So soll im Oberland Energie gespart werden
Ob Bund, Kantone oder Gemeinden – alle sprechen sie von nötigen Stromsparmassnahmen und einer ungewissen Zukunft in Sachen Energieversorgung. Nachdem Uster am 27. September erhebliche Einschränkungen beschlossen hat, fragte der Zürcher Oberländer in der Region nach, welche Massnahmen die Gemeinden in Betracht ziehen, um «unnötigen» Stromverbrauch effizient zu reduzieren.
Keine Weihnachtsbeleuchtung
Menschen, denen die öffentliche Weihnachtsbeleuchtung in Uster am Herzen liegt, werden dieses Jahr enttäuscht. Auf diese wird nämlich komplett verzichtet. «In Absprache mit dem Verein Herzkern Uster sind wir zur Ansicht gekommen, dass es sinnvoll ist, auf die öffentliche Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten», erklärt Stadträtin Karin Fehr (Grüne).
«Vereinzelt ist das Gewerbe schon dabei, selbst Sparmassnahmen zu ergreifen.»
Karin Fehr, Stadträtin Grüne
Und man sei dabei, gemeinsam mit dem Gewerbeverband und «Herzkern Uster» in Dialog zu treten, um auch den Detailhandel oder lokale Unternehmer dazu zu bewegen, sich an gemeinsamen Aktionen wie dem Abschalten von Schaufensterbeleuchtungen oder Leuchtreklamen zu beteiligen.
«Vereinzelt ist das Gewerbe schon dabei, selbst Sparmassnahmen zu ergreifen», sagt Fehr. Noch müsse in Uster die Koordination dazu definiert werden.
15 Prozent weniger
Ab dem 1. Oktober will die Stadt ihren Energieverbrauch nämlich so weit als möglich um 15 Prozent senken. Dies soll mit verschiedensten Massnahmen erreicht werden, die vorerst bis zum 31. März 2023 gelten. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden hat Uster schnelle und weitreichende Entschlüsse gezogen.
«Die Verwaltungsleitung der Stadt hat schon früh über mögliche Energiesparmassnahmen gesprochen. Deshalb gelang es uns, eine schnelle Einigung zu erzielen», sagt Fehr.
Die Entscheide habe man auf hilfreiche Vorschläge des Schweizerischen Städteverband (SSV) abgestützt.
Temperatursenkung wo möglich
Das grösste Energiesparpotenzial hat die Stadt bei der Temperatursenkung von öffentlichen Gebäuden und im Hallenbad erkannt. Im nächsten halben Jahr wird die Temperatur im Stadthaus wie in Schulen um zwei Grad auf maximal 20 Grad gesenkt.
Kindergärten oder Heime sind von den Massnahmen hingegen ausgeschlossen. «Vulnerable Personen wie Kinder oder pflegebedürftige Menschen wollen wir nicht kälteren Temperaturen aussetzen, sondern nur Personen, denen es zumutbar ist», erklärt Fehr. Dank diesen Senkungen erwartet Uster eine gesamtstädtische Einsparung von rund 12 Prozent.
«Als weitere wichtige Massnahmen sind die Abschaltung von Geräten wie Computern und Druckern ausserhalb der Arbeitszeiten vorgesehen.»
Karin Fehr, Stadträtin Grüne
Zudem wird die Temperatur im Hallenbad Buchholz um ein Grad reduziert, was mit drei bis fünf Prozent der Energiereduktion zum gesamthaften Sparziel von 15 Prozent führen soll.
«Als weitere wichtige Massnahmen sind die Abschaltung von Geräten wie Computern und Druckern ausserhalb der Arbeitszeiten vorgesehen», so Fehr.
Ebenso will man die Beleuchtung in Gängen und Treppenhäusern verringern und von 1 Uhr bis 5 Uhr in der Nacht komplett auf die öffentliche Aussenbeleuchtung – also auch die Strassenbeleuchtung – verzichten. An den Wochenenden gilt diese Massnahme hingegen nicht.
Krisenstab in Pfäffikon
Im Bezirk Pfäffikon sieht es lockerer aus. Noch gibt es keine konkreten Massnahmen. Doch aufgrund der akuten Problematik haben sich im Bezirk Pfäffikon Krisenstäbe formiert. Dies gab der Verband der Gemeindepräsidien des Bezirks Pfäffikon diesen Monat bekannt.
