Politik

Vom Traum der frühzeitigen Pensionierung

Für viele Menschen klingt es verlockend, bereits ein paar Jahre vor der offiziellen Pensionierung in Rente zu gehen. Ein früherer Berufsausstieg ist jedoch teuer. Sara Neuweiler, Niederlassungsleiterin im VZ VermögensZentrum Uster, weiss, wie dieser finanziell funktionieren kann.

So könnte man sich eine Frühpensionierung vorstellen. Doch ist sie wirklich so befreiend, wie sie auf den ersten Blick scheint?

Foto: Pixabay

Vom Traum der frühzeitigen Pensionierung

Frau Neuweiler, wann ist der richtige Zeitpunkt da, um sich mit der Pensionierung auseinanderzusetzen?
Sara Neuweiler: Grundsätzlich zehn Jahre vor dem gewünschten Pensionierungszeitpunkt. Wenn man sich vorzeitig pensionieren lassen will, ist die Vorbereitung umso wichtiger. Hierbei gilt: Je früher die Planung beginnt, desto besser.

Welche Pensionierungsmöglichkeiten gibt es?
Zum einen gibt es die ordentliche Pensionierung. Männer werden mit 65 Jahren pensioniert, Frauen neu ebenfalls mit 65. Zum anderen die vorzeitige Pensionierung, die ab 58 möglich ist (ist vom jeweiligen Pensionskassenreglement abhängig). Dann gibt es noch die Teilpensionierung. Bei dieser hört man noch nicht ganz zu arbeiten auf, sondern reduziert das Pensum schrittweise, beispielsweise mit 60 Jahren von 100 auf 70 Prozent. Die reduzierten 30 Prozent kann man sich vom Pensionskassenguthaben auszahlen lassen oder dieses als Rente beziehen. Auch dieses Modell ist ab 58 möglich. Die Pensumsreduktion muss im Kanton Zürich bei mindestens 30 Prozent liegen. Weniger akzeptiert das Steueramt nicht als Pensionierungsschritt.

Wie sieht es aus, wenn man sein Arbeitspensum danach nochmals reduzieren will?
Man kann sein PK-Guthaben in maximal drei Teilschritten beziehen. Wobei die Reduktion jeweils mindestens 30 Prozent betragen muss. Man könnte somit von 100 auf 70 Prozent Pensum reduzieren und danach nochmals um 30 auf knapp 50 Prozent, bevor man anschliessend vollständig in Pension geht. Der letzte Teilschritt müsste dann allerdings als Rente bezogen werden. Die ersten beiden Schritte können sowohl als Kapital wie auch als Rente bezogen werden.

Worauf sollte man bei einer Frühpensionierung achten?
Eine vorzeitige Pensionierung sollte gut vorbereitet sein. In den letzten Jahren vor der Pensionierung zahlt man in der Regel die höchsten Sparbeiträge in die Pensionskasse ein, weshalb eine Frühpensionierung verhältnismässig teuer zu stehen kommt. Daher empfehlen wir, vorher zusätzlich zu sparen und ein Budget zu erstellen. Wichtig ist, dass man koordiniert, welche Leistungen aus der 1., 2. und 3. Säule fliessen und wie die verbleibenden Jahre bis zur ordentlichen Pensionierung finanziert werden können. Schliesslich ist die Frühpensionierung eine Frage der Vorbereitung und der finanziellen Mittel.

Sara Neuweiler, Niederlassungsleiterin im VZ  Uster, empfiehlt eine Frühpensionierung gut vorzubereiten.

Wie viel Geld braucht man, um in Frührente zu gehen?
Das ist individuell und hängt unter anderem vom jeweiligen Lebensstandard ab, den man führt und nach der Pensionierung weiterführen will. Die Frührente setzt eine detaillierte Finanzplanung voraus, in welcher aufgeführt wird, wie hoch die Einnahmen, die Ausgaben und das vorhandene Vermögen sich über die nächsten 20 bis 30 Jahre nach der Pensionierung entwickeln.

