Neonazis reisten aus dem Ausland nach Rüti
Am Samstag vor einer Woche trafen sich in einem Pfadiheim im Zürcher Oberland Dutzende Neonazis. Die Polizei löste das Treffen auf. Bisher unveröffentlichte Zahlen der Kantonspolizei Zürich zeigen jetzt, dass die Mehrheit der Rechtsextremen aus dem Ausland kam. Wie der «Blick» berichtet, kontrollierte die Polizei in Rüti 53 Personen: 34 deutsche Staatsangehörige, 17 Schweizer und je eine Person aus Frankreich und Ungarn. Es war der grösste Neonazi-Aufmarsch in der jüngeren Zeit.
Das Pfadiheim war für eine angebliche Wandergruppe reserviert worden. Am Anlass hätten die deutschen Musikgruppen Oidoxie und F.I.E.L. auftreten sollen. Beide seien Teil des militanten Neonazi-Netzwerks Blood and Honour und würden Texte voller Hass und Gewalt verbreiten, schreibt der «Blick». Auch der Grossteil der Feiernden in Rüti stamme aus dem Netzwerk, darunter ältere Kadermitglieder.
Laut Florian Frei, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, laufen Ermittlungen: «Auch der Tatbestand der Diskriminierung und des Aufrufs zu Hass wird abgeklärt.» In Deutschland ist Blood and Honour, anders als in der Schweiz, seit dem Jahr 2000 verboten. Die Gruppierung zählt weltweit mehr als 10’000 Mitglieder. Bekannt ist, dass die Gruppierung auch in der Deutschschweiz und in der Romandie mehrere Sektionen führt. Vor allem die Zürcher Sektion hat in den vergangenen Jahren wiederholt Konzerte mitorganisiert. Der Nachrichtendienst des Bundes stuft das Gefahrenpotenzial von Blood and Honour als «erhöht» ein.
Auch das berüchtigte Neonazi-Konzert von Unterwasser SG wies Verbindungen zur Gruppierung auf. In der dortigen Tennishalle trafen sich im Oktober 2016 knapp 6000 Rechtsextreme aus ganz Europa. Den Mietvertrag der Halle hatte ein aus dem deutschen Thüringen stammender Neonazi unterschrieben. Sein damaliger Wohnort: Rüti ZH. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung im April 2019 fand die Polizei unter anderem ein Sturmgewehr, eine Maschinenpistole und 2000 Patronen. Er wurde des Landes verwiesen und zu 16 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
Gleich zwei Vorfälle an einem Wochenende
Das Treffen in Rüti war nicht der einzige rechtsextremistische Vorfall am letzten Wochenende. Am Sonntag war in Zürich ein Gottesdienst christlicher LGBTQ-Organisationen von homophoben Männern gestört worden. Wie Augenzeugen berichteten, wollten sechs bis acht Männer während des Gottesdienstes in die Zürcher Kirche St. Peter und Paul eindringen.
Sie hätten ein Kreuz dabeigehabt, auf dem «No Pride Month» gestanden habe. Mehrere Gottesdienstbesucher haben sich den Männern in den Weg gestellt und deren Vorhaben verhindert.
Die vermummten Männer trugen weisse T-Shirts und waren mit Kameras ausgerüstet. Aufgrund ihres Auftretens gehen Beobachter davon aus, dass es sich um Mitglieder der Jungen Tat handeln könnte, der derzeit bekanntesten rechtsextremen Gruppierung der Schweiz. (jig)
