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Wieso sind die Wilemer so scharf auf Elektroautos?

In Wila gibt es viele Elektroautos, vor allem im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden. Doch über die Gründe dafür können auch einheimische E-Auto-Fahrer nur spekulieren.

Vor einem Jahr sind Ueli und Susanne Erb aufs E-Auto umgestiegen. Und sind in Wila in bester Gesellschaft., In der Gemeinde gab es Ende letzten Jahres 29 Elektroautos. Sehr viele für das Tösstaler Dorf., In Turbenthal gibt es eine Schnellladestation für E-Autos.

Foto: Simon Grässle

Wieso sind die Wilemer so scharf auf Elektroautos?

Ende 2021 gab es 29 Elektroautos in Wila. Gemessen an der Bevölkerungszahl sind das 14,2 E-Autos pro 1000 Einwohner. Seit 2016 ist das ein Zuwachs von 1150 Prozent.

Vergleicht man Wila mit den Nachbargemeinden Turbenthal (6,7 E-Autos, 300 Prozent Zuwachs) oder Bauma (8,1 E-Autos, 650 Prozent Zuwachs) scheint Wila damit die Elektroauto-Hochburg im Tösstal zu sein.

Warum das so ist, darauf hat Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) keine Antwort. «Wir haben Elektroautos von Seiten der Gemeinde nicht stärker gefördert als die umliegenden Gemeinden», betont er. Doch man habe sich zum Beispiel an der Schnellladestation in Turbenthal beteiligt.

Drei E-Auto-Fahrer aus der Gemeinde sind zwar mit ihrem Gefährt zufrieden, haben aber ebenfalls keine abschliessende Erklärung für den Boom. Manche gehen von einem statistischen Ausreisser aus, andere vermuten, es liege an einer progressiven Gruppe.

Angelika Studer, E-Auto-Fahrerin seit 2019

Man sieht Angelika Studer in grünem T-Shirt und Sonnenbrille neben ihrem Renault Zoë.

Angelika Studer und ihr Partner sind rein elektrisch unterwegs. Sie fährt einen Renault Zoe, er einen Tesla.

Für die selbstständige Landschaftsarchitektin war die Ökologie ausschlaggebend für den Wechsel auf Elektromobilität: «Vorher fuhr ich einen alten Diesel.»

Da sie aber ohnehin in einer, wie sie selbst sagt, «grünen Branche» tätig ist, war dieses Auto für sie nicht mehr zeitgemäss.

Wieso neben ihr vergleichsweise so viele Wilemerinnen und Wilemer auf Elektroautos setzen, darüber kann Studer nur spekulieren. «Das Abstimmungsverhalten würde ja etwas anderes vermuten lassen», meint sie. Wila sei nicht bekannt dafür, besonders nachhaltig zu sein oder grün zu handeln.

«Aber es gibt wohl eine Community, die das etwas anders sieht und eher progressiv denkt.» Und diese Leute seien offenbar bereit, auch bei der eignen Mobilität anzusetzen und den Umstieg aufs Elektroauto zu wagen.

Man sieht eine Karte mit den Tösstaler Gemeinden und der Zahl der Elektroautos.

Antonio Castellino, E-Auto-Fahrer seit 2021

Vor gut einem Jahr hat sich Antonio Castellino ein E-Auto angeschafft. «Wir wollten unsere Mobilität anpassen. Das hat für mich den Ausschlag gegeben», sagt der Familienvater. Und ein Elektroauto sei einfach nachhaltiger.

Er braucht dieses zwei bis vier Mal pro Woche, um zu seiner Arbeitsstelle in Wil zu pendeln. «Es ist aber auch unser Familienauto», ergänzt er.

Für den Alltag reiche der Renault Zoe mit Baujahr 2017 völlig aus. «Er hat eine Reichweite von 300 Kilometern», erklärt Castellino. Aufgeladen wir das Auto meist zu Hause.

Für längere Strecken und Ausflüge tauschen die Castellinos ihr Elektroauto für kurze Zeit, beispielsweise mit den Schwiegereltern oder einer Nachbarin.

Antonio Castellino glaubt zu wissen, wieso in Wila vergleichsweise viele ein Elektroauto haben: «Weil es wohl einige Leute gibt, die es sich leisten können, mit dem Trend zu gehen.» Denn E-Autos seien teurer in der Anschaffung.

Ueli Erb, E-Auto-Fahrer seit 2021

Man sieht Ueli und Susanne Erb vor ihrem roten Elektroauto, das an den Strom angeschlossen ist.

Im Mai vor einem Jahr schafften sich Ueli Erb und seine Frau Susanne ein neues Auto an. Einen elektrischen Renault Twingo. «Wir brauchen ihn vor allem, für den Nahverkehr», erklärt Erb. Für grössere Strecken setzt der pensionierte Architekt weiterhin auf den Zug.

Sein Auto «tankt» er meistens an der hauseigenen Photovoltaikanlage. «Unterwegs ist es heutzutage auch kein Problem mehr.» Es gebe genügend Ladestationen.

Die Motivation, sich ein Elektroauto anzuschaffen, begründet Erb mit ökologischen Gründen: «Es ist nicht mehr richtig, fossile Brennstoffe für die Mobilität und Raumheizung zu nutzen.»

Für seine Imkerei besitzt Erb seit mehreren Jahren einen Ape – ein dreirädriger Kleinlaster aus Italien. Dieser ist mit Diesel betrieben, weil leider noch keine geeigneten Kleintransporter mit E-Antrieb angeboten werden.

Wieso es in Wila so viele Elektroautos gibt, kann sich Erb nicht erklären. «Wenn man das Abstimmungsverhalten anschaut, ist es eigentlich erstaunlich», meint er.

So habe Wila beispielsweise als eine der wenigen Zürcher Gemeinden an der Urne Nein zum Energiegesetz gesagt. «Ich gehe deshalb davon aus, dass das einfach ein Ausreisser ist in der Statistik ist.»

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