Medienmitteilung sorgt für Verwirrung ums Baumer Depotareal
Anfang Woche machte die Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) in vielen nationalen Medien die Runde: Der Güterschuppen vom Bahnhof Wollishofen wird abgebaut und nach Bauma transportiert.
Doch das ist nichts Neues. Dass die SBB den alten Schuppen abbauen und im Tösstal wieder aufstellen möchten, ist schon seit mehreren Jahren bekannt.
Der Wiederaufbau in Bauma ist ein Teil des Projekts «Depotareal 2020», das der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) zusammen mit den SBB und dem Kanton umsetzen will.
Zeitzeuge der Elektrifizierung
Primär möchte der Verein seine Gleisanlage an deren ursprüngliche Form anpassen und auf dem Areal seltene Relikte der Bahngeschichte wiederaufbauen. Dazu gehört beispielsweise eine Passerelle vom Bahnhof Wattwil, die derzeit in Wald zwischengelagert wird, und eine Wagenwerkstatt aus Zürich Altstetten.
Und eben der Güterschuppen aus Wollishofen. Er stammt aus dem Jahr 1928 und ist ein Zeitzeuge der frühen Elektrifizierung der Eisenbahn.
«Darauf sind die Medien wohl angesprungen.»
Christian Schlatter, Mediensprecher DVZO
Beim DVZO sorgte die mediale Präsenz des Gebäudes Anfang der Woche für Erstaunen. Mediensprecher Christian Schlatter war sehr überrascht, dass die Nachricht über den Umzug nach Bauma in diversen Zeitungen und Online-Portalen veröffentlicht wurde.
Nicht heute und nicht morgen
Auch für ihn war das keine Neuigkeit. Und keine, die so hohe Wellen schlagen sollte, denn der Wollishofer Schuppen ist nur ein Teilprojekt des Depotareals. Schlatter hat aber eine einfache Erklärung dafür, warum darüber berichtet wurde.
«Anfang Woche haben die SBB eine Medienmitteilung verschickt, dass das Siegerprojekt für das Bahnhofsareal in Wollishofen feststeht», sagt er. Die Bundesbahnen planen an diesem Standort eine Überbauung. In der Mitteilung findet aber auch der angedachte Umzug des Güterschuppens Erwähnung. «Darauf sind die Medien wohl angesprungen», glaubt Schlatter.
«Die genauere Planung des Rückbaus wird nun an die Hand genommen.»
Reto Schärli, SBB-Mediensprecher
In der Meldung der SDA war ausserdem zu lesen, dass der Schuppen «nun» rückgebaut wird. Doch Schlatter winkt ab. Das Wort sei wohl ein dehnbarer Begriff. «Weder heute noch morgen werden die Bagger auffahren», betont er.
Baustart im Winter 2024
Die Medienstelle der SBB will ebenfalls noch kein Datum bekannt geben. «Die genauere Planung des Rückbaus wird nun an die Hand genommen», sagt Mediensprecher Reto Schärli.
So steht es um das Depotareal Bauma
01.07.2022

Grossprojekt des DVZO
Da war doch noch was: Die SBB, der Kanton und der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland hecken seit e Beitrag in Merkliste speichern Die SBB müssen ohnehin zuerst für ihr eigenes Bauprojekt die Bewilligungen beantragen. Und auch der DVZO ist beim Projekt Depotareal noch nicht auf der Zielgeraden.
«Unser Plan ist es, etwa im Winter 2024 mit den Bauarbeiten zu beginnen», erklärt Schlatter. Dieser Zeitplan ist jedoch von vielen Faktoren abhängig, da nicht nur der DVZO in das Projekt involviert ist. So plant gleichzeitig der Kanton, die Töss hinter dem Bahnhof zu revitalisieren und Hochwasserschutzmassnahmen zu realisieren.
Diese Teilprojekte müssen gemäss Schlatter aufeinander abgestimmt sein. Derzeit werden die Unterlagen für die Baubewilligung erstellt, die diesen Herbst eingereicht werden soll.
Ein Museum mit Beizli
Deshalb kann der DVZO-Mediensprecher auch noch nicht definitiv sagen, wann der Güterschuppen aus Wollishofen nach Bauma kommt. Wie viel der Umzug kosten wird, ist ebenfalls noch offen.
Die Medienstelle der SBB nennt auf Anfrage keine Zahlen. Der DVZO seinerseits rechnet gemäss einer Broschüre von 2019 mit einem Aufwand von rund 1.5 Millionen Franken.
Steht der Schuppen dereinst in Bauma, soll er dem DVZO nicht nur für Lager- und Büroräume dienen. Für die Öffentlichkeit ist ein Museum mit Beizli als Treffpunkt geplant.
Mehr Infos zum Depotareal in Bauma findet man auf der Projekt-Website: https://depotareal.ch/
