Beim FC Turbenthal sind jetzt die Mädchen am Ball
Video: Bettina Schnider/Schnitt: Paulo Pereira
Es ist halb sechs Uhr an diesem Mittwochabend. Auf dem Fussballplatz im Gmeiwerch Turbenthal machen sich die Mädchen bereit fürs Training. Einige von ihnen tragen bereits das Tenue des FC Turbenthal mit einem blauen Leibchen und Hosen. Andere haben ihre Sportkleider dabei und ihre Turnschuhe geschnürt.
Es ist das erste reguläre Training des Mädchenteams des FC Turbenthal. «Vor den Ferien haben wir drei Mal ein Schnuppertraining durchgeführt», sagt Thomas Bürgis, Präsident des Clubs und zugleich Trainer des neuen Teams.
Das Interesse war so gross, dass der Verein dieses Jahr eine eigene Mannschaft für E-Juniorinnen bis zum Alter von zehn Jahren stellen kann.
Nicht in der Champions League
Nach einer kurzen Begrüssung geht es bereits los. Die Mädchen werden in Grüppchen aufgeteilt: Zwei Dreierteams und zwei Zweierteams.
Auf dem Rasen hat Bürgis zwei Fussballfelder abgesteckt. Am Rande von jedem stehen aber nicht etwa zwei Tore, sondern vier kleine. «Auf dieser Juniorenstufe spielt man neu das sogenannte Play-More-Football», erklärt der Trainer.
Ziel ist es, dass die Kinder so mehr zum Einsatz kommen – egal, wie gut sie bereits Fussball spielen können. «Manche Trainer hatten teilweise das Gefühl, sie seien in der Champions League und haben deshalb nur die guten Spieler eingesetzt», sagt Bürgis. Das soll mit dieser Spielform nicht mehr möglich sein.
«Einfach weiterspielen»
Geht der Ball raus, spielen die Kinder fast nahtlos weiter. Es gibt nämlich keinen Einwurf. Ein neuer Ball liegt am Spielfeldrand bereit, der als Ersatz verwendet wird. Und das Kind, das den Ball aus dem Spiel geschossen hat, muss ihn holen. In dieser Zeit hat das gegnerische Team eine kurze Überzahlsituation.
Die Mädchen des FC Turbenthal haben dieses Spielformat vorher noch nicht geübt. Folglich braucht es einige Minuten, bis sie das Spiel begriffen haben. «Einfach weiterspielen», ruft Bürgis ihnen mehrmals zu. «Wer muss den Ball holen?»
Schiedsrichter ist er aber nicht. «Einen solchen gibt es in dieser Spielform nicht», betont er. Die Kinder müssen Probleme auf dem Platz selber regeln. Wenn sie sich nicht einig werden, gibt es Schere-Stein-Papier. Doch so weit kommt es an diesem Abend nicht.
Die ersehnte Trinkpause
Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten wird das Spiel immer flüssiger. «Es steht schon sieben zu zwei!», ruft ein Mädchen Bürgis zu. «Das ist egal, ich zähle nicht», antwortet er lachend.
«Bisher musste ich aber mit den Buben spielen, die waren manchmal fies zu mir»
Ariana, Mitglied im Mädchenteam des FC Turbenthal
Der Einsatz der Spielerinnen ist gross. «Wann gibt es endlich eine Trinkpause?», fragt ein Mädchen, das langsam sichtlich müde ist. «Nach dem nächsten Tor», erwidert der Trainer.
Eine der Spielerinnen im neuen Team ist die achtjährige Siena. Die Drittklässlerin hat erst während den Schnuppertrainings mit dem Fussball angefangen. Und sie ist begeistert: «Es gefällt mir sehr gut», erzählt sie, während sie an ihrer Wasserflasche nippt.
Bereits etwas länger spielt die gleichaltrige Ariana. «Bisher musste ich aber mit den Buben spielen, die waren manchmal fies zu mir», sagt sie. Nun in einem Team nur mit anderen Mädchen zu sein, gefällt ihr sehr gut. «Es ist viel besser», meint sie und stellt ihre Flasche wieder hin.
Die Suche nach einer Trainerin geht weiter
Nach der Verschnaufpause gibt es ein kurzes «Fangis», danach stehen erste Technikübungen auf dem Programm. Zuerst mit dem Ball in beiden Richtungen um eine Pylone, danach um einige Pfosten. «Immer mit dem äusseren Fuss den Ball führen», ermahnt Bürgis seine Spielerinnen mehrmals.
Nach der Pflicht geht es weiter mit einem Spiel. Zuerst nochmals auf dem Kleinfeld, dieses Mal sogar mit sechs Toren, zum Schluss sogar auf dem grösseren Feld. «Mit den grossen Toren!», freut sich eines der Mädchen.
Bereits am Freitag stehen die Juniorinnen wieder auf dem Platz fürs nächste Training. Erneut vor Ort wird dann auch Thomas Bürgis sein.
Doch er möchte seine Arbeit als Trainer der Mädchen bald abgeben. «Wir suchen immer noch eine Trainerin für das Team.» Für ihn ist es wichtig, dass eine Frau diese Aufgabe übernimmt. «Und nicht nur für die Mädchen, sondern für den ganzen Verein.» Bisher werden alle Teams in Turbenthal von Männern trainiert.
Wer Interesse am Amt als Trainerin beim FC Turbenthal hat, kann sich bei Präsident Thomas Bürgis (thomas@buergis.com / 079 412 58 38) melden. Er erteilt auch weitere Auskünfte zum Mädchen-Team.
