Als Gemeindepräsident mochte Georg Brunner keine Emotionen
Es ist ein neues Gefühl für Georg Brunner: «Heute Morgen habe ich die Meldung erhalten, dass meine Gemeindepräsidenten-Mailadresse nicht mehr funktioniert.»
Nach zwölf Jahren im Amt ist somit auch sein Postfach an seinen Nachfolger und Parteikollegen René Gubler (FDP) übergegangen.
Drei Legislaturperioden lang stand der heute 61-Jährige der Politischen Gemeinde Turbenthal vor. In der Gemeindepolitik war er sogar während 28 Jahren aktiv. 1994 wurde er erstmals in die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gewählt.
Ein «happiger» Einstieg
«Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits im Vorstand des Gewerbeverein, deshalb hat man mich angefragt», erinnert sich Brunner. Er konnte nicht widerstehen und stellte sich zur Verfügung. Es war, wie er es nennt, ein «happiger» Einstieg.
«Ich habe schon immer nach oben gestrebt.»
Georg Brunner, alt Gemeindepräsident von Turbenthal
«Damals mussten wir noch eine buchhalterische Revision der Finanzen machen.» Das sei sehr aufwändig gewesen – und auch anspruchsvoll. Doch das hat Brunner noch nie von etwas abgehalten. Obwohl er schon damals mehr als genug zu tun hatte: Seit 1990 führt er zusammen mit seiner Frau die familieneigene Dorfmetzgerei.
Er habe es aber schon immer gemocht, Verantwortung zu übernehmen. «Schon in der Pfadi war ich Pfadiführer», erzählt der neue alt Gemeindepräsident.
«Ich habe schon immer nach oben gestrebt», sagt er über sich und ergänzt schmunzelnd: «Ausser in der Feuerwehr, dort habe ich es nur bis zum Soldaten gebracht.»
Anders in der Politik. Zwölf Jahre blieb Brunner in der RPK, dann sah er sich zu Höherem berufen: Vor 16 Jahren kandidierte er für den Gemeinderat und schaffte sogleich den Sprung in die Behörde.
Nicht vorgedrängt
Was ihn damals motiviert habe? «Ich hatte einige inhaltliche Auseinandersetzungen mit der heutigen Kantonsrätin Theres Agosti», sagt er heute lachend. Mehr zu den Meinungsverschiedenheiten mit der SP-Politikerin aus Seelmatten will er aber nicht preisgeben.
Im Gemeinderat übernahm er das Ressort Tiefbau. «Eine sehr interessante Sache», wie Brunner heute sagt. Ob Strassenprojekte oder Leitungssanierungen – er mochte seine Arbeit. Doch nach vier Jahren war es bereits wieder Zeit für einen Wechsel.
Brunner stellte sich als Gemeindepräsident zur Verfügung. «Vorgedrängt habe ich mich aber nicht», betont er heute. Damals sei er davon ausgegangen, dass sein Ratskollege Stefan Böni wohl kandidiere. «Erst als er sich zurückgezogen hat, bin ich ins Rennen gestiegen.»
Und er gewann die Wahl gegen seinen Herausforderer Markus Küng. Acht Jahre später sollten die beiden nochmals ums Gemeindepräsidium streiten – erneut mit dem besseren Ende für Brunner.
Eine Zwanzigernote auf dem Tisch
Ein erstes schwieriges Geschäft hatte er bereits zu Beginn seiner Amtszeit. Im November 2010 stimmten die Zweckverbandsgemeinden der Altersheime Tösstal über eine Umwandlung zur Aktiengesellschaft ab.
Sie wurde in allen vier Gemeinden klar abgelehnt, auch in Turbenthal. Ein Grund war wohl auch, dass der Zweckverband das Altersheim in Turbenthal schliessen wollte.
«Ich wollte dafür sorgen, dass auch die Opposition an einer Lösung arbeitet.»
Georg Brunner
«Im Anschluss war für mich klar, dass ich mich für eine tragbare Lösung einsetzen muss», so Brunner. Dafür ging er auch einmal unkonventionelle Wege. Es gab damals einen Verein, der sich gegen die Umwandlung des Zweckverbandes eingesetzt hatte. Also besuchte er an dessen Generalversammlung.
«Nachdem man gesagt hatte, dass nur Mitglieder abstimmen können, habe ich eine Zwanzigernote auf den Tisch gelegt», erinnert er sich. «Mein Mitgliederbeitrag.» So war Brunner auch dabei, mitdiskutieren wollte er aber nicht. «Doch ich wollte dafür sorgen, dass auch die Opposition an einer Lösung arbeitet.»
Gemeinderat als Führungskraft
2015 sagten die vier Gemeinden dann Ja zur Sanierung des Pflegeheims in Turbenthal. «Bei solchen Abstimmungen geht es immer um Emotionen», erklärt er. «Das macht die Sache immer schwierig.»
Brunner mochte es immer gerne sachlich. «Ich bin sicher kein emotionsloser Politiker, aber am Ende geht es immer um Sachgeschäfte und man muss Lösungen finden.»
Dies Einstellung habe sich nicht verändert – auch wenn das Amt als Gemeindepräsident oder Gemeinderat über die Jahre einen Wandel durchlaufen habe. «Es ist viel professioneller als früher», hält er fest. «Man ist eine Führungskraft und weniger am operativen Geschäft beteiligt.»
Doch nun sind in Turbenthal andere am Drücker. Der alt Gemeindepräsident hat nicht nur keinen Zugriff mehr auf seine Mails, auch den Schlüssel fürs Gemeindehaus hat er bereits abgegeben.
Ohne Amt geht es nicht
Es sei ein guter Zeitpunkt zum Aufhören, findet er. «Ich wusste bereits zum Beginn der Legislatur, dass ich nicht mehr weitermachen möchte.»
Präsident der FDP Turbenthal wird er aber vorderhand bleiben. «Und die Gemeinde liegt mit auch weiterhin am Herzen.» Ganz zurückziehen werde er sich nicht.
Nun hat Brunner wieder etwas mehr Freizeit: «Das hatte ich über Jahre nicht.» Oft hatte er mehrere Sitzungen am Tag. Und dies neben seinen Aufgaben in der Metzgerei. «Und am Abend war ich auch meistens weg.»
Ganz ohne Amt kann es der Metzgermeister aber nicht lassen. «Ich habe mich überreden lassen, das Präsidium der RPK der Katholischen Kirche zu übernehmen.» Diese Aufgabe hält immerhin noch zwei Sitzungen im Jahr für ihn bereit.
