Rütner Gemeinderat will Taten sprechen lassen
«Trotz gewissen Anlaufschwierigkeiten ist der richtige Takt im neu zusammengesetzten Gemeinderat gefunden», erklärt die neue Rütner Gemeindepräsidentin Yvonne Bürgin (Die Mitte) an einer Medienorientierung. Es sei wie beim Rudern. Wenn jemand ausfalle oder jemand neues hinzukomme, müsse man zuerst justieren.
Ein Vorteil sei hingegen, dass bis auf ein neues Mitglied, alle bereits Erfahrung in einer Behörde mitbrachten. Vier der sechs neuen Mitglieder waren in der Schulpflege, eines in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) und nur eines verfügt über keinerlei Behördenerfahrung. «Die Schulpflege scheint offenbar als Karrierekick dienlich zu sein», scherzt Bürgin.
Gelungener Start
Insgesamt resümieren beinahe alle Gemeinderatsmitglieder, dass der Start in ihren jeweiligen Ämtern geglückt sei und dank ihren jeweiligen Vorgängerinnen und Vorgängern eine saubere Übergabe vollzogen werden konnte. Auch hätten alle ihr gewünschtes Ressort bekommen.
«Ich bin darauf bedacht, die herrschende Mentalität zu durchbrechen.»
Bruno Rüegg (GLP), Finanzvorsteher
Was die Abläufe und die Zusammenarbeit betrifft, so äussert sich lediglich der Finanzvorsteher Bruno Rüegg (GLP) dezidiert negativ: «Als Unternehmer bin ich mir in vielerlei Hinsicht eine andere Arbeitsweise gewohnt.»
Rüegg sieht Probleme und viel Verbesserungsbedarf in Abläufen der Behördenarbeit. In gewissen Bereichen fehlt ihm die Orientierung und das Bewusstsein, dass man die Bevölkerung mehr einbeziehen müsse.
«Ich bin darauf bedacht, die herrschende Mentalität zu durchbrechen», sagt Rüegg. Von einer Dienstleistungskultur wie er sie sich wünsche, sei Rüti noch weit entfernt. Dafür stimmen ihn die Finanzen positiv. Als Finanzvorsteher hofft er, dass die Bevölkerung an der kommenden Gemeindeversammlung vom 12. Dezember der vorgeschlagenen Steuerfusssenkung um zwei Prozentpunkte zustimmt.
Besser Kommunizieren
Insgesamt betrachtet der gesamte Rütner Gemeinderat die Verbesserung der Kommunikation als ein vordringliches Ziel der laufenden Legislatur. «Wir wollen verständlicher und für die Bevölkerung greifbarer werden», erklärt die Gemeindepräsidentin. Auch deshalb hat die Gemeinde den Kommunikationsfachmann Christoph Zuppinger engagiert.
Mit der neuen Gemeinde-Website wurde ein grosser Schritt in die richtige Richtung getan. Weiter möchte der Gemeinderat die Präsenz auf Social-Media-Kanälen erweitern und versuchen, in allen Bereichen eine möglichst verständliche Sprache zu benutzen, um auch Ausländer vermehrt anzusprechen.
«Sorgenkind» Energieversorgung
Von unvorhersehbaren Faktoren wie der Energiekrise ist Roger Hess (Die Mitte) als Vorsteher für die Gemeindewerke betroffen. Deshalb steht er etwas mehr als andere Gemeinderatsmitglieder im Fokus der Öffentlichkeit.
Das Thema Energie ist derzeit in aller Munde und in Rüti wird der Strom im kommenden Jahr erstmals nach zehn Jahren teurer. Eine Familienhaushalt wird künftig mit 300 Franken Mehrkosten pro Jahr rechnen müssen. «Wir müssen zwingend in die Zukunft blicken und bereits jetzt Vorkehrungen treffen», erklärt Hess.
Zwar können 70 Prozent der Wasserversorgung in Rüti von den Gemeindewerken abgedeckt werden, doch auch dies benötigt Energie. «Eine Option wäre, dass wir künftig die Fernwärme von der Abwasserreinigungsanlage (ARA) beziehen.»
