So wirkt sich die Vollsperrung auf das Tösstaler Gewerbe aus
Von Turbenthal nach Wila oder zurück geht es nur mit einem Umweg. Vier Gewerblerinnen und Gewerbler erzählen, wie sich die Vollsperrung der Tösstalstrasse auf sie auswirkt.
Martha Aeschlimann, Wirtin «Sternen», Turbenthal
«Wir sind an einem ganz blöden Ort», sagt Martha Aeschlimann, die Wirtin der Raucherbeiz Sternen in Turbenthal. Ihr Lokal befindet sich vom Dorf abgeschnitten auf der anderen Seite der Kreiselbaustelle Richtung Wila. Und das spürt man im Lokal.
«Wir haben viel weniger Gäste für den Znüni und den Zvieri», sagt sie. Wenn die «Büezer» nicht in der Nähe seien, dann sei ihr Lokal fast leer.
«Auf der Tafel steht nur das Bluemehuus Mötteli, das ist einfach nicht fair.»
Etwas weniger stark sind die Auswirkungen am Mittag. «Dann haben wir immer noch viel Kundschaft, da einige Angestellte der Jucker AG bei mir essen.»
Aeschlimann hat beim Kanton nachgefragt, ob in Wila auf der Umleitungstafel stehen könnte, dass die Zufahrt zum Restaurant möglich sei. Doch das wurde abgelehnt. «Auf der Tafel steht nur das Bluemehuus Mötteli, das ist einfach nicht fair», findet die Wirtin.
Die Vollsperrung macht ihre ohnehin schwierige Situation nicht einfacher. Die Corona-Massnahmen haben bereits hohe Umsatzeinbussen verursacht, und im Januar starb auch noch ihr Mann. Nun führt sie das Restaurant alleine.
Ab September wird sie die Öffnungszeiten ohnehin reduzieren: «Ab dann werde ich nur noch Znüni und Zvieri anbieten, kein Mittagessen mehr.»
René Schneider, Geschäftsführer Jucker AG, Turbenthal
Die Jucker AG führt Spezialtransporte durch. Ihr Firmenstandort liegt ebenfalls vom Rest von Turbenthal abgeschnitten beim Gmeiwerch. Doch Geschäftsführer René Schneider möchte nicht klagen: «Es geht einigermassen, wir haben uns mit der Situation arrangiert.»
Glücklicherweise befindet sich eine Baustelle, die von der Jucker AG bedient wird, auf ihrer Seite der Kreiselsperrung. So bleibt der weitere Umweg für Lastwagen über Hittnau erspart.
«Es hätte für uns sicher bessere Lösungen gegeben.»
Störend ist die aktuelle Situation aber nicht nur für die Hauptgeschäftstätigkeit der Jucker AG. Auch die tägliche Fahrt zur Post ist laut dem Geschäftsführer beispielsweise aufwändiger geworden: «Dafür muss man nun immer den Umweg über Wildberg fahren.»
Schneider und seine Mitarbeiter sind froh, wenn die Tösstalstrasse wieder durchgehend befahrbar ist. Bis es so weit ist, machen alle das Beste draus: «Es hätte für uns sicher bessere Lösungen gegeben, aber ‹c’est la vie›.»
Arben Selmonaj, Inhaber AWT Service GmbH, Turbenthal
Arben Selmonajs ist Geschäftsführer der Wärmetechnik-Firma AWT Service GmbH. Diese befindet sich in der Nähe der St. Gallerstrasse. «Wir spüren die Folgen der Vollsperrung stark, da wir auch viel Kundschaft in Wila haben», erklärt Selmonaj.
Er ärgert sich, dass das Gewerbe nicht den leicht kürzeren Umweg über die Gemeindestrassen fahren darf. Dort gilt vorderhand, dass nur Zubringerdienst gestattet ist.
«Wenn fünf Mitarbeiter pro Tag bis zu einer Stunde zusätzlich unterwegs sind, verlieren wir 400 bis 500 Franken.»
«Wenn meine Mitarbeiter oder ich dann noch zwei Mal bei der Barriere in Turbenthal warten müssen, dauert der Weg von Turbenthal nach Wila gut 20 Minuten länger», ärgert sich der Geschäftsführer.
Das gehe auch ins Geld. «Wenn fünf Mitarbeiter pro Tag bis zu einer Stunde zusätzlich unterwegs sind, verlieren wir 400 bis 500 Franken.» Zeit sei immer auch Geld.
Selmonaj hätte sich gewünscht, dass die Lichtsignalanlage über die ganze Bauzeit in Betrieb ist. «Dort muss man zwar auch drei bis vier Minuten warten, aber das ist vertretbar.»
Kathrin Janz, Mitinhaberin Konditorei Café Janz, Wila
Die Sorge bei Christian und Kathrin Janz-Deppeler, den Inhabern der Konditorei Café Janz, war vor Beginn der Vollsperrung gross. «Wir rechneten damit, dass unser Umsatz zurückgeht», sagt Kathrin Janz.
Inzwischen hat sich bestätigt, dass die Baustelle in Turbenthal tatsächlich Einfluss auf ihren Betrieb in Wila hat. «Es ist aber von Tag zu Tag verschieden», ergänzt sie.
«Leute, die auf der Durchfahrt sind, wählen wohl einen anderen Umweg.»
Es sei jedoch nicht möglich, den Rückgang mit Prozentpunkten zu beziffern. Janz ist nun gespannt, wie das Ostergeschäft dieses Jahr läuft. Normalerweise herrscht dann in der Konditorei Hochbetrieb.
Besonders spürbar sei die fehlende Kundschaft am Morgen. «Leute, die auf der Durchfahrt sind, wählen wohl einen anderen Umweg», vermutet die Inhaberin.
Auch am Sonntag ist der Umsatz derzeit rückläufig. «Dann haben wir oft viel Kundschaft aus Turbenthal.»
Immerhin sei es nicht noch schlimmer gekommen, als ohnehin angenommen. «Wir sind froh, wenn die Sperre wieder vorbei ist», betont Janz mit Nachdruck.
