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Ex-Post-Chef will mit Gossauer Verein das Klima retten

Er war sechs Jahre lang Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post. Nun setzt sich der Pensionär Peter Hasler als Präsident des Klimavereins Gossau auf kommunaler Ebene für den Klimaschutz ein. Für den kommenden Samstag hat der Verein einen Energierundgang organisiert.

Peter Hasler produziert mit seinen Solaranlagen pro Jahr 34'000 Kilowattstunden Strom., Als Präsident des Klimavereins Gossau möchte Peter Hasler Anstösse für die Zukunft geben und in Gossau etwas bewirken.

Bild: Seraina Boner

Ex-Post-Chef will mit Gossauer Verein das Klima retten

«Die Politik tut in Sachen Klimaschutz noch viel zu wenig», findet Peter Hasler, den man als FDP-Mitglied eher dem bürgerlichen Lager zurechnet. Für ihn kein Hindernis: Dem 76-Jährigen und Zeit seines Lebens engagierten Gossauer bereitet die Klimapolitik hierzulande Kopfzerbrechen.

Deshalb setzt er sich mit seinem Klimaverein für Fortschritte auf kommunaler Ebene ein. «Wir können nicht darauf warten, dass auf Bundesebene etwas passiert, sondern müssen auf Gemeindeebene handeln.» Das gesetzte Ziel des Bundes, im Jahr 2050 die Erderwärmung um 1,5 Grad zu senken, hält er für utopisch. «Ohne eine Verschiebung unserer Werte wird bis dahin nicht viel passieren», sagt Hasler.

Hasler selbst achtet auf seinen ökologischen Fussabdruck, in dem er kaum Auto fährt und wenn, dann nur mit seinem E-Auto. Weiter ist er seit 20 Jahren nicht mehr geflogen, verzichtet auf Reisen und hat seinen Haushalt schon vor vielen Jahren Energie-autark gemacht. Mit drei eigenen Solaranlagen produziert er 34’000 Kilowattstunden Strom pro Jahr und könnte damit sechs Vier-Personen-Haushalte versorgen.

Neu aufgestellter Verein

Hasler und insbesondere seine verstorbene Frau als Mitgründerin engagierten sich bereits sieben Jahre lang für den Solarverein Gossau, der auf das Werben für Photovoltaikanlagen spezialisiert war. An der Generalversammlung vom 27. Juni stimmten 30 Mitglieder einem Namens- und Strategiewechsel zu.

«Photovoltaikanlagen haben sich mittlerweile so etabliert, dass wir unser Hauptaugenmerk verschieben mussten.»
Peter Hasler, Präsident Klimaverein Gossau

Dies deshalb, weil der Verein nicht mehr allein im Bereich Solarenergie tätig ist und sich neu aufgestellt hat. «Der Name schien uns nicht mehr zeitgemäss. Nun heissen wir Klimaverein Gossau», sagt Hasler. Eine Reorganisation sei dringend nötig gewesen. «Photovoltaikanlagen haben sich mittlerweile so etabliert, dass wir unser Hauptaugenmerk verschieben mussten.»

Neu basiert der Verein auf vier Säulen: Wärmeisolation, Heizungen mit Wärmepumpe, Strom aus Photovoltaik und Elektromobilität. Letztere ist für Hasler ein besonderes Anliegen, weshalb er mit seinem Klimaverein am kommenden Samstag in Gossau bei der AL-Arena einen «Energierundgang» veranstaltet.

«Mit Wärmepumpen allein holen Sie junge Menschen nicht ab, mit E-Autos ist die Chance auf ein Umdenken viel grösser.»
Peter Hasler, Präsident Klimaverein Gossau

Dort werden die Photovoltaikanlage und Steuerung der AL-Arena gezeigt und beim Gemeindehaus Wärmepumpen vorgestellt. In Zusammenarbeit mit regionalen Garagisten können zudem 20 verschiedene E-Autos besichtigt werden. «Die Elektromobilität muss die Zukunft für uns alle sein – Verbrennungsmotoren werden schon bald der Geschichte angehören », meint Hasler. Den E-Autos schreibt Hasler die höchste Priorität zu, weil er überzeugt ist: «Mit Wärmepumpen allein holen Sie junge Menschen nicht ab, mit E-Autos ist die Chance auf ein Umdenken viel grösser.»

Gescheitertes CO2-Gesetz

Der Hauptgrund dafür, dass sich Hasler in Gossau so stark für den Klimaschutz einsetzen will, liegt darin, dass die Politik seiner Ansicht nach zu lasch mit der Thematik umgehe. Die gescheiterte Volksabstimmung zum CO2-Gesetz habe ihn erstaunt und zugleich genervt.

