Im Rahmen Ihrer Maturaarbeit haben Sie die «Fernwärme-Initiative» ausgearbeitet. Jetzt hat die Stadt Wetzikon einen Umsetzungsvorschlag für das Projekt präsentiert. Sind Sie damit zufrieden?
Benjamin Walder: Ja, das bin ich mehrheitlich. Interessant finde ich, dass wir damals unsere Initiative zugunsten des Gegenvorschlages zurückgezogen haben. Doch jetzt entspricht der Zeitplan trotzdem jenem unserer Initiative. Der Stadtrat hat innert zweier Jahre ein Projekt ausgearbeitet. Das ist sicher der aktuellen Lage am Energiemarkt zu verdanken. Auch wir hatten bereits mit der Abhängigkeit vom Ausland bei Erdöl und Gas argumentiert. Aber sie war und ist nicht mein Hauptargument, die Fernwärme der Kezo zu nutzen.
Sondern?
Die Verschwendung von Energie. So viel verpufft im wahrsten Sinne des Wortes, anstatt dass wir sie nutzen. Ich wollte etwas auf die Beine stellen, das nicht einfach wie viele andere Schularbeiten wieder in der Schublade verschwindet. Und jetzt zeigt sich, dass die Fernwärme nicht nur für Wetzikon, sondern auch für weitere Gemeinden reicht.
«Fernwärme-Initiative»
Im November 2020 haben die Wetziker Stimmbürger den Gegenvorschlag einer Fachkommission zur «Fernwärme-Initiative» mit knapp 86 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Ihren Ursprung hat die Vorlage in der Maturaarbeit vom heutigen Kantonsrat Benjamin Walder (Grüne). Diese mündete in der Initiative, die 2018 eingereicht wurde. Anfang Oktober hat der Stadtrat seinen Umsetzungsvorschlag präsentiert. Der Rahmenkredit, welchen er dem Parlament beantragt, beträgt 80 Millionen Franken. Gleichzeitig arbeitet Wetzikon mit sechs weiteren Gemeinden Uster. Pfäffikon, Hinwil, Rüti, Dürnten und Bubikon zusammen, die ebenfalls Fernwärme der Kezo nutzen wollen. (bes)
Die Fernwärme der Kezo zu nutzen, heisst aber auch, dass in Zukunft weiterhin Abfall verbrannt wird. Sollten Sie als Grüner nicht die Reduzierung des Abfalls befürworten?
Das tue ich auch. Erst kürzlich wurde der Gegenvorschlag zur Kreislauf-Initiative im Kanton Zürich angenommen. Wir brauchen eine ressourcenschonende Wirtschaft. Doch Studien belegen, dass die Abfallmenge bis zirka 2050 gleich bleiben wird, da die Bevölkerung weiterhin wächst. Und wenn wir schon Abfall produzieren und verbrennen, sollen wir die entstehende Wärme auch nutzen. Beim Neubau der Kezo wird ohnehin weniger Abfall verbrannt, nämlich nur noch 120'000 statt 190'000 Tonnen pro Jahr. Die Energie kann aber trotzdem effizienter genutzt werden.