Von jeder der zehn Bezirksgemeinden kamen Vertreterinnen und Vertreter zusammen, um sich bei einem Austausch der Frage zu widmen, wie sich die Behörden auf eine drohende Strommangellage vorbereiten können.
Momentan befinde man sich noch in einer Vorbereitungsphase. «Zurzeit analysieren wir die Situation, damit unter Umständen Sofortmassnahmen ergriffen und Empfehlungen an die Gemeinden weitergeleitet werden können», teilt Hanspeter Thoma, der Gemeindeschreiber von Pfäffikon im Namen der Gemeindepräsidien des Bezirks Pfäffikon, mit.
Zunächst gehe es darum, Informationen von Bund und Kanton einzuholen und die Information der Bevölkerung sicherzustellen. «Es gilt, die einzelnen Zuständigkeiten und Aufgaben der einzelnen Gemeinden bei einer allfälligen Mangellage zu klären.»
Wetzikon informiert zeitnah
In Wetzikon ist man derweil noch damit beschäftigt, genau zu prüfen, welche Massnahmen hinsichtlich der Strommangellage sinnvoll wären. Vorab wollte Roger Kündig, der Leiter Sicherheit, noch keine konkreten Angaben machen.
«Der Stadtrat wird voraussichtlich anfangs Oktober entscheiden, welche Massnahmen seitens der Stadt Wetzikon im Zusammenhang mit einer möglichen Energiemangellage ergriffen werden sollen.»
Dübendorf entscheidet bald
In Dübendorf wappnet sich der Stadtrat für die bevorstehende Zeit. Konkrete Massnahmen sind in der Erarbeitung, wie Leiter Bevölkerungsschutz und Stabschef Michel Elmer sagt.
«Die Ereignisorganisation koordiniert aktuell mit allen Abteilungen der Stadtverwaltung sowie auch mit den Schulen.» Entsprechende Massnahmen würden in den nächsten Tagen kommuniziert.
Lichterlöschen und Lüften
In Illnau-Effretikon werden in einem ersten Schritt allgemeine Verhaltensempfehlungen wie Lichterlöschen, Warmwasser sparen oder effektives Lüften herausgegeben. «Es geht darum, die Mitarbeitenden und die Bevölkerung auf das Thema zu sensibilisieren, unabhängig von einer allfälligen Mangellage», sagt Stadtschreiber Peter Wettstein.
«Bis dann ist die Lage besser einzuschätzen.»
Peter Wettstein, Stadtschreiber Illnau-Effretikon
Zugleich wird ab sofort die Temperatur in den öffentlichen Gebäuden um zwei Grad gesenkt. Damit sollen zehn Prozent Energie eingespart werden. Dies entspricht in etwa dem jährlichen Verbrauch von 50 Haushalten.
Was die Weihnachtsbeleuchtung und weitergehende Massnahmen angehe, so entscheide der Stadtrat voraussichtlich Anfangs November. «Bis dann ist die Lage besser einzuschätzen.»
Preisanstieg im Privatbereich
So unterschiedlich die Herangehensweise der Oberländer Städte, bleibt eines für die Bevölkerung gleich. Im Haushaltsbudget vieler Familien werden sich die erhöhten Strompreise spätestens im nächsten Jahr stark niederschlagen. Eine Familie verbraucht durchschnittlich rund 4’500 Kilowattstunden Strom pro Jahr.
Gemäss den Gemeindewerken Rüti (GWR) müssen Haushalte ab 2023 pro Jahr mit Mehrausgaben von zirka 300 Franken rechnen. In der Gemeinde Rüti, die von den Gemeindewerken Rüti ihren Strom bezieht, entspricht dies einem Preisanstieg von 33 Prozent. Es ist die erste Preiserhöhung seit zehn Jahren.
Für Gewerbebetriebe, die weniger als 100’000 Kilowattstunden Strom verbrauchen, beträgt der Anstieg gar 43 Prozent.
So können Sie Ihren Stromverbrauch reduzieren:
- Heiztemperatur reduzieren (Pro Grad weniger können 6 Prozent der Energie gespart werden)
- Duschen statt Baden und Hände nur mit kaltem Wasser waschen
- Energiesparenden Betrieb von Wasch- und Geschirrspülmaschinen benutzen
- Unbenutzte Geräte immer ausschalten (nicht nur Standby-Modus)
- Lichter löschen, wenn man den Raum verlässt
- Treppensteigen statt Lift benützen
- Gewerbetreibende: Werbebildschirme und Leuchtreklamen ausschalten
