So will der Kanton die Töss in Wila umgestalten
Hochwasserschutz und Revitalisierung
Die Baudirektion hat den Projektentwurf für den Hochwasserschutz und die Revitalisierung der Töss in Wila vorgestellt. Auch die Gemeinde will jetzt beim umstrittenen Thema vorwärtsmachen.
Weniger ist mehr: so zumindest beim Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt der Töss in Wila. Nach mehreren möglichen Varianten – Mini, Midi und Maxi – steht nun der Favorit fest.
«Wir wollen die Eingriffe in Grundstücke und den Verlust von Landwirtschaftsland möglichst minimieren», erklärt Projektleiterin Simone Messner vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Dies sei ein grosses Anliegen der Wilemer Bevölkerung. Der Projektentwurf orientiert sich deshalb stark an der Mini-Variante, dem kleinstmöglichen Eingriff.
Der Flusslauf ändert sich
Konkret sieht sie vor, dass die Töss mehr Platz erhält und verbreitert wird. «So kann sie auch grössere Hochwasser besser ableiten», erklärt Messner. Um das zu erreichen, sollen der Damm und andere Verbauungen entfernt werden. Die Töss wird dann keinen geraden und kanalisierten Flusslauf mehr haben.
Je nach Wasserstand würde sich dieser künftig verändern. «Bei wenig Wasser würde dieses durch eine natürliche Niederwasserrinne fliessen», sagt Messner. So soll es weniger schnell versickern.

Doch auch die revitalisierte Töss würde regelmässig austrocknen. Das sei das natürliche Phänomen der Tösswasserversickerung, betont die Projektleiterin. «Mit der neuen Gestaltung werden sich die Bedingungen für Pflanzen und Tiere auch bei Trockenheit verbessern», versichert sie.
Auenwald überfluten
Ebenso ist geplant, dass der Auenwald Würbel wieder an die Töss angeschlossen wird. Als man die Töss Ende des 19. Jahrhunderts kanalisierte, wurde dieser vom Fluss abgeschnitten. «Normalerweise müsste ein Auenwald regelmässig überflutet werden», sagt Messner.
Die naturnah gestaltete Töss soll aber nicht nur besser vor Hochwasser schützen und mehr Raum für Tiere und Pflanzen bieten, auch die Bevölkerung kann davon profitieren. «Wir wollen auch die Naherholung aufwerten», sagt Messner, «ohne dabei einen Massentourismus zu fördern.»
Von einer zusätzlichen Feuerstelle bis zum Beachvolleyballfeld sei vieles möglich. «Wir wollen auch hier die Bevölkerung miteinbeziehen», betont sie. Aus diesem Grund führt die Baudirektion in Abstimmung mit der Gemeinde bis Ende November eine Online-Umfrage über die Naherholung und Landschaftsgestaltung durch.
Auch wenn jetzt die Bestvariante feststeht: Ein konkretes Bauprojekt ist das noch lange nicht. Als Nächstes wird das Vorprojekt ausgearbeitet, erst danach das eigentliche Bauprojekt – das wiederum bewilligt werden muss.
Es sind noch viele Detailfragen zu klären. Auch was die Kosten anbelangt. «Diese liegen vermutlich im Rahmen von fünf bis zehn Millionen Franken», sagt Matthias Oplatka, Leiter der Sektion Bau. Erst im Rahmen des Vorprojekts kann eine erste fundierte Schätzung vorgenommen werden.
«Sportlicher Zeitplan»
Und wann sollen die Bauarbeiten beginnen? «Wir haben einen sportlichen Zeitplan», sagt Oplatka. Bis Mitte 2025 soll bestenfalls die Bewilligung vorliegen, sodass die Bauarbeiten ein Jahr später starten können. Dabei sind immer wieder Verzögerungen möglich, auch durch Rekurse.
Aus der begradigten und kanalisierten Töss soll ein naturnaher Fluss werden. Dafür muss der Kanton Land erwerben. Grafik: PD
In Wila regen sich nämlich schon länger Widerstand und Skepsis gegen das Vorhaben des Kantons. Im Herbst 2021 hat eine Gruppierung aus Landbesitzern und -bewirtschaftern, Anwohnenden sowie anderen Vertretern eine Petition mit 126 Unterschriften beim Gemeinderat eingereicht.
Die Unterzeichnenden befürchten, dass die Bevölkerung zu wenig involviert ist und vor vollende Tatsachen gestellt werden könnte. Das Awel sieht das anders. «Wir waren immer im Gespräch mit dem Gemeinderat, der Begleitgruppe und der Bevölkerung», meint Oplatka. Es habe diverse Workshops und Treffen gegeben.
Er ist deshalb zuversichtlich, dass der Kanton mit betroffenen Landbesitzern eine Einigung erzielen kann. Denn so viel ist bereits jetzt klar: «Auch die Töss braucht etwas Land.»
Der Kanton muss dieses erwerben, damit er das Projekt umsetzen kann. Um wie viel Fläche es dabei geht, kann Oplatka aber noch nicht sagen. «Auch das können wir erst im Rahmen des Vorprojekts klären.»
Der Gemeinderat zeigt sich auch zuversichtlich: «Der Start war etwas harzig», meint Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte), «aber wir denken, dass das Projekt sich in eine gute Richtung entwickelt hat.» Er begrüsst, dass die breite Bevölkerung sehr früh in die Planung involviert wurde. «Das ist bei einem so grossen Projekt sehr wichtig.»
Neuer Plan für den Huebbach
Der Gemeinderat will aber auch Synergien mit dem Kanton nutzen, um das Hochwasserschutzprojekt beim Huebbach umzusetzen. Dieser mündet in die Töss.
Über den Huebbach wird in Wila seit Jahren diskutiert. Bisher existiert ein Vorprojekt aus dem Jahr 2016 für eine Verlegung des Bachs. Nun will der Gemeinderat in der kommenden Legislatur Nägel mit Köpfen machen und ein Bauprojekt ausarbeiten.
Und er stellt eine weitere Möglichkeit in den Raum: einen Vollausbau, also eine Vergrösserung des Bachlaufs. «Wir haben beschlossen, auch dafür ein Vorprojekt ausarbeiten zu lassen», erklärt die zuständige Gemeinderätin Maya Berwert (SVP).
Urnenabstimmung nötig
Man werde die beiden Varianten prüfen. Doch auch hier soll die Bevölkerung vorgängig mitreden können. «Wir werden voraussichtlich nächsten Frühling eine Online-Umfrage durchführen», sagt Gemeindepräsident Mösch.
Berwert und Mösch sind überzeugt, dass auch beim Huebbach eine Lösung gefunden werden kann, die die Betroffenen zufriedenstellt. Schliesslich sind beide Gemeinderäte selbst betroffen, wohnen sie doch am besagten Bach. «Deshalb sind wir uns dieser Thematik sehr bewusst», betont Mösch.
Im Gegensatz zum Töss-Projekt des Kantons dürfen sich zum Huebbach ohnehin noch alle Wilemer Stimmberechtigten äussern. Es wird eine Urnenabstimmung geben. Bei einem Vollausbau könnte diese bereits 2024 stattfinden.
