Für einige Hofläden ist der Boom noch nicht vorbei
Regionale Produkte, am besten beim Hof vor der Haustür. Dieses Motto lebten Herr und Frau Schweizer nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Ab diesem Zeitpunkt haben mehr Leute als üblich in Hofläden eingekauft. Es begann ein regelrechter Boom beim Direktverkauf.
Dieser scheint nun für viele Bäuerinnen und Bauern vorbei zu sein. «Er hat schweizweit nachgelassen», bestätigte Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband kürzlich gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen. Doch wie sieht es in der Region aus? Drei Betreiberinnen von Hofläden nehmen Stellung.
Die Vielbeschäftigte: Monika Schoch, Aumerhof in Kollbrunn
Als im März 2020 die Corona-Pandemie begann, hatte Monika Schoch vom Aumerhof in Kollbrunn auf einmal viel mehr Kundschaft in ihrem Hofladen. «Und das Niveau ist konstant sehr hoch geblieben», sagt die Bäuerin.
Erst nach Ostern in diesem Jahr spürte sie einen Rückgang. «Doch dieser war nur von kurzer Dauer.» Vor den Sommerferien hatte sie wieder ähnlich viel Kundschaft.
«Es wird wohl auf diesem Niveau weitergehen, mit einem kleinen Einbruch nun im Sommer», ist sie überzeugt. Dieser sei üblich.
Seit 2010 betreibt Schoch ihren Hofladen. Vor gut zwei Jahren konnte sie ihn mit einem Anbau vergrössern und hat nun auch eine eigene Küche direkt hinter der Verkaufsfläche.
Hier stellt Schoch, die gelernte Bäckerin-Konditorin ist, unter anderem Pasta, Konfitüre und Nusstorten her. Auch Schokolade produziert sie hier von Hand.
«Einige haben wohl auch die Arbeit unterschätzt, die man in den Hofladen stecken muss.»
Monika Schoch, Bäuerin aus Kollbrunn
Für sie ist das eine grosse Erleichterung: «Früher musste ich auf den Ofen warten, nun wartet der Ofen auf mich.»
Ihr ist bekannt, dass viele Bauern von einem Ende des Hofladen-Booms sprechen. Sie hat dazu ihre Vermutungen: «Es gab Bäuerinnen und Bauern, die erst mit der Pandemie ihren Laden eröffneten oder vergrösserten.»
Denen fehle wahrscheinlich die Erfahrung, um ihren Laden auf die Dauer am Laufen zu halten, ist Schoch der Meinung. «Einige haben wohl auch die Arbeit unterschätzt, die man in den Hofladen stecken muss.»
Das Sortiment müsse stets gut bestückt und ansprechend sein, betont sie. «Wenn es den Kundinnen und Kunden nicht gefällt, kommen sie auch nicht mehr.»
Die Ernüchterte: Michaela Furrer, Bilghof in Wildberg
Eine völlig andere Erfahrung hat Michaela Furrer vom Bilghof in Wildberg gemacht. «Wir hatten diesen Hofladen-Boom schon auch gespürt, aber geblieben ist davon nichts.»
Kurze Zeit lang hat die Bäuerin fast 60 Prozent mehr verkauft. «Jetzt ist es aber wieder wie vor der Pandemie.» Der Rückgang sei kontinuierlich erfolgt. «Kaum wurden die Massnahmen nach dem ersten Lockdown gelockert, ging der Umsatz stetig zurück.»
Neue Stammkunden konnte sie ebenfalls keine gewinnen. «Es sind wieder dieselben wie vor dem Lockdown, die mit dem Auto hierherkommen und sich mit Fleisch eindecken.»
«Fleischprodukte sind momentan nicht im Trend.»
Michaela Furrer, Bäuerin auf dem Bilghof
Furrers sind spezialisiert auf den Verkauf von handgefertigtem Hirschfleisch und Wurstwaren. Etwa ein Dutzend verschiede Wurstsorten haben sie in ihrem Angebot.
Die Bäuerin vermutet, dass ihr Sortiment eine Erklärung dafür sein könnte, wieso der Boom für ihren Hofladen so schnell vorbei war. «Fleischprodukte sind momentan nicht im Trend.» Die fleischlose Ernährung werde immer populärer.
Trotz allem bleibt der Hofladen für Furrers eine wichtige Einnahmequelle. Deshalb werden sie ihn auch weiterhin betreiben. Anders sieht es wohl mit ihrem Online-Shop aus. Seit knapp zwei Jahren kann man die Hofprodukte, allen voran Fleisch, auch über die Website bestellen.
Jährlich geht aber nur eine Handvoll Bestellungen ein. «Wir müssten monatlich viel Geld in die Werbung stecken, und das lohnt sich für uns nicht.» Deshalb rechnet Manuela Furrer damit, dass sie dieses Angebot bald einstellen werden.
Die Profiteurin: Yvonne Berger, Hofladen «Mit Härz g’macht» in Bäretswil
In den Nächten von Freitag auf Samstag bekommt Bäuerin Yvonne Berger aus Bäretswil selten viel Schlaf. Denn in dieser Zeit backt sie Zöpfe – für ihren Hofladen.
Seit Beginn der Pandemie im März 2020 hat Berger mehr zu tun. «Die Nachfrage ist vielleicht nicht mehr ganz so hoch wie im Lockdown», gibt sie zu bedenken, «aber sie ist immer noch gross.»
Corona habe von einem Tag auf den anderen für eine Umsatz-Explosion gesorgt – und damit für mehr Arbeit für die Bäuerin. «Bis vor Kurzem hatte ich eine Mitarbeiterin, die mich bei der Produktion unterstützte.»
Bis Ende Jahr muss Berger die Aufgaben alleine stemmen, ab dann ist erneut eine Aushilfe eingestellt.
«Seit mehreren Monaten haben wir keine Corona-Massnahmen mehr, und trotzdem kommen noch so viele Leute vorbei.»
Yvonne Berger, Hofladen-Betreiberin aus Bäretswil
Besonders beliebt im Hofladen sind Backwaren. «Auch Schüblig und Käse sind immer hoch im Kurs», sagt Berger.
Sie hat eine Vermutung, wieso ihr Laden weiterhin stark frequentiert ist. «Wir haben eine gute Lage gleich beim Wander- und Veloweg», sagt sie. Auch für die Kunden mit Auto ist der Standort an der Baumastrasse in Bäretswil direkt erreichbar.
Ein Ende des Hofladen-Booms spürt Berger also nicht. «Seit mehreren Monaten haben wir keine Corona-Massnahmen mehr, und trotzdem kommen noch so viele Leute vorbei.»
Sie geht deshalb davon aus, dass dies auch so bleiben wird. «Wir konnten uns in der Pandemie wohl einen guten Ruf erarbeiten.»
