«Aus Haaren kann man alles machen, was man will»
Valentina Lauria heisst die frischgebackene Weltmeisterin. Die Schwerzenbacherin gewann in Paris für die Schweizer Nationalmannschaft der Coiffeurinnen und Coiffeuren die Goldmedaille in zwei Kategorien; Senior Ladies Fashion Cut und Senior Ladies Fashion Pro Cut.
Sie setzte sich gegen mehrere hundert Mitstreiter durch. Die Mannschaft wurde ebenso zum Sieger in eben jenen Kategorien gekürt. Zuvor hat Lauria, die einen Salon in Schwerzenbach betreibt, bereits an den Weltmeisterschaften 2017 und 2018 abgeräumt. Damals jedoch in anderen Disziplinen.
Frau Lauria, mit welchem Haarschnitt haben Sie die Jury dieses Jahr umgehauen?
Valentina Lauria: Das ist jetzt etwas technisch. Aber sagen wir so, die eine Frisur ist eine geschmeidige, symmetrische, nett anzusehende Frisur.
… also eine Alltagsfrisur?
(lacht) Ja, aber mit präzisen und doch sehr flüssigen Übergängen.
Und die Andere?
Für den Pro Cut mussten wir eine extravagantere Frisur präsentieren. Hierfür schnitt ich der Puppe eine asymmetrische Frisur. Eine Seite ist kürzer, die andere länger.
Was sind denn die Vorgaben für die beiden Kategorien?
Es gibt ein Zeitlimit von 30 Minuten. Dann wird die Frisur nach Aussehen, Genauigkeit und Präzision bewertet. Jedoch müssen wir die Puppen auch anziehen. Das fliesst in die Wertung mit ein.
Und wie fühlen Sie sich nach Ihrem Sieg?
Ich habe nicht damit gerechnet. Ich bin wirklich komplett überwältigt. Es ist auch eine Menge Druck abgefallen. Wir trainieren seit einem Jahr auf diesen Wettkampf hin.
Wie kann ich mir die Vorbereitung vorstellen?
Wir trainieren das ganze Jahr durch. Dabei schneiden wir Puppen verschiedene Frisuren und üben Techniken. Die letzten vier Monate haben wir jede Woche zwei Tage trainiert, ausnahmslos. Das ist auch nur Dank unserem Trainer Enzo Di Giorgio möglich sowie dem Verband Coiffeur Swiss, der uns das Finanzielle ermöglicht.
Das hört sich anstrengend an.
Es ist wirklich sehr eine enorme Belastung während dieser Zeit. Vor allem da ich noch einen eigenen Salon habe. Ich arbeite 100 Prozent. Doch es lohnt sich. Ich liebe diese 30 Minuten vom Wettkampf, vom Beginn bis zum Ende. Darauf habe ich ein Jahr trainiert.
Gab es eigentlich noch eine Prämie für Ihren Sieg?
Nein, die Auszeichnung steht für sich. Aber ich darf auf Einladung der Weltcoiffeurorganisation nach Japan und den Pro Cut vor Publikum aufführen. Das ist eine Gelegenheit, die ich ohne die WM nicht bekommen hätte.
Was fasziniert Sie so an Ihrem Beruf?
Dass man aus den Haaren alles machen kann, wenn man will.
Hatten Sie selbst mal eine spezielle Frisur?
Nein, ich bin nicht so verrückt. Ich trage meine Haare lieber natürlich normal. Gerne mal verschiedene Farben, aber nichts Extravagantes.
Erwarten Sie nun nach dem Sieg einen Riesenansturm auf ihren Laden?
Es könnte sein. 2018 nach der WM hatte ich tatsächlich mehr Kunden als üblich. Ich habe den Sieg jedoch nicht selber an die grosse Glocke gehängt. Das lief alles über Mund-zu-Mund Propaganda.
Zählt auch Prominenz zu Ihrer Kundschaft?
Zählt der ehemalige Gemeindeschreiber von Schwerzenbach? (lacht) Nein, ich habe eine ganz normale Kundschaft. Für mich zählt jeder Kunde gleich. Ich will die Frisur für jeden Menschen aussergewöhnlich machen.
