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So schützt ein Bauer in Bisikon seine Kühe vor dem Abfall-Tod

Immer wieder sterben Kühe, weil sie Abfall fressen. Mit verschiedenen Massnahmen stellt Landwirt Ueli Kuhn sicher, dass seine Tiere bestmöglich geschützt sind.

Trächtige Kuh Paloma verblutet in Rüti.

So schützt ein Bauer in Bisikon seine Kühe vor dem Abfall-Tod

Video: Simon Grässle

Wenn Bauer Ueli Kuhn an seinen Feldern in Bisikon in der Gemeinde Illnau-Effretikon vorbeiläuft, muss er sich alle paar Meter bücken. «Leute werfen einfach achtlos ihren Abfall ins Feld», ärgert sich der Landwirt. Von Alu-Dosen bis zum Hundekot im Plastiksack.

«Viele reden immer von Umweltschutz, aber ihren Güsel entsorgen sie einfach am Strassenrand», echauffiert er sich.

Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern stellt auch eine grosse Gefahr für Nutztiere dar. Denn der Abfall landet nicht selten in ihrem Futter – und kann im schlimmsten Fall zum Tod führen. Erst kürzlich verstarb beispielsweise eine Kuh in Rüti an inneren Verletzungen, die durch Müll im Futter verursacht worden waren. 

«Meistens merkt man das sehr schnell, weil sich die Kuh nicht mehr wohlfühlt.»
Ueli Kuhn, Landwirt aus Bisikon 

Deshalb schaut Ueli Kuhn immer automatisch auf die Futterauslage, wenn er durch seinen Kuhstall läuft. «Immer wieder findet man ein Stück Metall oder Abfall, das die Kühe fressen könnten.»

Schlachten oder Einschläfern

60 Kühe besitzt Kuhn. Und etwa zwei bis drei Mal pro Jahr kommt es vor, dass ein Tier einen sogenannten Fremdkörper frisst und deshalb krank wird. «Meistens merkt man das sehr schnell, weil sich die Kuh nicht mehr wohlfühlt.» Sie gibt beispielsweise weniger Milch, frisst weniger oder verhält sich komisch.

Oftmals muss dann der Tierarzt kommen. «Und wenn wir vermuten, dass es sich um ein Metallstück handelt, können wir durchs Maul einen sogenannten Käfig-Magneten einführen», erklärt er.  

Auf dem Foto sieht man einen Magneten in einer gelben Hülle, den man Kühen einführen kann.

Dieser bleibt im Kuhmagen. Durch den Käfig aus Plastik, der den Magnet umgibt, werden verschluckte Metallteile eingehüllt. So soll verhindert werden, dass der Magen verletzt wird. «Manchmal funktioniert es, manchmal nicht», meint Kuhn lapidar.

«Wenn es noch geht, kann man die Kuh notschlachten.»
Ueli Kuhn

Einzig, der Magnet nützt nur bei Metallteilen. «Bei Aluminium sind uns die Hände gebunden», erklärt Kuhn. Man könne in einem solchen Fall nur hoffen, dass die Verletzungen im Verdauungstrakt nicht zu gross sind. «Ausserdem gibt der Tierarzt meistens einen Entzündungshemmer, teilweise reicht das aus.»  

Falls sich ein Tier aber nicht erholt, muss es von seinen Leiden erlöst werden. In gewissen Fällen ist eine Notschlachtung möglich. Das geht gemäss Kuhn aber nur, wenn die Kuh kein Fieber hat und keine Medikamente erhalten hat, deren Absetzfrist noch nicht abgelaufen ist. Anderenfalls müsse man sie einschläfern, erklärt er. «Im traurigsten Fall verblutet das Tier innerlich und stirbt.»

«Ich kümmere mich um meine Tiere, ihr Wohlergehen ist mir wichtig.»
Ueli Kuhn

Wenn das Tier nicht notgeschlachtet werden kann,  kommt das dem Bauern teuer zu stehen . Eine Kuh hat einen Wert von rund 4000 Franken, dazu kommen Kosten für die Entsorgung des Kadavers.

