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Im Einfraubetrieb brennt sie 2000 Liter Schnaps

Seit zehn Jahren betreibt Elvira Müller-Ziegler die familieneigene Distillerie Heimat in Bauma. Privat zieht sie dem Schnaps aber den Rotwein vor.

Elvira Müller-Ziegler in ihrer Distillerie Heimat im Baumer Weiler Seewadel., Müller-Ziegler ist die vierte Generation, die im Seewadel Schnaps brennt. , Aktuell gären die Früchte in den Fässern. Die ganze Destillerie ist im Moment vollgestellt.

Fotos: Seraina Boner

Im Einfraubetrieb brennt sie 2000 Liter Schnaps

Noch hat die Schnapsbrennerin Elvira Müller-Ziegler nicht sonderlich viel zu tun. Beim Brennhafen in ihrer Distillerie Heimat im Baumer Weiler Seewadel stehen im Moment in aller Ruhe jede Menge blauer Kunststofffässer herum.

«Seit dem Spätsommer gären hier die Früchte. Erst Anfang November kann ich mit dem Brennen beginnen», erklärt die 47-Jährige.

Dann wird es mit der Ruhe freilich vorbei sein: Bis im März wird sie anschliessend täglich am Brennhafen in der Destillerie stehen.

In der vierten Generation

Elvira Müller-Ziegler ist praktisch in der «Heimat» gross geworden. «Ich habe schon als Kind extrem viel Zeit hier verbracht», erinnert sie sich. Sie hatte ihrem Vater jeweils beim Vorbereiten der Früchte geholfen und ihm beim Brennen über die Schultern geschaut. 

Vor zehn Jahren hat sie schliesslich den Betrieb übernommen. «Bereits vorher habe ich ihm geholfen und meine ersten eigenen Schnapskreationen gebrannt.»

Auf dem Foto sieht man einen Brennhafen.

Müller-Ziegler führt die Brennerei inzwischen in vierter Generation. Die Produktion hat sie in den letzten Jahren stetig gesteigert. Da ihre beiden Töchter älter und selbstständiger wurden, konnte sie mehr Zeit in der Destillerie verbringen.

Heute stellt sie jährlich gut 1500 Liter Schnaps aus 15 Tonnen Früchten her. Diese bezieht sie überwiegend von Lieferanten aus der Ostschweiz. Einzig die Kirschen kommen aus dem Kanton Schwyz. Dazu kommen noch 500 Liter Kräuterschnaps, der aus 12’000 Litern vergärtem Birnensaft hergestellt wird.

Kein Hobby mehr

Bevor die Früchte im Fass zur Gärung landen, müssen faule Stellen oder Fliegen herausgeschnitten werden. Anschliessend werden sie von einer Maschine gequetscht, wobei die sogenannte Maische entsteht – das Ausgangsprodukt für die Gärung.

Ihren Betrieb stemmt Müller-Ziegler grösstenteils alleine. «Einzig im Sommer erhalte ich beim ‹Schnetzeln› der Früchte viel Hilfe von der Familie.»

«Es ist in der Zwischenzeit aber meine Hauptbeschäftigung, als Hobby würde ich diese Arbeit nicht mehr bezeichnen.»
Elvira Müller-Ziegler, Schnapsbrennerin 

Ihre beiden Töchter, ihr Mann und weitere Verwandte packen fleissig an. Anders könnte sie die grosse Menge an Obst gar nicht verarbeiten.

Wie viele Stunden sie insgesamt in der «Heimat» verbringt, kann sie nicht abschätzen: «Es ist in der Zwischenzeit aber meine Hauptbeschäftigung, als Hobby würde ich diese Arbeit nicht mehr bezeichnen.»

Streng geheime Kräutermischung

Das beliebteste Produkt in ihrem Angebot ist der «Heimat Chrüter», ein Kräuterschnaps. «Dieser wird nach einem alten Familienrezept hergestellt», erklärt sie. Ihr Grossvater habe einst mit dem Dorfapotheker Trümpy die geheime Kräutermischung formuliert.

«Sie ist bis heute gleichgeblieben», sagt Müller-Ziegler. Man hört den Stolz. Die Zutatenliste ist streng geheim: «Die hüten wir wie die Appenzeller das Rezept für ihren Käse.»

Doch Müller-Ziegler brennt natürlich nicht nur nach Rezepten ihrer Vorfahren. Sie hat in den letzten Jahren auch neue, eigene Produkte kreiert. Dazu gehört etwa ihr Williams, ein Schnaps hergestellt aus den gleichnamigen Birnen.

Dieser kommt bei der Kundschaft an: Hatte sie vor zehn Jahren noch mit zwei Tonnen Birnen angefangen, sind es heute stattliche sechseinhalb Tonnen, die Müller-Ziegler gärt und dann brennt.

Keine Angestellte

Ihre Brände vertreibt Müller-Ziegler grösstenteils im Laden ihrer Destillerie, der an zwei Nachmittage pro Woche und am letzten Samstag im Monat geöffnet hat.

Auf dem Foto sieht man eine blonde Frau mit blauer Jacke, die eine Box gefüllt mit Schnapsflaschen in den Händen hält.

Sie schätzt den Umgang mit ihren Kundinnen und Kunden vor Ort: «Einige kenne ich schon seit Jahren, aber es kommen auch immer wieder neue hinzu», freut sie sich.Zwar hat sie auch einen Online-Shop. Der Umsatz dort ist aber überschaubar. 

Ein weiteres Wachstum strebt Müller-Ziegler sowieso nicht an. In der aktuellen Grösse sei die Produktion noch alleine stemmbar, und Angestellte wolle sie keine. «Das wäre dann einfach nicht mehr dasselbe», findet sie.

Rotwein statt Schnaps

Unterstützung erhält sie aber weiterhin von ihrer Familie. «Mein Mann war zu Beginn etwas skeptisch, was meinen Perfektionismus anbelangt», sagt Müller-Ziegler lachend. Heute habe er sich mit der Situation abgefunden und sei sehr stolz auf seine Frau.

«Brände werden mit der Zeit immer besser.»
Elvira Müller-Ziegler 

So habe er sich auch dafür eingesetzt, dass vor einigen Jahren einen Teil des Wohnhauses der Familie in Fischenthal für das Abfüllen und die Lagerung der Brände umgebaut wurde.

Im Baumer Nachbardorf bleiben die Schnäpse nach dem Abfüllen mindestens ein Jahr, bevor sie verkauft werden. Denn: «Brände werden mit der Zeit immer besser», sagt Müller-Ziegler.

Selbst geniesst sie ihre Kreationen aber nur selten. «Ich habe ständig das Aroma in der Nase», gibt sie zu bedenken. «Wenn ich aussuchen kann, bevorzuge ich deshalb ein Glas Rotwein.»

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