Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

«Ein Jahresvorrat für eine Person braucht nur einen Kubikmeter Platz»

Kluger Rat – Notvorrat: Die wenigsten Schweizerinnen und Schweizer folgten bisher dieser Empfehlung des Bundes. Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine änderten das und bescherten der Walder Firma Sichersatt viel Arbeit.

Philipp Nater von der Walder Firma Sichersatt will die Bevölkerung sensibilisieren, Notvorräte anzulegen., Dazu gehören neben genügend Lebensmitteln..., ... auch Kocher, um das Essen zuzubereiten ... , ... oder Kerzen, falls der Strom ausfällt.

Seraina Boner

«Ein Jahresvorrat für eine Person braucht nur einen Kubikmeter Platz»

Bei kaum einem Produkt, das man in normalen Lebensmittelläden kaufen kann, steht beim Mindesthaltbarkeitsdatum die Jahreszahl 2032 oder höher. Anders bei der Walder Firma «Sichersatt». Ihre Lebensmittelkonserven für den Notvorrat sind mindestens zehn Jahre halbar.

Hier decken sich Personen ein, die davon überzeugt sind, dass früher oder später das System zusammenbricht – egal ob aufgrund von Kriegen, Naturkatastrophen, der wirtschaftlichen Lage oder Pandemien. Doch diese Bevölkerungsgruppe ist eine klare Minderheit.

«Bis vor zwei Jahren wurden wir als Fantasten oder Spinner belächelt», sagt Geschäftsführer Philipp Nater. «Als die Corona-Pandemie ausbrach kamen wir uns darum etwas vor wie auf der Arche Noah – wir wurden überrannt mit Anfragen.» Und mit Beginn des Ukraine-Krieges hat die Nachfrage nach Konserven einen neuen Höchststand erreicht; gross ist die Angst in der Bevölkerung vor Versorgungsengpässen.  

1376 Kalorien pro Tag

Vor 2020 war die Firma «Sichersatt» rund zehn Jahre lang ein Zwei-Mann-Betrieb. «Mittlerweile mussten wir sowohl unser Lager mehrfach ausbauen als auch zusätzliche Personen anstellen», erzählt Nater. Mit seinem Team bietet er zudem Beratungen in Sachen Notvorrat an.

Die Sichersatt-Bestseller seien der «Notvorrat Classic» – ein Monatsvorrat für eine Person – oder das Familienangebot, das vier solcher Pakete enthält: Pro Person und Tag 1376 Kalorien. Darin sind unter anderem Vollmilchpulver, vorgekochte Hülsenfrüchte, Teigwaren, Volleipulver, Reis oder Gemüsemischungen. Dazu kommen Technik-Pakete, etwa mit einem Gaskocher, einem Kurbelradio oder einer Kurbellampe, Streichhölzer und Kerzen ausgestattet.

Philipp Nater von der Firma SicherSatt AG in seinem Lager.17.5.2022

Es liege in der Natur seiner Firma, dass man sich stets in Extremsituationen bewege, sagt Philipp Nater. «Wenn es chlöpft, rennen alle in die Läden, um sich mit Lebensmitteln einzudecken oder bestellen bei uns.» Aber sei die Weltlage ruhig, interessiere sich niemand für Notvorräte. «Da nützt auch Werbung nichts.»

Beruhigung für die Bevölkerung

Dass der Bund empfiehlt, einen Notvorrat anzulegen, ist zwar bekannt, werde jedoch kaum umgesetzt. In den letzten Monaten haben nun auch einige politische Gemeinden in ihren Newslettern die Bevölkerung auf die Notwendigkeit eines Vorrats hingewiesen.

So etwa in Dürnten. «Vor allem zu Beginn des Krieges in der Ukraine bekam die Abteilung Schutz und Sicherheit zahlreiche Telefonanrufe zu den Themen Schutzraum und Notvorrat», sagt Gemeindeschreiber Daniel Bosshard. «Wir haben dann auf unserer Homepage die Informationsseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz aufgeschaltet und im Newsletter darauf hingewiesen.» Zurzeit würden noch immer vereinzelte Anfragen aus der Bevölkerung die Verwaltung erreichen. «Aber nur noch zu den Schutzräumen.»

Auch in Weisslingen wurde die Bevölkerung mittels Newsletter auf das Thema hingewiesen. «Der Aufruf erfolgte einerseits wegen der Ungewissheit der kriegerischen Auseinandersetzung auf die Versorgungslage», sagt Gemeindeschreiber Silvano Castioni. «Andererseits sollte er als Zeichen gegenüber der Bevölkerung dienen, dass keine erhöhte Sorge oder gar Panik notwendig ist.»

So steht es denn auch auf der Informationsseite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz: «Zurzeit muss die Bevölkerung keine besonderen Massnahmen ergreifen.» Aber ebenfalls: «Die Bevölkerung sollte in der Lage sein, sich während mehrerer Tage ohne externe Unterstützung verpflegen zu können.»

«Probieren, die Leute vorzeitig zu bekehren, ist meist zwecklos.»
Philipp Nater, Sichersatt

Dass die Gemeinden versuchen, die Bevölkerung auf das Thema zu sensibilisieren, freut Philipp Nater. «Aufklärung ist extrem wichtig, aber am Schluss liegt es in der Eigenverantwortung jedes einzelnen, sich auf Extremsituationen vorzubereiten. Probieren, die Leute vorzeitig zu bekehren, ist meist zwecklos.»

Die vergangenen zwei Jahre hätten gezeigt, dass es durchaus Sinn ergibt, sich frühzeitig auf eine Extremsituation vorzubereiten. Denn Lieferengpässe und unterbrochene Lieferketten sind mittlerweile an der Tagesordnung.

Inflation als Antrieb

«In den letzten zehn Jahren hat unsere Firma mehr schlecht als recht überlebt», sagt Nater. «Aber wir wussten, dass der Moment kommen wird, in dem unser Angebot gefragt ist – so schade es auch ist.»

Für ihn gebe es schlichtweg keinen Grund, sich keinen Vorrat anzulegen. Das Argument, keinen Platz zu haben, lässt er nicht gelten: «Ein Jahresvorrat für eine Person braucht nur einen Kubikmeter Platz.» Und gerade jetzt mit der Inflation, wenn das Geld immer weniger Wert hat, mache es umso mehr Sinn, sich um Vorräte zu kümmern. «Denn wofür gibt man auch noch sein letztes Geld aus, wenn es hart auf hart kommt? Für Lebensmittel.»

Weitere Informationen und ein Merkblatt zum Thema Notvorrat gibt es auf der Informationsseite des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung www.bwl.admin.ch.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns