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Wetziker Freikirche plant Millionen-Neubau

An der Langfurrenstrasse will die Freie Evangelische Gemeinde Wetzikon (FEG) auf 8300 Quadratmeter für 24 Millionen Franken ein Grossprojekt umsetzen.

An der Langfurrenstrasse in Wetzikon plant die Freikirche FEG ein aufwendiges Bauprojekt., Für 24 Millionen Franken soll ein Ersatzneubau des heutigen Nebengebäudes und eine Erweiterung des Hauptgebäudes entstehen., Aus dem dazugehörigen Projektbeschrieb lässt sich ein Missionsgebot herauslesen., Die Frage ist, wie stark die Kirche auf Mieter und Jugendliche einwirken will., Die Wetziker Parlamentarierin Bigi Obrist (AW) hat einen kritischen Blick auf Freikirchen.

PD

Wetziker Freikirche plant Millionen-Neubau

«Raum für neue Menschen». So umschreibt die Freie Evangelische Gemeinde Wetzikon (FEG) ihr neues Bauprojekt an der Langfurrenstrasse auf 8300 Quadratmeter zwischen Kempten und Oberwetzikon, gleich neben dem Friedhof . 

Der finanzielle Rahmen entspricht der Grossflächigkeit des Grundstücks: Für 24 Millionen Franken sollen bis 2027 ein Ersatzneubau des heutigen Nebengebäudes und eine Erweiterung des Hauptgebäudes erstellt werden.

Die FEG-Kirche soll baulich aufgewertet werden. Es sollen Wohnungen, Arbeitsateliers und Bildungsstätten entstehen. Dazu ist ein Park als halb-öffentliche Begegnungszone geplant.

Zu den in der Projektbroschüre beschriebenen «neuen Menschen» schreibt die FEG: «Gottes Liebe soll durch uns unsere Freunde, Mitschüler, Mitarbeiter, Nachbarn, Bekannte und Familienmitglieder erreichen. Wir möchten Raum für Menschen von heute schaffen, die Gottes Liebe noch nicht kennen, morgen aber mit uns das Areal mit Leben füllen.»

Sal soll nach Wetzikon ziehen

Ein Zugang soll über Bildung führen. Die christliche Privatschule SalZH soll auf dem neuen Areal ein Zuhause finden, wie Stiftungspräsident David Schneider auf Anfrage bestätigt. «Wir stehen mit der FEG in Kontakt, unsere ganze Schule inklusive Primar- und Sekundarstufe in das Bauprojekt als Ankermieter zu integrieren.»

Die Bauherrin sagt dazu, dass sich «Bildung an christlichen Werten und Grundlagen orientieren solle». Gemäss Schneider werde die SalZH als «eine für alle Menschen offene Schule, auf der Basis von christlichen Werten» betrieben.

Vor einem geschlossenen Café stehen Pflanzenkübel.

Das Gewerbe soll gemäss FEG-Projektbroschüre «gerne christlich angehaucht sein, muss aber nicht zwingend so sein. Es sollte jedoch unsere Grundwerte teilen. Ablehnen würde die Freikirche diesbezüglich Tätigkeiten, welche «direkt einer zentralen Grundüberzeugung des christlichen Glaubens widerspreche». 

Christliches Gewerbe

Die konkrete Nachfrage, ob beispielsweise eine atheistische, selbstständige Hebamme, die oft auch sonntags arbeiten muss und damit gegen eines der zehn biblischen Gebote verstösst, sich auf dem FEG-Areal einmieten kann, beantwortet David Gronau von der FEG positiv. «Eine solche Anfrage würde uns erstaunen und erfreuen.» Man würde individuelle Gespräche führen, so Gronau weiter.

«Auch ein lesbisches Paar als potentielle Mieter hätte Chancen. »
David Gronau, FEG Wetzikon.

Die geplanten Wohnungen für 80 bis 100 Personen sollen zu einem marktüblichen Preis angeboten werden. Über die Auswahlkriterien interessierter Mieter zeigt sich Gronau offen. «Auch ein lesbisches Paar als potentielle Mieter hätte Chancen. Als Vermieter entscheiden wir von Fall zu Fall.»

Der geplante Park soll gemäss FEG insbesondere jüngeres Publikum anziehen. «Einladende Räume für Kinder und Jugendliche drücken aus: Hier will ich teilnehmen, auch wenn ich kein Christ bin», ist in der Projektbroschüre zu lesen.

Ausbau  «Kafi Feld»

Im Bereich Begegnungszonen hat die FEG mit dem an den internen Verein Kulturfeld übertragenen Betrieb des Kafi Feld einen ersten Pflock eingeschlagen.

Seit drei Jahren bietet der kleine gastronomische Betrieb primär Kaffee an und hat an vier Tagen pro Woche geöffnet. Gemäss einer aktuellen Bauausschreibung mit der FEG als Antragstellerin will sich der Betrieb baulich erweitern.

Eine Art Maibaum steht mitten auf einem Areal.

Die Wetziker Politik sieht die Vermischung der FEG als Vermieterin und missionarische Organisation unterschiedlich. «In Wetzikon gilt, wie im Rest der Schweiz, die Religionsfreiheit. Im Rahmen des gesetzlichen Rahmens kann die FEG also tun und lassen, was sie möchte», sagt Hansjörg Huwiler, Co-Präsident der SP Wetzikon dazu.

 

«Letztlich steht hinter öffentlichem Engagement von Freikirchen immer ihr missionarischer Auftrag. »
Bigi Obrist, Wetziker Parlamentarierin (AW)

Das sieht auch Bigi Obrist von der «Alternative Wetzikon» (AW) grundsätzlich so, sie schränkt aber ein: «Letztlich steht hinter öffentlichem Engagement von Freikirchen immer ihr missionarischer Auftrag, möglichst viele Menschen in die Freikirche zu bringen. Das ist insbesondere im Rahmen von Kinder- und Jugendangeboten sehr problematisch.»

Private Finanzierung

Der Löwenanteil von 19 Mio. für das Projekt an der Langfurrenstrasse soll gemäss FEG-Projektbeschrieb über eine Bankhypothek finanziert werden.

Die restlichen 5 Mio. sollen über Spenden von Privatpersonen oder über langfristige Darlehen aus dem schweizweiten Kirchenumfeld geäufnet werden. Ende Oktober soll gemäss FEG ein laufender Architekturwettbewerb abgeschlossen sein.

Präsentation für die Behörden?

Vom Wetziker Stadtrat wird das FEG-Projekt begrüsst, wie Stefan Lenz, Stadtrat Hochbau und Planung, auf Anfrage anmerkt. «Die FEG verfolgt eine zukunftsgerichtete Planung und stärkt den Standort. Dazu wird mit dem Architekturwettbewerb eine optimale städtebauliche Einordnung und Integration in das Umfeld angestrebt.»

Die Stadt empfiehlt der Bauherrschaft, so Lenz weiter, das in einer Wohnzone gelegene Projekt vor der Baueingabe den Behörden zu präsentieren, damit Inputs des Fachbeirats Architektur und Städtebau einfliessen könnten.

Die Baueingabe plant die Freikirche frühestens anfangs 2024. Die Realisierung benötige je nach Etappierung gut drei Jahre, so könnten die neuen Gebäude voraussichtlich im Jahr 2027 eingeweiht werden.

Andreas Leisi

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