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Politik

Marco Nuzzi schreibt in Illnau-Effretikon Geschichte

Der FDP-Stadtrat Marco Nuzzi ist zum neuen Stadtpräsidenten von Illnau-Effretikon gewählt worden. Er ist der erste Bürgerliche in diesem Amt.

Der Abtretende gratuliert dem Neuen: FDP-Stadtrat Marco Nuzzi (r.) übernimmt das Stadtpräsidium von Ueli Müller (SP).

Christian Merz

Marco Nuzzi schreibt in Illnau-Effretikon Geschichte

Es ist ein kleiner Schritt für den Bürger, aber ein grosser für den Politiker Ueli Müller. «Ein letztes Mal, darf ich jetzt noch die Treppe hinaufsteigen, um ein Ergebnis bekanntzugeben», meint der nach elf Jahren abtretende Stadtpräsident von Illnau-Effretikon leicht scherzhaft, als er sich am Sonntagnachmittag im Foyer des Stadthauses anschickt, seinen Nachfolger zu präsentieren.

Was danach kommt, ist indessen weder formell, noch amüsant. Sondern vielmehr historisch. «Gewählt ist mit 55 Prozent der Stimmen Stadtrat Marco Nuzzi», erklärt der Sozialdemokrat unter Beifall der rund 20 Anwesenden. Und bestätigt damit offiziell, dass das Amt zum ersten Mal seit der Einführung der parlamentarischen Strukturen 1974 in bürgerliche Hände fällt.

Mit 2289 Stimmen hat der 40-jährige FDP-Stadtrat 435 Stimmen mehr erhalten als sein Kontrahent, der SP-Stadtrat Samuel Wüst (1854). Die Stimmbeteiligung lag bei 41,61 Prozent und damit gut fünf Prozent höher als noch im ersten Wahlgang.

Ein Sohn der Stadt

In einer ersten Reaktion zeigt sich Nuzzi gefasst und nüchtern. Die Emotionen sind dennoch deutlich spürbar. So spricht der Hochbauvorsteher von einem «wunderbaren Geschenk», das ihm sowohl die Wählerinnen und Wähler als auch seine zahlreichen Unterstützer gemacht haben.

Tatsächlich hat die Wahl für den Inhaber einer Treuhandgesellschaft nicht nur karrieretechnisches, sondern auch persönliches Gewicht. Der heute dreifache Familienvater ist als Secondo in Effretikon aufgewachsen und nie weggezogen. Insofern ist er ein echter Sohn der Stadt.

Dementsprechend, und das betont Marco Nuzzi, spüre er an diesem Nachmittag auch die Last der Verantwortung. «Die Aufgabe wird extrem herausfordernd», sagt er denn auch. Er werde das Amt mit «Respekt und Demut» antreten, denn er wisse: «Ich trete in grosse Fussstapfen.»

Lobende Worte des Vorgängers

Ueli Müller, der angesprochene Mann mit den grossen Füssen, findet zu seinem designierten Nachfolger nur gute Worte. In den fünf Jahren, die die beiden im Stadtrat zusammengearbeitet haben, habe er einen engagierten Politiker kennengelernt.

«Obschon er nicht aus dem Metier kommt, hat er sich im Hochbauressort sehr schnell eingearbeitet und sich dort auch intensiv mit den wichtigen Energiethemen auseinandergesetzt», lobt Müller. Und: «Ich habe gestaunt, wieviel Zeit und Energie er investiert hat.»

«Ich hätte das Resultat vielleicht noch etwas knapper erwartet.»
Ueli Müller, abtretender Stadtpräsident

Dass Illnau-Effretikon nun mit der Tradition des linksgrünen Stadtpräsidiums gebrochen hat, kommt für ihn derweil nicht überraschend. «Ich hätte das Resultat vielleicht noch etwas knapper erwartet. Doch wenn die SVP- und die FDP-Wähler geschlossen an die Urne gehen und auch in der Mitte noch Stimmen abfallen, wird es für uns schwierig.»

Das Kind beim Namen genannt

«Ich gönne es Marco», sagt der unterlegene SP-Kandidat Samuel Wüst, der nicht mit dem Schicksal hadern mag und das Kind beim Namen nennt: «Wir haben als Partei bei den Stadtratswahlen knapp einen Sitz und nun im zweiten Wahlgang auch das Stadtpräsidium verloren. Da gibt es nichts zu beschönigen.»

Seine persönliche Enttäuschung mag er zwar nicht kaschieren, doch Katerstimmung ist keine zu spüren. Wüst, der im ersten Wahlgang mit einem guten Ergebnis in den Stadtrat gewählt worden ist, sieht seine Arbeit denn auch weniger in der Partei-, denn in der Exekutivarbeit.

Hinsichtlich eines möglichen Stadtpräsidiums hat sich der 58-jährige Projektleiter des Tiefbauamtes der Stadt Zürich frühpensionieren lassen. Ergo hat er nun reichlich Zeit für seine Tätigkeit im Stadtrat. Ob er diese weiterhin ins Gesellschaftsressort investieren wird, wird sich nun zeigen müssen. Ein Wechsel, so viel lässt er durchblicken, scheint nicht ausgeschlossen.

Jetzt ist die FDP Wahlsiegerin

Während die Wahl von Marco Nuzzi die SP definitiv zur Verliererin macht, zementiert sie den Status der FDP Illnau-Effretikon als grosse Gewinnerin. Nicht nur hat sie als stärkste Kraft in der Exekutive zum ersten Mal in der Geschichte das Präsidium inne. Sie stellt neu als einzige Sektion im Kanton einen Präsidenten in einer Parlamentsgemeinde.

Stadtpräsident Ueli Müller fotografiert die drei FDP-Stadträte Michael Käppeli, Marco Nuzzi und Philipp Wespi.

Dementsprechend gerührt zeigt sich ihre Vorsitzende, die Parlamentarierin Katharina Morf, nach der Bekanntgabe des Resultats. «Ein fantastischer Erfolg für Marco», sagt sie. Und: «Für die FDP ist das sensationell.»

Wie Nuzzi sieht auch sie eine Verantwortung, die es wahrzunehmen gilt. «Wir haben bewiesen, dass wir für die ganze Bevölkerung arbeiten. Ich bin überzeugt, dass unser Trio im Stadtrat diese Führungsverantwortung auch weiterhin übernehmen wird.»

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