Zügige Gemeindeversammlung und am Ende doch das eine Problem
Am Dienstagabend haben 49 Stimmberechtigte den Weg ins Gasthaus Blume für die Fischenthaler Gemeindeversammlung gefunden.
Die Rechnung der Gemeinde war schnell behandelt: Sie schloss mit einem Gewinn von rund 2,3 Millionen Franken. Das Ergebnis war besser als erwartet. «Wir haben, wie vom Kanton empfohlen, eher zurückhaltend budgetiert», erklärte Gemeindepräsidentin Barbara Dillier (parteilos).
Doch trotz Corona-Pandemie waren die Steuererträge weiterhin hoch und diverse Ausgaben, beispielsweise für die Schule, tiefer. Die Rechnung wurde ohne Gegenstimme angenommen.
Neues Reservoir
Ebenfalls einstimmig nahmen die Anwesenden den Kredit für den Neubau des Wasserreservoirs Geissrain an. Dieser kostet 1,32 Millionen Franken.
Fischenthal muss rund 23 Prozent davon tragen, also 306’240 Franken. Den Rest übernehmen die Gemeinden Bäretswil, Hinwil und Bauma sowie die Wasserversorgungsgenossenschaft Bachtelberg.
Laut Bauvorsteher Matthias Zürcher (parteilos) ist es jedoch gut möglich, dass sich die Kosten nochmals verringern. «Wir können davon ausgehen, dass der Kanton Zürich etwa einen Drittel übernimmt», sagt er an der Versammlung.
«Wir haben bereits Gespräche mit dem Kanton über das Reservoir Moos geführt».
Matthias Zürcher (parteilos), Bauvorsteher von Fischenthal
Vor der Abstimmung wollte ein Anwesender noch wissen, ob der Neubau des Reservoirs Geissrain auch einen Einfluss auf den Neubau des Reservoirs Moos hat. Dieser war geplant, um die Versorgungssicherheit des Ortsteils Gibswil sicherzustellen.
Zürcher äusserte sich dazu aber nur zurückhaltend. «Wir haben bereits Gespräche mit dem Kanton über das Reservoir Moos geführt», erklärte er. Es könnte sein, dass dieses nun aufgehoben werde «Einen Entscheid gibt es noch nicht.»
Auch die restlichen Geschäfte, darunter die Kreditabrechnung für die Erstellung der Gemeindeentwicklungs-, Alters- und Liegenschaftenstrategie, sowie fünf Einbürgerungen wurden angenommen.
160 hängige Baugesuche
Nach dem offiziellen Teil der Versammlung informierte Gemeindepräsidentin Barbara Dillier über den Massnahmenplan zur Verbesserung der Verwaltungsstruktur. Der Gemeinderat musste vergangene Woche gebundene Ausgaben in Höhe von fast einer halben Million Franken bewilligen, um möglichst schnell die Strukturen in der Verwaltung zu verbessern.
Fischenthal gibt fast halbe Million für bessere Verwaltungsstruktur aus
03.06.2022

Bezirksrat bestätigt Mängel
Die Gemeinde Fischenthal hat einen Rüffel vom Bezirksrat kassiert. Beitrag in Merkliste speichern Die Mängel in der Verwaltung seien vielschichtig, erklärte Dillier. Sie verwies beispielsweise darauf, dass rund 160 Baugesuche hängig sind. «Die Strukturen in der Verwaltung sind zu schwach, um Projekte durchzuführen.»
«Wir hatten viele Gemeindeschreiber in den vergangenen fünf Jahren.»
Stimmbürger an der Gemeindeversammlung Fischenthal
Der Bezirksrat habe den Gemeinderat deshalb aufgefordert, diese Mängel bis Ende Jahr zu beheben. Das sei sportlich, betonte Dillier. «Ausserdem ist es schwierig, externe Fachkräfte zu finden.»
«Keine Luxusvariante»
Ein Anwesender wollte dazu wissen, wer an diesem Schlamassel schuld sei. «Wir hatten viele Gemeindeschreiber in den vergangenen fünf Jahren», stellte er in den Raum.
Dillier erwiderte, dass sie nicht die Schuldigen suchten. «Wir wollen nach vorne schauen und uns verbessern.» Die Vergangenheit könne man nicht ändern. «Der Gemeinderat übernimmt die Verantwortung und setzt jetzt Massnahmen um.»
«Der Massnahmenplan ist keine Luxusvariante.»
Barbara Dillier (parteilos), Gemeindepräsidentin von Fischenthal
Ein weiterer Stimmbürger erkundigte sich, ob die Gemeinde auch eine Fusion prüfe. Dillier winkte ab. «Das ist derzeit nicht angezeigt.» Doch es entspreche dem Zeitgeist, dass man Synergien nutze. Sie verwies dabei beispielsweise auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bauma im Sozialbereich.
Damit Fischenthal für eine Fusion überhaupt attraktiv wäre, müssten ohnehin zuerst die Altlasten bereinigt werden. «Der Massnahmenplan ist keine Luxusvariante, wir wollen nur eine Verwaltung, die fit genug ist für die Projekte der Gemeinde.»