«Man muss nur von den Kosten reden und schon gehen alle auf die Barrikaden.»
Peter Hasler, Präsident Klimaverein Gossau

Er empört sich am Umstand, dass der Haupttenor vor der Abstimmung Ende November 2021 lautete: Wenn man zustimme, werden die Energiekosten pro Jahr um 120 Franken steigen. «Man muss nur von den Kosten reden und schon gehen alle auf die Barrikaden», sagt Hasler und verbindet die 120 Franken an zusätzlichen Kosten mit einem schönen Essen im Restaurant, auf das gut verzichtet werden könne. «Beim Klimaschutz geht es um die Frage, ob wir überhaupt eine Zukunft haben. Das dürfen wir uns auch etwas kosten lassen.»

Ohne politische Ausrichtung

Als Vereinspräsident betont Hasler, wie für das Erreichen der Vereinsziele jegliche parteilichen Hintergründe ohne Bedeutung sind. «Für uns geht es allein um die Sache und wir wollen diejenigen sein, die vernünftige und machbare Ziele umsetzen.»

Er verweist auf den Umstand, dass auch die Gossauer SP-Präsidentin Eva Frefel Vorstandsmitglied sei und die Parteizugehörigkeit im Vereinsleben nie eine Rolle spiele. «Wir pflegen den sachlichen Konsens.» Es gehe nicht um Politik, sondern um konstruktive Lösungen. Der Klimaverein soll sich zum Scharnier zwischen Bevölkerung und Gemeinde entwickeln.

Bei Werten umdenken

Ein mögliches Beispiel für eine künftige Lösung sei die gezielte Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Der Klimaverein will hierbei Anstösse geben und Umwelt- und Legislaturziele vorschlagen. «Mit dem gemeindeeigenen Unternehmen <Energie Gossau> haben wir eine Firma, die jährlich 180’000 Franken an Dividenden ausschüttet, die gemäss Gemeindeversammlungsbeschluss für verschiedene Projekte eingesetzt werden müssen», sagt Hasler.

Zugleich moniert er die zu geringen Kapazitäten, welche der Gemeinde im Bereich Umweltschutz zur Verfügung stehen. «Das Bauressort, dem der Klimaschutz zugeteilt ist, wendet gerade einmal zehn Prozent für diese zukunftsweisende Thematik auf.»

«Den Elan den wir im Bereich Bau haben, sollten wir auf die Umwelt übertragen.»
Peter Hasler, Präsident Klimaverein Gossau

 

In diesem Zusammenhang will Hasler mit seinem Verein erreichen, dass ein Umdenken der Werte stattfindet. «Den Elan den wir im Bereich Bau haben, sollten wir auf die Umwelt übertragen», findet Hasler. Er verweist auf die vielen Aufwendungen für Strassen, die in Teilen nicht einmal gebraucht würden. «Die Erderwärmung wartet nicht auf uns, es ist an der Zeit, alle mit ins Boot zu holen.»

Verbote eher destruktiv

Trotz der Dringlichkeit und seiner Bedenken, steht der Klimaverein Gossau Verboten als Möglichkeit zum Erreichen gewisser Klimaziele skeptisch gegenüber. «Drastische Forderungen an jeden Einzelnen in der Bevölkerung bringen nichts», meint Hasler.

Mit Flugverboten und der Aufforderung, kein Fleisch mehr zu essen, würde man nur auf Ablehnung stossen. «Verzicht zu predigen hilft nicht. Lieber zeigen wir der Bevölkerung auf, was dank neuster Technologien bewirkt werden kann.» Am Schluss betreffe alle die Frage: Was tut ihr für euren ökologischen Fussabdruck und auf wie viel seid ihr bereit, freiwillig zu verzichten?

Am Samstag, 2. Juli von 10 bis 12 Uhr, findet bei der AL-Arena an der Altrütistrasse 3 in Gossau an fünf Standorten ein «Energierundgang» statt. Dieser richtet sich direkt an die Bevölkerung. Dabei werden Energieanlagen der Mehrzweckhalle, der Heizungsersatz im Gemeindehaus und die Planung und Ausführung einer eigenen Photovoltaikanlage gezeigt. Weiter gibt es eine E-Auto-Ausstellung, an der 20 verschiedene Modelle vorgeführt werden. Weitere Informationen unter zum Verein finden Sie hier.

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