger Turner stossen Füsse an und fordern eine neue Halle

Tiefe Decke, keine Küche, alte Garderoben: Deshalb wollen die Wildberger Turner eine neue Halle.

Mit etwas Schwung bis an die Decke? Das sollte beim Ringturnen nicht passieren, kommt in Wildberg aber oft vor.

Foto: PD

Wildberger Turner stossen Füsse an und fordern eine neue Halle

Initiative eingereicht

Die Turnhalle in Wildberg ist nicht mehr in gutem Zustand. Auch die Gemeinde sieht den Handlungsbedarf. Die Frage ist: Zweckbau oder Rolls-Royce?

Der Turnverein Schalchen-Wildberg hat ein Problem: Er kämpft mit der vorhandenen Infrastruktur. Die Turnhalle in Wildberg ist veraltet.

Sie wurde 1967 gebaut. «Damals war es sicher eine super Halle», sagt Thomas Bosshard, Präsident des Turnvereins. «Heute fährt aber auch niemand mehr ein Auto aus dieser Zeit.»

Die Halle sei ausserdem viel zu klein und stark belegt. «Die Bevölkerung ist seit dem Bau um einiges gewachsen.»

Man hat die Halle zwar immer wieder sanft renoviert. Aber auch der «neue» Hallenboden ist laut Bosshard inzwischen 30 Jahre alt.

Gefährliches Ringturnen

Die Turner stört besonders, dass die Decke zu tief ist. «Wenn man an den Ringen turnt, kommt man immer wieder mit den Füssen an, das ist einfach gefährlich», moniert der Präsident. Das zeigen auch Videoaufnahmen aus der Halle.

Video: PD

Zu klein ist nicht nur die Turnhalle. Auch die Garderobengrösse ist nicht mehr angemessen. Hinzu kommt, dass die sanitären Anlagen veraltet sind. «Seit einigen Jahren haben wir Probleme mit dem warmen Wasser», sagt Bosshard.

Das stört nicht nur den Trainingsbetrieb des Turnvereins. Für Veranstaltungen wie die Fasnacht fehlt es an der nötigen Infrastruktur. Wie Bosshard erklärt, gibt es keine Küche, die funktioniert. Und auch Tische und Stühle sind «nicht mehr so im Schuss».

«Wir sind in der Vergangenheit schon oft wegen dieser Probleme bei der Gemeinde vorstellig geworden», versichert Bosshard. «Es hat nie jemand Nein gesagt.» Man habe die Einwände der Turner immer verstanden, aber nichts unternommen.

Gemeinde sieht Handlungsbedarf

Jetzt hat der Turnverein genug. Einige Mitglieder haben eine Initiative ausgearbeitet und diese im Februar der Gemeinde überreicht. 23 Einwohnerinnen und Einwohner machen sich dafür stark, dass die Gemeinde eine neue Mehrzweckhalle baut.

Muss die Turnhalle nur pragmatisch zweckmässig sein oder eben ein Rolls-Royce für alle und alles optimal?

Dölf Conrad (SVP), Gemeindepräsident von Wildberg

Der Gemeinderat hat die Initiative an seiner Sitzung Anfang Mai für gültig erklärt.

Laut Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) ist für die Gemeinde klar, dass die alte Halle saniert werden muss. «Das mit den heutigen Ansprüchen ist so eine Sache: Muss die Turnhalle nur pragmatisch zweckmässig sein oder eben ein Rolls-Royce für alle und alles optimal?», gibt er aber zu bedenken.

Conrad war bereits als Fünftklässler bei der Eröffnung der Halle beteiligt und war lange im Turnverein aktiv. «Ich kenne die Turnhalle bestens.»

Einziges Mehrzweckgebäude

Es sei dem Gemeinderat ein grosses Anliegen, dass alle Nutzer der Turnhalle eine gute Infrastruktur vorfänden. Das gelte für die Schule, alle Vereine und insbesondere den Turnverein.

Die Halle hat für die Gemeinde einen sehr hohen Stellenwert. Sie ist das einzige Mehrzweckgebäude in Wildberg, das eine grössere Besuchermenge aufnehmen kann.

Man sieht die Turnhalle in Wildberg von aussen.
Die Turnhalle in Wildberg ist das einzige grössere Mehrzweckgebäude in der Gemeinde – und ist über 55 Jahre alt.

Als Nächstes muss die Exekutive darüber entscheiden, ob sie das Vorhaben der Initianten unterstützt, ablehnt oder einen Gegenvorschlag ausarbeitet. Der Zeitplan für das weitere Vorgehen ist damit noch offen.

Auch Dölf Conrad lässt sich noch nicht in die Karten blicken: Eine Abwägung zwischen Totalsanierung und Neubau verlange sorgfältige und umfassende Abklärungen, die zeitaufwendig seien, erklärt er. «Man baut ja nicht ‹schnell› eine neue Mehrzweckhalle, so, wie man ‹schnell› einen neuen Rasenmäher für den Schulhausabwart besorgt.»

Gemeinde dankt den Initianten

Für den Turnverein ist aber klar, dass nur ein Neubau eine gute Lösung ist. «Die jetzige Belegung der Turnhalle lässt keinen Spielraum mehr zu», findet Präsident Bosshard.

Wir spüren bisher viel Goodwill.

Thomas Bosshard, Präsident Turnverein Schalchen-Wildberg

Deshalb braucht es aus seiner Sicht eine grössere Mehrzweckhalle. Nicht zuletzt, damit Platz für andere Sportvereine und die Wildberger Bevölkerung geschaffen werden kann.

Bosshard ist sich sicher, dass das Anliegen der Turnerinnen und Turner in der Bevölkerung grossen Rückhalt findet – trotz den möglichen hohen Kosten. «Wir spüren bisher viel Goodwill.»

Guten Willen zeigt auch der Gemeinderat. Man sei dankbar, dass die Turner ihr Anliegen eingebracht hätten, betont Gemeindepräsident Conrad. «So zeigt der demokratische Wille für ein solches Projekt sehr viel Wirkung, das dann vom Souverän abgesegnet wird.»

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