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So stehen Oberländer Bauern zur Massentierhaltungsinitiative

Die Massentierhaltung spaltet die Gemüter. Eine Bio-Bäuerin aus Fischenthal und ein Landwirt aus Agasul erklären ihre Haltung.

Tamara Stoller und Willi Vögeli haben bei der Massentierhaltungsinitiative eine andere Meinung.

Foto: Bettina Schnider/Christian Merz

So stehen Oberländer Bauern zur Massentierhaltungsinitiative

Darum geht es

Am 25. September kommt die Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» an die Urne.  Sie will sogenannte Massentierhaltung verbieten und die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere in der Verfassung festschreiben.

Die Initianten verlangen unter anderem, dass der Bund Kriterien für eine tierfreundliche Unterbringung, Pflege, den Zugang ins Freie sowie die maximale Gruppengrösse im Stall festlegt. Diese Anforderungen müssen mindestens den Bio-Suisse-Richtlinien 2018 entsprechen.

Tiere und Tierprodukte, welche diese Standards nicht erfüllen, sollen nicht mehr in die Schweiz eingeführt werden können. Der Initiativtext sieht eine Übergangsfrist von maximal 25 Jahren vor. Unter Landwirten ist die Vorlage umstritten.

Zwei Oberländer Betriebe, zwei Meinungen: Hier erläutern sie ihre Sicht der Dinge.

Pro: Tamara Stoller vom Biohof Grossegg in Steg

Auf dem Foto sieht man einen Mann und eine Frau, die neben zwei Maultieren stehen.

«Die Initiative ist visionär», sagt Tamara Stoller zur Massentierhaltungsinitiative. Sie führt zusammen mit ihrem Mann Jörg seit rund einem Jahr den Biohof Grossegg in Steg. Beide unterstützen die Initiative. «Für mich ist es eine schöne Vorstellung, dass bis in 25 Jahren alle Tiere in der Schweiz endlich Auslauf haben und einen eingestreuten Stall», meint die Bio-Landwirtin.

Sorgen, dass die Lebensmittelproduktion bei einem Ja zur Initiative einbrechen könnte, hat sie keine: «Es wird generell viel zu viel und viel zu billiges Fleisch konsumiert.» Und viele Konsumentinnen und Konsumenten würden immer nur zuerst an ihr eigenes Portemonnaie denken.

Das habe katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. «Es wird billig auf Kosten der Böden, des Wassers und der Biodiversität produziert, das können wir uns längerfristig nicht mehr leisten», ist sie überzeugt.

«Etwas weniger schlecht als schlecht ist nicht genug.»
Tamara Stoller, Bäuerin

Stollers produzieren zwar selber Fleisch, vertreiben es aber nur im Direktverkauf. An Grossverteiler liefern sie nicht. Auf ihren 23 Hektaren halten sie zehn Mutterkühe und Jungvieh, Geissen und Hühner. Die Rinder sind bis im Herbst auf der Weide, die Geissen im Moment auf einer Alp.

Die Landwirtin wünscht sich, dass alle Nutztiere diese Art von Freilauf geniessen können. Denn das Tierschutzgesetz ist in ihren Augen nicht streng genug. «Schweine in einem konventionellen Stall können ihr ganzes Leben in einer Betonbucht verbringen, ohne Einstreu und ohne je an die frische Luft zu können.»

Nur weil die Massstäbe höher seien als im Ausland, bedeute das nicht, dass die Haltung tierfreundlich sei. «Etwas weniger schlecht als schlecht ist nicht genug», betont sie.

Auf die Frage, wie genau der Import von Waren, welche Schweizer Standards nicht erfüllen, verhindert werden soll, antwortet Stoller. «Da wird die Politik bei Annahme der Initiative gefordert sein.»

Die Vorlage sei zwar visionär, aber in ihren Augen trotzdem umsetzbar. «In 25 Jahren sollte eine Umstellung jedes Hofes auf eine tierfreundliche Haltung nach heutigen Bio-Normen möglich sein.»

Contra: Willi und Sandra Vögeli von der Hühnerfarm Agasul

«In der Schweiz gibt es keine Massentierhaltung», findet Bauer Willi Vögeli. «Schliesslich ist bei uns als einziges Land die Grösse der Tierbestände limitiert.»

Vögeli betreibt in Agasul in der Gemeinde Illnau-Effretikon eine Hühnerfarm. 18’000 Hennen leben auf seinem Hof – in Freilandhaltung. Jedes Jahr verkauft er rund fünf Millionen Eier, die meisten davon an einen Grossverteiler.

Für den Oberländer Landwirt sind die Forderungen der Massentierhaltungsinitiative utopisch: «Es wird unter diesen Vorgaben nicht möglich sein, in der Schweiz genügend Lebensmittel zu produzieren, die sich die Konsumentinnen und Konsumenten auch leisten können.»

«Der Konsument hat die Wahl, welche Art der Landwirtschaft er oder sie unterstützen will.»
Willi Vögeli, Bauer 

Am Schluss fördere das nur den Import, meint er. Dass diese Lebensmittel dann die gewünschten Schweizer Standards erfüllten, sei völlig unrealistisch. «Das ist rechtlich gar nicht möglich», ist er überzeugt. «Und selbst Bio-Betriebe im Ausland haben wieder ganz andere Anforderungen als wir hier in der Schweiz», ergänzt seine Tochter Sandra.

Beide wollen zudem nicht, dass die landwirtschaftliche Produktion in der Verfassung vorgeschrieben wird. «Das ist einfach der falsche Ansatz, der Konsument hat die Wahl, welche Art der Landwirtschaft er oder sie unterstützen will.» Bio-Lebensmittel seien immer teurer und deshalb für viele nicht die erste Wahl.

Als Beispiel nennt Sandra Vögeli die Bio-Eier. «Davon gibt es auf dem Markt zu viele, es gibt mehr Angebot als Nachfrage.» Auch bei Bio-Fleisch, dessen Marktanteil rund fünf Prozent beträgt, ist der Absatz nicht in jedem Fall gesichert.

Den Konsumenten sei wohl bewusst, dass auch konventionelle Betriebe viel für das Tierwohl unternehmen, vermutet Sandra Vögeli. «Ein Bio-Betrieb kann Hühner in maximal 2000er-Herden halten», erklärt sie. «Ich glaube aber kaum, ob das Huhn im Alltag den Unterschied zu 18’000 in Freilandhaltung gross merkt.»

Willi und Sandra Vögeli laden Interessierte gerne dazu ein, sich vor Ort ein Bild zu machen. «Wir und viele andere Bauernhöfe zeigen gerne, wie wir arbeiten und wie wir zu unseren Tieren schauen.»

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