Töss-Projekt des Kantons zieht Wilemer in Scharen an
Mini, Midi, oder Maxi? Diese drei Varianten für die Töss-Revitalisierung und den Hochwasserschutz in Wila standen bisher im Raum. Und sie sorgten in den vergangenen zwei Jahren für zahlreiche Gerüchte. Jetzt herrscht endlich Klarheit: Der Projektentwurf ist fertig.
Das Töss-Projekt bewegt die Wilemer. Das zeigte sich am Donnerstagabend im Saal des Primarschulhauses Eichhalde. Der Kanton hat die Bevölkerung deshalb zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.
Kleinstmöglicher Eingriff
Weit über 100 Personen waren gekommen, um Informationen aus erster Hand zu erhalten. Es mussten sogar noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden.
Projektleiterin Simone Messner vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) präsentierte den Anwesenden den Projektentwurf. Dieser orientiere sich stark an der Mini-Variante, also dem kleinstmöglichen Eingriff, sagte sie.
Mini, Midi, Maxi –>


Das waren die drei Varianten des Töss-Projekts: Mini, Midi und Maxi. Die Bestvariante orientiert sich an Mini. Grafik: PD
Vor allem der Verlust von Landwirtschaftsland soll möglichst gering gehalten werden. Das sei beim Variantenstudium ein grosses Anliegen der Bevölkerung gewesen.
Die Töss in Wila erhält mehr Platz und kann so auch grössere Hochwasser ableiten. Um das zu erreichen, sollen Dämme und andere Verbauungen entfernt werden.
Die Töss wird dann keinen geraden und kanalisierten Flusslauf mehr haben. Gleichzeitig wird der Fluss wieder naturnaher gestaltet und kann so wieder zum attraktiven Lebensraum für Tiere und Pflanzen werden.
In einem nächsten Schritt wird der Kanton das Vorprojekt ausarbeiten. Kann der Zeitplan eingehalten werden, könnten die Bauarbeiten 2026 beginnen. (bes)
Nach der Vorstellung des Projekts durften die Anwesenden Fragen stellen. Eine Teilnehmerin wollte etwas wissen, das wohl vielen Wilemerinnen und Wilemern auf der Zunge brannte. Wieso die Revitalisierung genau in ihrem Dorf? «Zwischen Saland und Wila wäre es ebenfalls möglich, und dort hat es freies Land», sagte sie.
Darauf erwiderte Simone Messner, dass auch eine Revitalisierung im Gebiet Toniwald möglich und angedacht ist. «Aber in Wila geht es auch um den Hochwasserschutz», sagte sie.
Darüber hinaus habe sich die Zusammenarbeit mit der Gemeinde beim Projekt Huebbach gegeben, den die Gemeinde hochwassersicher ausbauen will. Dieser mündet in die Töss.
Zugang bleibt möglich
Bei einigen Fragen zeigte sich aber, dass es noch zu früh ist für konkrete Antworten. So wollte ein Teilnehmer wissen, wie breit der Korridor ist, den die Töss erhält. «Auf dem Plan kann ich es zwar etwa abschätzen», sagte er. Aber er wolle es genau wissen.


Aus der begradigten und kanalisierten Töss soll ein naturnaher Fluss werden. Grafik: PD
Messner erwiderte, dass der Streifen zwischen 80 und 105 Meter breit ist. Doch der genaue Plan könne erst in einem späteren Projektschritt erstellt werden. Auch die Kosten, im Rahmen zwischen fünf und zehn Millionen Franken, können erst dann genauer abgeschätzt werden.
Der Kanton hat aber die Absicht, dass auch die revitalisierte Töss weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich ist. «Wir wollen keinen Zaun um das revitalisierte Gebiet und auch der Würbel soll weiterhin zugänglich sein», erläuterte Matthias Oplatka, Leiter der Sektion Bau beim Awel.
Der Auenwald soll nämlich wieder an die Töss angeschlossen werden, damit er bei hohem Wasserstand überflutet werden kann. Heute trennt ihn der Damm vom Fluss.
Überrascht von Behörde
Auch wenn zahlreiche Fragen gestellt wurden, lange Diskussionen blieben am Infoabend aus. Das scheint auf den ersten Blick überraschend, regt sich doch in Wila schon länger Widerstand gegen das Projekt des Kantons.
«Ich bin erstaunt und überrascht, wie vernünftig die Behörde geworden ist.»
Teilnehmer an Infoveranstaltung
Im Herbst 2021 hatte beispielsweise eine Gruppierung aus Landbesitzern und -bewirtschaftern, Anwohnenden sowie weiteren Personen eine Petition mit 126 Unterschriften beim Gemeinderat eingereicht. Sie befürchteten, dass sie voll vollende Tatsachen gestellt werden könnten, da die breite Bevölkerung zu wenig in das Vorhaben involviert sei.
Das scheint bei einigen nicht mehr der Fall zu sein: «Ich bin erstaunt und überrascht, wie vernünftig die Behörde geworden ist», sagte ein Anwesender. Es sei richtig, die kleinstmögliche Variante umzusetzen.
Mehr Freiräume für Jugendliche?
Gleichzeitig warnte er davor, mehr Erholungsraum für Jugendliche an der Töss zu gestalten. Eine Sek-Schülerin hatte nämlich in der Begleitgruppe den Vorschlag eingebracht, ein Volleyballfeld oder eine weitere Feuerstelle zu bauen.
Von solchen Vorschlägen wolle er nichts wissen: «Sonst muss Wila zwei zusätzliche Gemeindearbeiter einstellen, um aufzuräumen.» Daraufhin erwiderte ein an anderer Anwesender später, dass es falsch sei, die Jugendlichen vom Projekt auszuschliessen. «Sonst zeigen sie uns dann, wozu sie fähig sind.»
Das letzte Wort ist ohnehin noch nicht gesprochen: Über die Naherholung und Landschaftsgestaltung führt der Kanton in Abstimmung mit der Gemeinde bis Ende November eine Online-Umfrage durch.
