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Schwerzenbacher bekommen ihr Restaurant zurück

Es sah zwischenzeitlich schlecht aus für das Restaurant Schwanen an prominenter Lage in Schwerzenbach. Wegen Bauhürden und Bürokratie hätte es fast für immer seine Tore geschlossen. Erst der Vollbrand vor mehr als einem Jahr änderte die Lage.

Eigentümer Urs Räbsamen (links) und Bauleiter Vion Arifi vor der neuen Fassade des Restaurants Schwanen., Noch wird jedoch im Inneren des Restaurants kräftig saniert., Auch die Wohnungen in den oberen Stöcken befinden sich noch im Bau.

Fotos: Philipp Gämperli

Schwerzenbacher bekommen ihr Restaurant zurück

Überall liegen Bautrümmer. Es riecht nach trocknendem Beton. Auf dem Vorplatz werden Pflastersteine gelegt. Ein Bauarbeiter streicht den Zement geschmeidig flach.

Eineinhalb Jahre ist der Brand des Restaurants Schwanen in Schwerzenbach her, nun laufen die Wiederaufbauarbeiten. Das Gebäude sieht aus wie zuvor, nur neuer. Zumindest von aussen.

Am 18. April 2021 zerstörte das Feuer das denkmalgeschützte Gebäude komplett. Der Grund war eine überhitzte Fritteuse in der Gastroküche. Nur die Grundmauern blieben bestehen. Für Eigentümer Urs Räbsamen ein herber Schlag, aber gleichzeitig ein Glücksfall. «Ohne den Brand gäbe es heute kein Restaurant mehr.»

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… und so sieht das Gebäude heute aus.

2015 kaufte Räbsamen die Liegenschaft neben der reformierten Kirche. Das Gebäude wies bereits damals erhebliche Mängel auf. Aus diesem Grund reichte er 2017 ein Baugesuch für die Sanierung ein. Das Restaurant, in dem eine Pizzeria war, sollte erhalten bleiben. Doch eben genau das war der Knackpunkt.

«Wir hätten zu wenig Parkplätze», habe es von Seiten der Gemeinde geheissen. Somit wurde das Gesuch nicht bewilligt. «Dieser Entscheid sorgte für viel Frustration», sagt Räbsamen. Dennoch liess er nicht locker und versuchte mehr Parkplätze zu installieren.

Er wollte eine Tiefgarage mit Fahrzeuglift bauen, damit Schwerzenbach sein Restaurant behalten könnte. Doch die Wände wären zu nahe an das Fundament der benachbarten Kirchenmauer gekommen, die ebenfalls unter Denkmalschutz steht.

«Ich dachte, das war es.»
Urs Räbsamen, Eigentümer Rest. Schwanen

Egal welche Anstrengungen er unternahm, um das Restaurant zu retten, sie alle scheiterten. «Die Bürokratie im Bauwesen ist wahnsinnig rigide», sagt Räbsamen.

Als es mit der Bewilligung für ein Restaurant düster aussah, reichte Räbsamen 2019 ein Gesuch für ein Wohnhaus ein. Dieses wurde bewilligt. «Ich dachte, das war es.» Doch der Brand änderte die Sachlage.

Glück im Unglück

Die Erneuerungsarbeiten an der Fassade und dem Dach waren bereits abgeschlossen, als das Feuer am 19. April 2021 ausbrach und das Gebäude komplett abbrannte. Verletzt wurde niemand. «Das brachte mich an meine Grenzen mit dem Vorhaben», sagt der Bauherr.

Ans Aufgeben dachte er jedoch nicht. Er gab auf Hinweis einer Person erneut das Gesuch für das Restaurant ein. Und dieses Mal wurde es bewilligt – ohne die Anzahl Parkplätze vergrössert zu haben.

Der Grund dafür liegt in der neuen Parkplatzverordnung, sagt die zuständige Gemeinderätin Esther Borra (parteilos). Diese wurde genau in dieser Zeit revidiert. « Die Parkplatzanzahl ist zwar immer noch knapp, kann jedoch so bewilligt werden. »

Sie sowie der gesamte Gemeinderat stehe hinter dem Vorhaben. «Ich bewundere seinen Durchhaltewillen», sagt sie über den Eigentümer. Ein Restaurant an diesem zentralen Ort zu haben, sei sehr erstrebenswert und belebt das Dorf.

Auch Räbsamen liegt das Projekt am Herzen. Er nimmt auch die hohen Kosten von rund fünf Millionen Franken auf sich. Ein Betrag, der um einen fünftel kleiner wäre, wenn er ausschliesslich Wohnungen gebaut hätte. Auf die Frage, warum er dennoch ein Restaurant baute, sagt er: «Es verbindet die Leute und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht.»

Wohnungen wären profitabler

Er habe schon viele Leute angetroffen, die ihn nach dem Stand der Dinge fragten, wann das Restaurant wieder öffne oder wie schön es sei, dass er das mache. «Stünde der Profit im Vordergrund, hätte ich Wohnungen gebaut.»

Räbsamen will, dass der «Schwanen» wieder aussieht wie vor dem Feuer. «Was gerettet werden kann, soll auch gerettet werden», hiess das Motto.

In der Ecke im Restaurant sind noch die alten Balken mit einer Inschrift zu sehen «Trink und iss, sing frohe Lieder, wohl bekomms und kehre wieder». Sie müssen jedoch aus Brandschutzgründen entfernt werden. «Alles kann leider nicht gerettet werden», sagt Bauleiter Vion Arifi. Aber man orientiere sich beim Neubau auf das Vergangene.

Im Innenleben wird sich einzig die Küche ändern. In Zukunft gebe es je einen Raum für kalte und warme Küche, sagt Arifi. Im Innenraum für die Gäste ist wie früher eine Holzbank entlang der Wand vorgesehen. Auch die Holzverkleidung der Wände soll wieder her.

Wer das Restaurant, wie die meisten Schwerzenbacherinnen und Schwerzenbacher, durch den Vordereingang betritt, wird von einem historischen Kachelofen begrüsst. Den habe man vom Bauteillager der Denkmalpflege Zürich bekommen, sagt Arifi. Der Ofen soll für Charme im Restaurant sorgen und kann bei Bedarf betrieben werden.

Wohnungen stellen die Grundfinanzierung sicher

Im Frühling soll 2023 das Restaurant unter dem alten Namen «Restaurant Schwanen» eröffnet werden. Einen Wirt gibt es auch schon. Er wirtet im Restaurant Gaucho in Zürich und Rössli in Aesch ZH. Arifi und Räbsamen sagen: «Wir freuen uns, den Leuten bald zu zeigen, was wir gemacht haben.»

Um die Effekte der volatilen Gastro-Branche abzufedern und eine gewisse Grundfinanzierung sicherzustellen, baut Räbsamen sechs Wohnungen über dem Restaurant. «Restaurants alleine sind nicht rentabel.» Er tat es bei mehreren anderen Restaurants gleich, die ohne ihn für immer ihre Türen hätten schliessen müssen. So zum Beispiel auch der Hecht in Dübendorf.

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