Welche finanziellen Risiken bringt die Frührente mit sich?
Angenommen ich lasse mich mit 58 vorzeitig pensionieren und merke dann, dass ich mit zu tiefen Ausgaben gerechnet habe. In einem solchen Fall wird es schwierig, zum Bespiel mit 62 Jahren wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Und dies meist auch nicht zu den vorherigen Konditionen. Deshalb nochmals: Eine gute Planung ist das A und O.

«Vermögen, das in den ersten fünf oder sechs Jahren nach der Pensionierung verzehrt wird, sollte vorsichtiger investiert sein.»
Sara Neuweiler, VermögensZentrum Uster

Wie kann man Einkommenslücken überbrücken oder decken?
Nach der Pensionierung hat man typischerweise eine Einkommenslücke. Die Frage ist, wie gross sie ist und wie man sie finanziert. Wichtig ist deshalb, dass man mittels einer Finanzplanung bestimmt, welche Einkommenslücke langfristig tragbar ist. Typischerweise deckt man seine Lücken aus dem freien Vermögen. Man erarbeitet eine langfristige Anlagestrategie und bestimmt, wann man auf welchen Teil des Vermögens angewiesen ist. Vermögen, das in den ersten fünf oder sechs Jahren nach der Pensionierung verzehrt wird, sollte vorsichtiger investiert sein. Das restliche Kapital hat einen längeren Anlagehorizont und kann somit grössere Risiken tragen. Es soll langfristig eine Rendite abwerfen und somit ein Zusatzeinkommen generieren.

Eine Einkommenslücke nach der Pensionierung zu haben, ist typisch. Doch wie finanziert man sie?

Welche Möglichkeiten einer vorzeitigen PK-Auszahlung gibt es?
Wie bei einer ordentlichen Pensionierung, kann man zwischen einer monatlichen Rente, wie die AHV, oder einer (Teil-)Kapitalauszahlung entscheiden. Bei der Kapitalauszahlung fliesst das ganze Vorsorgegeld der Pensionskasse ins freie Vermögen aufs Konto. Dort sollte es allerdings nicht liegen bleiben, sondern entsprechend organisiert werden. Oftmals entscheiden sich angehende Pensionäre auch für eine Mischvariante wie zum Beispiel einen 50-Prozent-Kapitalbezug. Dabei wird die Hälfte des Guthabens als Rente und die andere Hälfte als Kapital ausbezahlt.

«Oftmals entscheiden sich angehende Pensionäre auch für eine Mischvariante.»

Welche Vorteile bringt ein vorzeitiger Kapitalbezug mit sich?
Man ist flexibler und kann frei entscheiden, wann man welchen Teil des Gelds verwenden will. Und angenommen, man verstirbt als pensionierte Person, drei Jahre nach der Pensionierung, ist das Geld für die Hinterlassenen weiterhin verfügbar. Hätte man sich für die monatliche Auszahlung entschieden, erhielte der Ehe- oder Konkubinatspartner nur 60 Prozent der Rente. Das restliche Guthaben verfällt.

Kann man, wie bei der dritten Säule, auch freiwillig in die Pensionskasse einzahlen?
Ja, das kann man. Eine Person will beispielsweise zwei Jahre früher in Rente gehen und merkt, dass ihr dadurch rund 40’000 Franken Pensionskassenguthaben fehlen. Dieses Geld kann sie vorgängig einzahlen, um das Niveau so zu halten. Hier ist der steuerliche Aspekt auch sehr interessant. Wie bei der dritten Säule kann man das freiwillig einbezahlte Geld eins zu eins vom steuerlichen Einkommen abziehen. Allerdings gibt es Fristen und Regeln, die bei einem Pensionskasseneinkauf zu beachten sind.

Unter welchen Voraussetzungen kann ich die Gelder aus der Säule 3a beziehen?
Dieser Bezug ist eine Frage des Alters. Nach Annahme der AHV-Reform können Männer und Frauen zwischen 60 und 65 ihre Säule 3a beziehen, unabhängig davon, ob sie pensioniert sind oder nicht. Wer nach der Pensionierung noch weiterarbeitet, kann die Säule 3a längstens bis Alter 70 stehen lassen.

Interview: Tanja Frei

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