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Politik

«Der Papst ruft nicht eines Tages persönlich an, um zu schimpfen»

Nach 37 Jahren in der Katholischen Kirche St. Martin in Effretikon wird Gemeindeleiterin Monika Schmid Ende August pensioniert. Sie erreichte 2008 schweizweite Bekanntheit durch ihre kritischen Worte bezüglich Katholizismus und nimmt nach wie vor kein Blatt vor den Mund.

Frau Schmid, vor einigen Jahren haben Sie auf Twitter eine Aussage des Dalai Lama geteilt: «Manchmal denke ich, es wäre besser, es gäbe keine Religionen.» Was steckt für Sie hinter diesem Satz?
Monika Schmid : Ich bin mir sicher, Jesus wollte keine Religion gründen. Religionen bergen immer die Gefahr, zu Institutionen und Systemen zu werden. Diese sind nur schwer zu reformieren . Und egal ob Jesus oder Buddha, die Frische eines Menschen, der da am Anfang stand, geht verloren. Es ist dann schwierig zu hinterfragen, ob etwas noch so sein muss, wie es ist. In der Kirche ist vieles nicht mehr vereinbar mit dem Evangelium. Ich denke da etwa an die Aussage, dass ein Priester Jesus Christus in «personam» repräsentiert und dass dies darum eine Frau nicht kann. Jesus hat keine Priester geweiht, für ihn waren Frauen und Männer gemeinsam und gleichwürdig auf dem Weg.  

Sie kritisierten 2008 im «Wort zum Sonntag» öffentlich die Katholische Kirche wegen ihres zögerlichen Vorgehens bezüglich der Sanktionen für pädophile Priester und gewannen dafür auch den «Prix Courage» des Beobachters. Hatten Sie mit einem derart grossen Echo gerechnet?
Ich hatte damals gar nicht das Gefühl, dass das so kritische Worte waren. Ich wollte einfach eine Tatsache ansprechen, da es gerade einen aktuellen Fall gab. Doch leider ist das Thema noch immer aktuell. Die Aufarbeitung geht nur schleppend voran. Das ganze System ist sehr träge und manchmal denke ich, dass viele die Aufarbeitung gar nicht wirklich wollen.

«Wenn man meinen Einsatz als Ketzertum und Nestbeschmutzertum abtut, ist das reine Dummheit.»

Sie wurden in der Folge in Kirchenkreisen immer wieder als Ketzerin bezeichnet – sind Sie das?
Im Gegenteil. Gerade weil mir die Kirche wichtig ist, habe ich mich so geäussert. Beim Aufräumen fand ich erst gerade einen Brief eines ehemaligen Generalvikars aus dem Bistum Basel. Ich solle aufhören, solches Zeug zu erzählen, das mache die Kirche kaputt, schrieb er mir damals. Und er unterstellte mir, die Unwahrheit zu sagen, obwohl sich alles, was ich sagte, mehr als bewahrheitet hat. Diese Einschüchterungsversuche von Kirchenmännern , wenn jemand den Mut hat, gewisse Dinge aufzudecken, sind unglaublich. Aber mir ist meine Kirche wichtig , es ist mir ein Anliegen, dass diese Kirche « gross rauskommt » – im Sinn von Wahrheit , im Sinne der Botschaft der Liebe. Wenn man meinen Einsatz dafür als Ketzertum und Nestbeschmutzertum abtut, ist das reine Dummheit.

Wie haben Sie das alles ausgehalten?
Dass ich das Richtige getan hatte, wusste ich immer. Die meisten Rückmeldungen waren ja positiv. Aber es können zehn positive Briefe kommen und einer unter Gürtellinie. An dem nagt man dann. Natürlich gab es Zeiten, in denen ich mich fragte, warum tue ich mir das überhaupt an?

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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