Fischenthal sucht immer noch einen «Blume»-Pächter
Seit anderthalb Jahren steht das Gasthaus Blume in Fischenthal leer. Pächter Silvan Busslinger, der das Lokal im September 2019 übernommen hatte, kündigte seinen Vertrag aus wirtschaftlichen Gründen.
Die Gartenwirtschaft ist seither verwaist, der Gastraum geschlossen. Laut Gemeinderätin Barbara Dillier (parteilos) könnte aber bald wieder Leben in das Restaurant einkehren. «Wir haben vereinzelte Bewerbungen von möglichen Pächtern erhalten und sind aktuell im Evaluationsprozess.»
Im Februar hatte die Gemeinde die Pacht erneut ausgeschrieben. «Es wäre natürlich sehr schön gewesen, wäre der Gasthof bereits diesen Sommer offen gewesen», sagt Dillier. Doch das sei nicht gelungen.
Für fünf Jahre
Sie gibt unverblümt zu, dass die Suche nach einem Pächter schwierig ist: «Das ist ein generelles Phänomen. Es braucht wohl etwas mehr Mut als auch schon, um in die Gastronomie einzusteigen.»
«Wichtig ist uns, jemanden zu finden, der die ‹Blume› längere Zeit führen kann.»
Barbara Dillier, Gemeindepräsidentin von Fischenthal
Die Corona-Pandemie habe für grosse Verunsicherung gesorgt. «Und auf dem Land ist die Suche wohl noch schwieriger als in der Stadt.» Trotzdem ist Dillier zuversichtlich, dass in nächster Zeit ein Vertrag unterzeichnet werden kann.
Beim Konzept für den neuen Gasthof ist der Gemeinderat relativ offen: «Wichtig ist uns, jemanden zu finden, der die ‹Blume› längere Zeit führen kann.» In der Ausschreibung vom Februar war eine Vertragsdauer von fünf Jahren gewünscht.
Mit oder ohne Zimmer
Der neue Pächter oder die neue Pächterin muss aber nicht mehr wie bisher den ganzen Gasthof samt Gemeindesaal und Gastzimmer übernehmen. Im vergangenen Herbst hat der Gemeinderat die Nutzung der Liegenschaft aufgeteilt.
Für den Gemeindesaal ist neu die Gemeinde zuständig. Deshalb wird beim Saal auch eine eigene Küche eingebaut.
Die Zimmer im Gasthaus werden seit letztem Sommer vermietet. Verantwortlich dafür ist Verena Tautscher, die mit «WG Zimmer Tösstal» bereits eine Zimmervermietung in ihrer eigenen Liegenschaft in Steg betreibt.
Den Aufwand stellt Tautscher der Gemeinde in Rechnung. Ausserdem ist in der «Blume» aktuell eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine untergebracht.
«Im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprojekts Werkstatt F hat sich gezeigt, dass das Gasthaus von der Bevölkerung als Treffpunkt geschätzt wird.»
Barbara Dillier
Ob ein neuer Pächter die Zimmervermietung übernehmen werde, sei noch offen, sagt Dillier. «Wir sind hier sehr flexibel. Aber es wäre natürlich eine sichere Einnahmequelle für einen Pächter .»
Preis nicht abschreckend
Diese Details stünden nicht im Fokus. Wichtiger sei, dass bald ein Pächter gefunden werden könne. «Am liebsten bereits gestern und nicht erst morgen», betont die Gemeindepräsidentin.
Denn die «Blume», so ist Dillier überzeugt, ist mehr als nur ein Restaurant für Fischenthal. «Im Rahmen des Gemeindeentwicklungsprojekts Werkstatt F hat sich gezeigt, dass das Gasthaus von der Bevölkerung als Treffpunkt geschätzt wird.»
Denn Fischenthal sei ein sehr lang gezogenes Dorf. «Ein eigentliches Zentrum haben wir nicht», sagt die Gemeindepräsidentin.
Das sei mitunter ein Grund, wieso der Pachtzins für die «Blume» relativ tief sei. In der Ausschreibung vom Februar war von 2000 Franken plus Nebenkosten die Rede.
«Wir wollen mit einem zu hohen Preis niemanden abschrecken, der ein innovatives Projekt für das Gasthaus hat», erklärt Dillier. «Wir möchten nichts verschenken, aber das Gasthaus soll in erster Linie auch eine Investition in die Gemeinschaft und das Dorfleben sein.»
