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Ihre Faszination fürs Mittelalter geht durch Mark und Bein

Ina Knup aus Wald ist eine eingefleischte Hobby-Wikingerin. Sie wird auch am diesjährigen Mittelalterspektakel in Hinwil mit von der Partie sein. Sie erklärt, woher ihre Faszination für dieses doch eher dunkle Zeitalter kommt.

Bild: Simon Grässle

Ihre Faszination fürs Mittelalter geht durch Mark und Bein

Feuershows, Hellebarden, Bogen- und Ritterturniere, Axtwerfen, Falkner und vieles mehr – dies erwartet die Besucherinnen und Besucher am kommenden Mittelalterspektakel vom 8. bis 10. Juli auf der Erlosen-Wiese in Hinwil. Die 38-jährige Malerin, Künstlerin und «Wikingerin» Ina Knup aus Wald freut sich auf den wieder zum Leben erwachten Anlass und verrät, weshalb sie sich so sehr fürs Mittelalter interessiert.

Reiner Zufall

Vor 13 Jahren besuchte Ina Knup ganz spontan und rein zufällig einen Mittelaltermarkt. Ab diesem Moment zog es ihr «den Ärmel rein», wie sie sagt. Es war der Beginn einer regelmässigen Flucht aus dem Alltag, die sie nie mehr losliess.

«An diesem Markt konnte ich träumen, entspannen und neue Welten entdecken. Bei dem Duft nach Stroh und Feuer inmitten all dieser Gewänder schwebte ich davon», sagt Knup. Mittlerweile ist ihre Leidenschaft für das Mittelalter und die beträchtlich grosse Szene für sie zu eine Kraftquelle geworden. «Ohne dieses Mystische und Epische könnte ich nicht mehr sein.»

Die taffe Wikingerin

Terroristen des Frühmittelalters werden sie gerne genannt: die Wikinger. Und diese haben es Ina Knup besonders angetan. In ihrer Gewandung sieht sie aus wie eine Wikinger-Königin – oder zumindest in der Mittelalter-Szene wie eine Frau von Rang. Dementsprechend gross sind ihre Schalenfibeln, die auf ihrem Fuchsfell hervorstechen. Auf alle Fälle hätte sie gut und gerne am Filmset von «Vikings» oder «Game of Thrones» mitarbeiten können.

«Mich reizt besonders die spezielle Mythologie der Wikinger, die vielseitiger als die streng geregelte Religion der Christen mit nur einem Gott war.»
Ina Knup, «Wikingerin» aus Wald

«Mich reizt besonders die spezielle Mythologie der Wikinger, die vielseitiger als die streng geregelte Religion der Christen mit nur einem Gott war», erklärt Knup. Eine brave Hofdame wäre sie weniger gerne, das entspreche ihrem kreativen Naturell nicht.

«Bei den Wikingern haben auch die Frauen gekämpft, das gefällt mir.» Auch bei ihrer Gewandung könne sie sich als ehemalige Baumalerin und mittlerweile selbstständige Künstlerin viel freier gestalten. Die «Wikingerin» gibt aber gerne zu, dass sie vermehrt auch in die Welt der Ritter abtaucht.

Ina Kump im Inti bezüglich ihrem Outfit, dass sie am Mittelalterspektakel in Hinwil tragen wird.

«Nichts was ich trage kommt aus der Verkaufsindustrie», sagt Knup. Bei ihrer Gewandung sei viel Eigengefühl und Kreativität gefragt gewesen. Ein Entstehungsprozess, der lange dauerte. Ab und an komme wieder etwas Neues hinzu: «Ich kaufe gewisse Materialien an Märkten – für ein Schwert oder ein paar Schuhe spare ich auch gerne mal länger.»

Das Fuchsfell, das sie über ihren Schultern trägt, habe sie von einem ehemaligen Szenemitglied für 350 Franken ergattern können. «Heute ist Pelz ja ein heikles Thema, aber da das Tier ohnehin schon tot war, zeige ich doch auch Wertschätzung, indem ich es trage.»