Doch Kuhn möchte den Schaden nicht nur in Franken bemessen. «Ich kümmere mich um meine Tiere, ihr Wohlergehen ist mir wichtig.» Zu sehen, wie eine Kuh wegen Abfall im Futter elendig sterben muss, sei nicht einfach und gehe sehr nahe.

Ein neuer Magnet 

Aus diesem Grund setzt er auf Prävention. Es soll möglichst kein Abfall ins Futter gelangen.

Das beginnt bei der Arbeit auf dem Feld: Kuhn besitzt insgesamt rund 44 Hektaren Land. Auf dem grössten Teil davon baut er Futtermittel für seine Tiere an.

Auf dem Foto sieht man einen Bauer, der im Kuhstall mit einer Heugabel das Futer seine Tiere mischt.

Bei jedem weiteren Arbeitsschritt werde immer wieder geschaut, dass sich möglichst keine Abfallstücke im Gras oder Getreide befinden.

Ausserdem befindet sich seit diesem Jahr ein grosser Magnet in seiner Futtermischmaschine. «Dieser kann kleinere Metallstücke noch aus dem Futter fischen.»

Einmal pro Woche steigt er in die Maschine und säubert den Magneten. «Immer wieder finde ich Schrauben oder andere Metallstücke, die früher ins Futter gelangt wären.»

Abfall vom Fast-Food-Riesen

Trotz all dieser Vorsichtsmassnahmen: ein gewisses Restrisiko besteht immer. «Und das nur, weil gewisse Leute keine Manieren haben und ihren Abfall einfach wegschmeissen.»

Auf dem Foto sieht man einen Mann in Arbeitshosen, der in seiner Handfläche ein kleines Metallstück hält.

Littering, also das das Wegwerfen von Müll in die Umgebung, sei kein neues Phänomen, gibt Kuhn zu. Er spricht dabei aus Erfahrung. 1994 hat er seine landwirtschaftliche Lehre begonnen und vor gut 20 Jahren den elterlichen Hof in Bisikon übernommen. Abfall auf dem Feld habe es dabei immer gegeben.

«Aber in den letzten Jahren hat sich das Problem verschärft», meint er. Seit es beispielsweise in Volketswil, unweit von Bisikon, eine Filiale einer grösseren Fast-Food-Kette gibt, findet er mehr Papierbecher und sonstigsten Abfall am Rande seiner Felder.

Besonders schlimm sind Alu-Dosen. «Wenn die in der Mähmaschine verkleinert werden, dann ist das für die Tiere brandgefährlich.» Denn der Magnet zieht das Aluminium nicht an.

Bussen nützen nichts

Kuhn kann nicht nachvollziehen, wieso Leute ihren Abfall auf diese Weise entsorgen. «Es geht ja nicht nur um meine Kühe, es schadet auch er Umwelt.»

Und schliesslich lerne man heute bereits in der Schule, wie Müll korrekt getrennt und entsorgt werde.

«Es musst der Bevölkerung klar werden, welchen Schaden ihr Handeln anrichten kann.»
Ueli Kuhn

Trotz allem glaubt Kuhn nicht, dass härtere Strafen für Abfallsünder etwas verändern würden. «Wenn man nicht erwischt wird, hat das absolut keinen Effekt», meint der Bauer, der für die SVP im Stadtparlament von Illnau-Effretikon sitzt

Das Problem lasse sich nicht in der Politik lösen. In seinen Augen braucht es ein gesellschaftliches Umdenken. «Es musst der Bevölkerung klar werden, welchen Schaden ihr Handeln anrichten kann.»

Kaum jemand wolle schliesslich mit einer weggeworfenen Alu-Dose einer Kuh schaden. «Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass eine achtlos weggeworfene Dose ein Tier töten kann.»

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