«Waffen finde ich cool aber Tiere töten nicht»
Um viertel nach acht am Morgen stehen die Vierklässerlerinnen und Viertklässler aus vier Turbenthaler Schulhäusern in einem Kreis beim Forstwerkhof Balmholz. Die einen wirken noch etwas verschlafen, andere topfit.
Sie erwartet heute ein Tag im Wald, um mehr über die Jagd- und Forstwirtschaft zu lernen. Eingeladen hat sie das Forstrevier Turbenthal und die örtlichen Jagdgesellschaften.
Begrüsst werden die Schülerinnen und Schüler mit Klängen des Jagdhorns. Dabei jaulen die Jagdhunde bereits in freudiger Aufregung.
Nach der Einführung durch die Försterin Miriam Lustenberger erfolgt die Gruppeneinteilung. Insgesamt besuchen die Schulkinder vier verschiedene Posten, an denen sie mehr über Vögel, Wildtiere, die Jagdausrüstung und – wenig überraschend – den Turbenthaler Wald lernen.
Winterthurer Wald in Turbenthal
Diesen Posten leitet die Försterin selber. Sie fragt ihre Gruppe, wem denn der Wald gehöre. Zu Beginn sind die Kinder noch etwas zögerlich. «Ihnen?», fragt eine Schülerin. Lustenberger lacht. Sie sei zwar die Försterin, doch Wald besitze sie keinen.
Der grösste Teil des Waldes in Turbenthal ist in Besitz von Privaten. Ein Teil gehört dem Kanton und der Gemeinde. Und auch die Stadt Winterthur besitzt Wald in Turbenthal. «Immer diese Städter», meint Lustenberger mit einem Schmunzeln. Das komme noch von früher, als man in der Stadt Holz zum Heizen brauchte.
Danach nimmt sie einen Würfel hervor. «So viel wächst der Wald pro Sekunde», erklärt sie den Schülerinnen und Schülern. Hinter ihr ist aus Holz ein Würfelgestell aufgebaut. «Und so viel Wald kommt jede Stunde hinzu», sagt sie, währen die Kinder staunen. Es ist etwas mehr, als einen Kubikmeter pro Stunde.
Bären berühren
An zwei anderen Posten lernen die Kinder Wildtiere und Vögel kennen. Dabei dürfen sie auch Hand anlegen, beispielsweise bei einem Bärenschädel. Doch nicht alle getrauen sich, diesen anzufassen.
«Ein bisschen komisch ist es aber schon, es ist ja wie ein totes Tier.»
Nelia, Schülerin
Keine Berührungsängste hat Ejona. «Ich habe in der Schule schon einmal einen Schädel in der Hand gehabt», sagt sie lässig. Deshalb sei das nicht so speziell.
Ihre Kollegin Nelia pflichtet ihr bei. «Ein bisschen komisch ist es aber schon, es ist ja wie ein totes Tier», gibt sie zu.
Die Schule für Jäger
Ein weiteres Highlight für die Schülerinnen und Schüler ist der Posten über die Jagdausrüstung. Dort hat Jäger Roli Lehmann Büchsen und Flinten auf dem Tisch vorbereitet. Fast seine ganze Jagdausrüstung dürfen die Kinder bestaunen.
«Jagen ist ein spezielles Hobby», sagt Lehmann. «Wir müssen mindestens zwei Jahre in die Schule, bevor wir jagen dürfen.»
Er erklärt, dass Jägerinnen und Jäger sich an ganz viele Regeln halten müssen, welche Tiere sie überhaupt töten dürfen. In einem dicken, gelben Ordner hat Lehmann alle Gesetze zusammengetragen.
Wildtier, kein Haustier
Man merkt, dass sich nicht alle Schülerinnen und Schüler wohl bei diesem Thema fühlen. Als der Jäger erläutert, dass er teilweise nach einem Unfall ein Reh von seinen Schmerzen erlösen muss, nehmen einige die Hände vor den Mund.
«Schade, Schiessen wäre cool gewesen.»
Gian, Schüler
Zum Tierarzt darf er mit dem Reh nicht: «Denn es ist ein Wildtier», betont er. Es sollte deshalb keinen Kontakt mit Menschen oder anderen Haustieren haben.
Als die Gruppe bei diesem Posten fertig ist, schaut Gian aus dem Schulhaus Schmidrüti nochmals kurz auf die Waffen, die auf dem Tisch liegen. «Schade, Schiessen wäre cool gewesen», sagt er etwas niedergeschlagen zu seinem Freund.
Katja, die im Schulhaus Risi die Schulbank drückt, findet die Büchsen und Flinten ebenfalls interessant. «Waffen finde ich cool», sagt sie. «Tier töten aber nicht», hängt sie schnell an. Das habe sie nicht so gern. Trotzdem esse sie sehr gerne Fleisch, gibt sie zu. Irgendwie sei das ein bisschen schwierig.
