Die Talegg-Metzg in Wald schliesst ihre Pforten
Das Ehepaar Pia und Roland Dähler geht nach 36 Jahren Selbstständigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Ende Juli schliessen sie ihre Talegg Metzg an der Tösstalstrasse 30 in Wald. Sie blicken auf viele schöne, aber auch anstrengende Betriebsjahre zurück.
Einerseits etwas wehmütig und andererseits erleichtert über den baldigen Ruhestand, meinen sie: «Es ist für uns an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.» Dies sei sehr schade, da das Geschäft immer auf treue Kundschaft zählen konnte. Die Suche nach einer Nachfolge habe sich jedoch zu schwierig gestaltet, da die Metzger Branche seit Jahren unter Fachkräftemangel leide.
Das Ende einer Ära
Die Talegg Metzg war nicht irgendeine Metzgerei. Sie war eine der beliebtesten Anlaufstellen im Dorf. Ob für eine kulinarische Beratung, den Einkauf von Spezialitäten oder einfach einen kleinen Schwatz. Berühmt war die Talegg Metzg vor allem für ihre Würste und ihren Schinken wie den Ur-Wald Schinken, den Walder Schüblig oder den Bachtel Cervelat. «Im Dorf herrscht schon eine gewisse Trauer, aber was will man machen», sagt Pia Dähler.
«Insgesamt wurde an diesem Standort seit 120 Jahren Fleisch und Wurst angeboten.»
Pia Dähler, Talegg Metzg Wald
Das Ehepaar Dähler übernahm die traditionsreiche Metzgerei in Wald 1986 von dem vorherigen Betreiberpaar Hotz. «Insgesamt wurde an diesem Standort seit 120 Jahren Fleisch und Wurst angeboten», sagt Pia Dähler und zeigt dabei ihr Fotoalbum mit unzähligen schwarzweiss Bildern aus längst vergangenen Zeiten.
Über ihren Anfang in der Metzg kann sich Dähler speziell an eines erinnern: «Wir hatten damals noch eine uralte Kasse aus Holz, die an unserem ersten Arbeitstag schon mit einem Stock gefüllt war.» Ein Antrittsgeschenk ihrer Vorgänger, die ihnen schnell ans Herz wuchsen. «Das Ehepaar Hotz hatte keine Kinder und hütete unsere Sprösslinge oft», sagt Pia Dähler. Sie seien für ihre Kinder wie Grosseltern gewesen.
Enger Zusammenhalt
Sobald die Kinder ein gewisses Alter erreicht hatten, halfen auch sie tatkräftig im Laden mit. «Ohne unsere Kinder wäre es nicht gegangen, wir waren stets ein Familienbetrieb», sagt Roland Dähler. Oft seien an freien Sonntagen auf den letzten Drücker noch Spiesse gesteckt worden, damit es am Montag wieder losgehen konnte.
«Als Familienbetrieb mussten wir stark zusammenhalten.»
Roland Dähler, Talegg Metzg Wald
Generell haben die Dählers stets einen engen Zusammenhalt gepflegt. «Als Familienbetrieb mussten wir stark zusammenhalten», sagt Roland Dähler. Zudem haben sie im Betrieb viele Lehrlinge ausgebildet und hatten mit Christian Fahrni einen weiteren Fleischfachmann, wie mit Brigitte Rohner noch eine Verkäuferin angestellt.
Auch konnten sie sich immer auf die vielen helfenden Hände ihrer Teilzeit-Angestellten verlassen. «Alle unsere Mitarbeiter waren über etliche Jahre bei uns, Brigitte Rohner gar 20 Jahre», ergänzt Pia Dähler. Dieser Zusammenhalt werde ihnen im Ruhestand wohl fehlen. «Dafür freuen wir uns auf Reisen im In- und Ausland. Dieses Jahr geht es nach Australien.» Noch sei Pia Dähler gespannt, ob sie es beide überhaupt schaffen, einmal still zu sitzen.
Für Kreativität bekannt
Den Dählers war es wichtig, immer wieder neue Dinge auszuprobieren. Mitunter deshalb belieferten sie regionale Coop-Filialen dreimal pro Woche. «Auch im Coop werden wohl gewisse Kunden schon bald unsere Fleischwaren vermissen», meint Jan Dähler, der Sohn der Familie – ebenfalls gelernter Fleischfachmann und im Betrieb tätig.
Die Talegg Metzg wurde an verschiedenen Qualitätswettbewerben mehrfach für die hohe Qualität ihrer handgemachten Produkte ausgezeichnet. Auch war die Metzgerei ein Mitglied der Organisation «Natürli Zürioberland», wo regionale Produkte an erster Stelle stehen.
Neue Geschäftsidee
Jan Dähler wäre als gelernter Fleischfachmann im Grunde der ideale Nachfolger für den Betrieb gewesen. «Wir haben das natürlich oft besprochen, aber ich konnte mich nie dazu entschliessen, den Betrieb zu übernehmen.» Trotzdem wollte er eine Alternative schaffen, damit die treuen Kunden der Talegg Metzg auch in der Zukunft nicht ganz auf die Spezialitäten der Dählers verzichten müssen.
«Unser Bekanntheitsgrad bietet ein grosses Potenzial für neue Wege. »
Jan Dähler, Talegg Metzg Wald
Jan Dähler arbeitet zu 50 Prozent in der Metzgerei Jucker in Kollbrunn und will nebenbei einen digitalen Fleisch Service anbieten. «Unser Bekanntheitsgrad bietet ein grosses Potenzial für neue Wege. Via Newsletter werden alle Kunden angeschrieben, die Wert auf handwerklich hergestellte, einzigartige Produkte legen.»
Per Bestellformular können Kunden künftig ihre Bestellung platzieren. Das biete den Vorteil, dass die Lebensmittelverschwendung auf ein absolutes Minimum reduziert werde. «Nur was bestellt wird, wird auch produziert. Wenn ein Lebewesen für unsere Ernährung sterben muss, dann sind wir in der Pflicht, alles zu tun, um es auch sinnvoll zu verwerten», findet Dähler. Er lebe nach dem Grundsatz: weniger Fleisch, dafür in besserer Qualität.
Künftig versendet Jan Dähler einmal pro Monat einen Newsletter, in dem Klassiker genauso ihren Platz finden wie neue Kreationen. «Der Angebotene Newsletter stösst auf grosses Interesse, denn mittlerweile haben sich schon über 350 Personen angemeldet.»
Um sich in Wald offiziell zu verabschieden, veranstaltet die Talegg Metzgerei am 30. Juli ab 10 Uhr ein Abschlussfest mit Grillwürsten. Anmeldungen erfolgen über die E-Mail-Adresse taleggmetzg.wald@gmail.com . Die Dählers bitten ihre Kundschaft, noch vorhandene Gutscheine bis Ende Monat einzulösen. Auf der Homepage www.talegg-metzg.ch können Interessierte den Newsletter für Bestellungen aus der neuen Fleischmanufaktur abonnieren.
