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Oberländer Dampfbahn kämpft mit der Kohle-Beschaffung

Der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland testet derzeit neue Kohle. Die ersten Ergebnisse sind aber ernüchternd.

, Nicht jede Kohle-Art ist geeignet für die Dampflokomotive. Der DVZO teste derzeit verschiedene Produkte., Er probierte unter anderem Bio-Kohle, die teils aus Olivensteinen hergestellt wird. Leider ist sie nicht passend., Mit reinen Anthrazit-Briketts hatte der Verein ebenfalls kein Glück., Trotzdem ist Vorstandsmitglied Christian Schlatter überzeugt, dass der DVZO bald fündig wird.

Foto: Mirjam Müller

Oberländer Dampfbahn kämpft mit der Kohle-Beschaffung

Die Krise auf dem Rohstoffmarkt geht auch am Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) nicht spurlos vorbei. Bisher bezog der Verein Steinkohle aus einer Zeche aus Wales. Das ist künftig jedoch nicht mehr möglich, da dort keine passende Kohle mehr gefördert wird – nur noch Kohlestaub.

Nun ist der Verein auf der Suche nach Alternativen. Doch das ist gar nicht so einfach. «Wir brauchen Kohle, die einen hohen Energiegehalt hat», erklärt Christian Schlatter, Kommunikationsverantwortlicher des DVZO. Während industrielle Abnehmer auch mit Kohlestaub arbeiten können, braucht eine Dampflokomotive Stückkohle.

Kohle ist ein Energieträger. Wird diese im Kessel verbrannt, setzt das Energie frei, welche die Lok betreibt. In Kohlekraftwerken und der Industrie kommt man auch mit im Verhältnis minderwertiger Kohle oder Kohlestaub aus. Beides hat einen tieferen Energiegehalt. Das heisst, man braucht mehr Rohstoff um gleich viel Energie zu gewinnen.

 

Aktuell testet der DVZO verschiedene Kohlen aus England, das für seine hochwertige Kohle bekannt ist. Dabei hat er auch ein neuartiges Produkt in Betracht gezogen namens Ecoal. Dieses wird aus Anthrazit- und Bio-Kohle hergestellt. Letztere besteht aus verkohlten Olivensteinen. «Leider mussten wir bei ersten Tests feststellen, dass die Energiedichte für uns nicht hoch genug ist», sagt Schlatter.

Asche im Garten

Auch mit speziellen Anthrazit-Briketts hatte der Verein kein Glück. «Wir haben es bei einer Fahrt mit Gästen nach Zürich gerade noch mit letzter Kraft zurück ins Tösstal geschafft.»

Noch ernüchternder war das Resultat bei einer Fahrt mit der Originallok der Uerikon-Bauma-Bahn von Bauma nach Hinwil. Die Verbrennung war so unsauber, dass dabei sogar Aschestückchen in den Gärten entlang der Strecke landeten. «Eine Entschuldigung bei den Anwohnern ist angebracht», meint Schlatter. Das Produkt ist somit ebenfalls aus dem Rennen.

«Wir haben immer gewusst, dass es anspruchsvoll wird, eine Lösung zu finden.»
Christian Schlatter, Kommunikationsverantwortlicher DVZO

Im Juni testet der Dampfbahn-Verein noch eine dritte Kohle-Art, und zwar Briketts aus Anthrazit und Steinkohle. Andere Museumsbahnen, allerdings in England, hätten diese bereits geprüft und die ersten Rückmeldungen seien sehr positiv, sagt Schlatter. Dementsprechend gross sind die Hoffnungen beim DVZO. «Zuerst müssen wir die Kohle aber selber testen.»

Keine Kohle aus Russland

Verzweifelt ist man beim Verein ob der ersten Testresultate noch nicht: «Wir haben immer gewusst, dass es anspruchsvoll wird, eine Lösung zu finden», betont Schlatter.

Er ist zuversichtlich, dass eine gute Alternative zur walisischen Kohle existiert. «Wir beobachten deshalb sehr genau, welche Produkte in England getestet werden.» In keinem anderen Land gebe es so viele Museumsbahnen.

«Es geht Stück für Stück und es gibt nicht den grossen Meilenstein.»
Christian Schlatter

Einen Import von Kohle aus Russland zieht der Verein aus politischen Gründen weiterhin nicht in Betracht. «Ausserdem waren Tests mit sibirischer Kohle bei anderen Dampfbahnen auch sehr ernüchternd», ergänzt Schlatter.

Es sei ohnehin das Ziel, dereinst Dampfloks ohne fossile Brennträger zu beheizen. «Aber wie bei der Technik üblich, geht es Stück für Stück und es gibt nicht den grossen Meilenstein.»

Wie ein Flug auf die Kanaren

Als Klimasünder sieht sich der Dampfbahn-Verein trotzdem nicht. Der grösste Teil der importierten Kohle in der Schweiz geht gemäss Schlatter in die Industrie, nicht an Museumsbahnen.

«Wir feuern beispielsweise immer mit Holz an, das ist ein regionaler, nachwachsender und damit CO2-neutraler Rohstoff.»
Christian Schlatter

«Wir verbrennen jedes Jahr zwischen 30 und 35 Tonnen Kohle», erklärt er. Das entspreche einem CO2-Ausstoss von 85 Tonnen. «Das ist etwa so viel, wie ein Flugzeug auf einem Hin- und Retourflug von Zürich auf die Kanarischen Inseln ausstösst.»

Bereits jetzt achtet man beim DVZO darauf, Kohle sparsam einzusetzen: «Wir feuern beispielsweise immer mit Holz an, das ist ein regionaler, nachwachsender und damit CO2-neutraler Rohstoff.»

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