Wo ein Wort noch gilt

Unter Mittelalterfreunden hilft man sich. Besonders die richtig «eingefleischten» Fans sind eine verschworene Gemeinschaft. «Bei uns ist ein Wort noch ein Wort und ein Schwur noch ein Schwur», sagt Knup. Obwohl es zwar gewisse Hierarchien in der Szene gebe, begegne man sich stets auf Augenhöhe.

Bei Schwertkämpfen zum Beispiel gelten besondere Regeln und Raufereien werden nicht geduldet. «Bei uns verbrüdern sich Büezer und Geschäftsmänner, das finde ich einmalig», sagt Knup, die für Mittelalter-Events gut und gerne auch einmal ein paar Stunden reist, um zum Beispiel in der abgelegenen Burg Finstergrün in Österreich ein Wochenende zu verbringen.

«Das Rabiate mag ich durchaus, doch das Sinnieren, Philosophieren und Träumen über und von längst vergangenen Epochen ist für mich das Wichtigste.»
Ina Knup, «Wikingerin» aus Wald

 

«Hinter jedem Anlass steckt viel organisatorische Arbeit. Ein Schwertkampf oder ein Turnier wollen gut vorbereitet sein», sagt Knup. Plastikschwerter kämen für sie nicht in Frage. «Das Rabiate mag ich durchaus, doch das Sinnieren, Philosophieren und Träumen über und von längst vergangenen Epochen ist für mich das Wichtigste.»

Ina Kump im Inti bezüglich ihrem Outfit, dass sie am Mittelalterspektakel in Hinwil tragen wird.

Wachsende Begeisterung

Dass die Mittelalter-Szene in der Schweiz wächst, ist auch Ina Knup nicht entgangen. Zuletzt besuchte sie den Mittelalter-Markt auf dem Zeughausareal in Uster und freute sich über die Begeisterung, die auch dort spürbar gewesen sei.

Dieser Umstand habe jedoch auch Nachteile: «Es ist schön zu sehen, wie Familien mit kleinen Kindern mittlerweile Mittelalter-Events besuchen. Andererseits verliert die eingeschworene Szene dabei etwas von ihrer Mystik, da plötzlich überall Rucksäcke zu sehen sind.»

«Ein Kettenhemd wiegt gut und gerne 50 Kilogramm. Da nehmen selbst hartgesottene Ritter gerne Hilfe an.»
Ina Knup, «Wikingerin» aus Wald

Das Abtauchen falle ihr bei Grossanlässen mit einem Andrang aus der breiten Bevölkerung nicht mehr so leicht. Sie verweist dabei auf einen wichtigen Zusatz der «Mittelalter-Profis»: Diese verkleiden sich nämlich nicht, sondern gewanden sich. Oft brauche es allein beim Ankleiden gegenseitige Hilfe. «Ein Kettenhemd wiegt gut und gerne 50 Kilogramm. Da nehmen selbst hartgesottene Ritter gerne Hilfe an», scherzt Knup.   

Beruf verschmilzt mit Hobby

Als gelernte Baumalerin hat Ina Knup stets einen Hang für die Kreativität gehabt, die sie seit einem Jahr voll und ganz auslebt. Ihren gelernten Beruf hat sie an den Nagel gehängt, um der Kunst, ihrer Fantasie und vielleicht sogar dem Mittelalter noch näher zu kommen.

Ina Kump im Inti bezüglich ihrem Outfit, dass sie am Mittelalterspektakel in Hinwil tragen wird.

In ihrem Atelier «Born to Paint» in Wald bemalt Knup alte Möbelstücke, Leinwände, allerlei Objekte und schreibt Mittelalterzitate auf Pergament, entwickelt Schmuckinitialen oder stellt eigene Gewürzmischungen her. «Hauptsache meine Arbeiten sind so authentisch wie möglich.» Auf Authentizität hofft sie auch am kommenden Mittelalterspektakel auf der Erlosen in Hinwil.

Das Mittelalterspektakel in Hinwil findet vom Freitag, 8. Juli, bis Sonntag, 10. Juli, auf der oberen Erlosen statt. Detaillierte Informationen zum Programm und Ticketkauf finden Sie unter https://www.caligatus-feleus.ch/hinwil. Was die «Wikingerin» Ina Knup im realen Leben tut, erfahren Sie unter www.born-to-paint.ch oder auf Instagram unter atelier.borntopaint.

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