Ein Chor beklagt sich ein ganzes Konzert lang
Frau Gloor, Sie haben alle Lieder für das Konzert des Beschwerdenchors selbst geschrieben. Sind überhaupt genug Klagen zusammengekommen?
Julia Gloor: Ja, das war überhaupt kein Problem. Das Schöne ist ja, dass eigentlich jeder Beschwerden und Klagen hat. Ich habe intern im Chor, aber auch viel mit Personen aus meinem Umfeld gesprochen. Auch von aussen kamen einige Beschwerden zu mir. Es war die grössere Herausforderung, die Klagen in einem Bogen zu verbinden, der im Konzert Sinn macht.
Und wie haben Sie diese in Chorlieder umgeschrieben?
Das war ein längerer Prozess. Ich brauchte ja schon zu Beginn einen roten Faden und musste deshalb Schwerpunkte setzen. Alltägliches hatte dabei ebenso Platz wie grössere soziale und ethische Fragen. So heisst ein Titel «Selfie», ein anderer «Chill mama». Doch ich gab mir grosse Mühe, dass es nicht zu schwer wird. Dazu gehört eine Prise Humor und vor allem Abwechslung.
Gibt es Themen, die Sie bewusst ausgelassen haben?
Bei politischen Fragen, wie beispielsweise der Corona-Politik, musste ich aufpassen. Es fällt schwer, einem Konzert zuzuhören, in dem nur angeklagt wird. Dennoch ist ein Lied mit dem Titel «Code» den QR-Codes gewidmet. Als Ende Februar die Zertifikatspflicht grösstenteils aufgehoben wurde, musste ich den Schluss dieses Songs nochmals umschreiben.
Und die restlichen Lieder sind von Anfang an unverändert geblieben?
Nein, das ganze Chorprojekt war ja immer ein «Work in Progress», ich arbeitete also ständig an den Liedern. Zuerst musste ich die sicheren Teile für den Chor schreiben, damit wir proben konnten. Doch die Solos und Rap-Teile habe ich erst im Laufe der Zeit geschrieben und auch immer wieder angepasst.
Sie sprechen jetzt von Rap-Einlagen. Ist das überhaupt noch ein klassisches Chorkonzert?
Nicht wirklich, das Konzert hat bewusst einen leichten Musicalcharakter. Der Chor besteht aus 25 Sängerinnen und Sängern im Alter zwischen 12 und 70 Jahren und sie haben noch nicht zusammen mit dem Regisseur geprobt. Deshalb haben wir diese Woche intensiv mit Uli Plessmann aus Berlin geübt. Er ist ein relativ bekannter Schauspieler und Regisseur und ein langjähriger Freund von mir. Deshalb konnte ich ihn für unser Projekt engagieren. Er tritt im Konzert als auch Sprecher auf.
Der Beschwerdenchor tritt am Samstag 30. April um 11 Uhr in der Alten Turnhallte in Wetzikon auf. Am Sonntag 1. Mai hat der Chor um 17 Uhr in Rüti seinen zweiten Auftritt. Mehr Informationen sind auf der Website des Projektchors zu finden.