Weiter ist der Fernwärmeverbund mit der Kezo geplant, wobei diesbezüglich noch vieles in den Sternen steht und wohl erst in zehn Jahren mit dieser alternativen Energieversorgung zu rechnen ist. «In Rüti gibt es viele Einfamilienhäuser, weshalb wir dringend umdenken müssen», so Hess.
Bildung und Schulraum
Als einen weiteren Brocken für die Zukunft nennen der Schulpflegepräsident Stephan Müller (FDP) und der Bauvorsteher Peter Weidinger (Die Mitte) die Schulraumplanung. «Für mich hat sich als bisheriges Gemeinderatsmitglied nicht viel und dennoch viel geändert», meint Weidinger.
Als Einheitsgemeinde gäbe es mehr Schwerpunkte, zu denen die Schulraumplanung gehöre. «Es ist ein dringliches Thema, da die Bevölkerung wächst und damit auch die Schüler- und Klassenzahlen steigen.»
«90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Rüti sind noch immer dabei.»
Stephan Müller (FDP), Schulpflegepräsident
Für Stephan Müller steht dabei weniger die Frage wo, sondern wie man künftig Schule gibt und welche Anpassungen die Zukunft vom Bildungssystem verlangt im Vordergrund. «Die Anforderungen ändern sich ständig, weshalb auch wir wie andere Gemeinden eine Leitung Bildung einstellen möchten», erklärt Müller.
Die Stelle müsse von einer Integrationsfigur besetzt werden, wobei er sich durchaus eine interne Kandidatur vorstellen kann. Was die Lehrpersonen betrifft, verweist er darauf, dass die Fluktuation geringer als in anderen Gemeinden ist. «Wenn wir auf die letzten fünf Jahre blicken, so sind 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Rüti noch immer dabei.»
Räumliche Entwicklung
Bezüglich der räumlichen Gestaltung der Gemeinde soll sich in Rüti in den nächsten Jahren einiges bewegen. Zum einen gilt es den Richtplan voranzutreiben, zum anderen steht die Revision des Bau- und Zonenordnung auf dem Programm.
Das ehemalige Kreisspital wird an Rüti verkauft
25.09.2022

Zweckverband aufgelöst
Bubikon, Dürnten, Hinwil, Hombrechtikon und Rüti haben an der Urne grünes Licht zum Verkauf des e Beitrag in Merkliste speichern Zudem gilt es die Frage zu klären, wie es mit dem alten Spitalareal weitergeht, das sich ab dem 1. Januar 2023 nach der Auflösung des Zweckverbands im alleinigen Besitz der Gemeinde Rüti befindet. «Derzeit beschäftigen wir uns damit, was wir auf dem Areal entstehen lassen und was wir so beibehalten können», sagt Bauvorsteher Müller.
Ihm schwebt derzeit die Erhaltung der Freihaltezone beim Garten der Sinne und eventuell eine ergänzende Wohnnutzung vor. Ende 2023 soll die Bevölkerung über die genauen Pläne informiert werden.
Die Gemeinde Rüti hat ihr Kommunikationskonzept per 1. November 2022 überarbeitet und aktuellen Gegebenheiten angepasst. Es berücksichtigt Entwicklungen bei den Medien und bei der Art, wie sich die Bevölkerung informiert und die Medien nutzt. Neu regelt es auch die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter und Inklusionsanliegen. Rüti übernimmt die eidgenössischen Leitlinien bei der sprachlichen Gleichbehandlung der Geschlechter. Damit wendet die Gemeinde Rüti die gleichen Regeln wie der Kanton Zürich an. Das bedeutet, dass Rüti bei Texten entweder Paarformen, neutrale Bezeichnungen oder Umschreibungen verwendet und allfällige Texte Dritter so verfassen lässt. Es bedeutet auch, dass spezielle Zeichen oder Schreibweisen wie Genderstern, Gender-Doppelpunkt, Gender-Gap oder Binnen-I nicht zugelassen sind.
